Kritik der christlichen Gemeinden

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Die Stadtverwaltung wie die muslimische Ditib-Gemeinde haben die christlichen Gemeinden der Stadt nicht vorab informiert, den öffentlichen Gebetsruf des Muezzin in Gladbeck einführen zu wollen. Dies indirekt, erst über die Information der Presse zu erfahren, stößt sowohl auf katholischer wie auf evangelischer Seite auf deutliche Überraschung und Kritik.

Die Stadtbevölkerung bei einem so hochsensiblen Thema durch breite Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld mitzunehmen, hätte er „für weiser gehalten“, sagt Superintendent Dietmar Chudaska. Das bewertet Christa Schniering ebenso: „Statt einer Ad hoc-Aktion wäre es sinnvoller gewesen, das Thema vorab in gemeinsamen Gesprächen zu klären“, so die Beauftragte für den christlich-islamischen Dialog der Pfarrei St. Lamberti.

Propst André Müller war für eine Stellungnahme auch telefonisch nicht zu erreichen. Er hält sich momentan zu Exerzitien mit dem Pastoralteam im Sauerland auf.

Fehlendes Fingerspitzengefühl

Das Recht der freien Religionsausübung werten beide Gemeindevertreter als hohes Gut unseres Staates. Dies stehe auch nicht zur Debatte, vielmehr gehe es um fehlendes Fingerspitzengefühl. Erfahrungen auch in umliegenden Städten hätten gezeigt, dass das Thema Gebetsruf oft ein mühseliger Prozess sei, „da damit auch Ängste verbunden sind“, so Chudaska. Da hätten gerade auch die Verantwortlichen innerhalb der muslimischen Gemeinde bessere Kommunikationsarbeit leisten und um Akzeptanz werben können, indem sie auch die Butendorfer-Nachbarschaft aufklären, „in welcher Art genau sie ihr Recht wahrnehmen wollen“. Für den interreligiösen Dialog in Gladbeck hätte er sich gewünscht, so der Superintendent, „dass eine solche Entscheidung im Rahmen einer breiten öffentlichen Information und Diskussion erfolgt“.

Dass dieser gemeinsame Austausch „leider nicht passierte“, erstaunt auch Pfarrgemeinderätin Christa Schniering. Wenn der Ruf des Muezzins in Butendorf ertönen solle, sei nachvollziehbar, dass die Nachbarschaft im Vorfeld Interesse habe zu erfahren, zu welcher Zeit, wie oft und in welcher Lautstärke dies am Tag erfolgen solle.

Überrascht ist die Dialogbeauftragte auch, dass bei ihren zahlreichen offiziellen Treffen mit Vertretern der Ditib-Gemeinde der Wunsch, den Gebetsruf einzuführen, nie direkt angesprochen worden sei. Ob der Glaubensruf auch eine konservativere Ausrichtung der Ditib-Gemeinde bedeute? Das wolle sie nicht beurteilen, sagt Christa Schwiering, das aktuelle Handeln mache es aber wohl nicht leichter „im Dialog zu bleiben“.

 
 

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