Krankenkasse rudert nach Beschwerde zurück

Gar nicht so einfach ist das An- und Ausziehen eng sitzender Kompressionsstrümpfe.
Gar nicht so einfach ist das An- und Ausziehen eng sitzender Kompressionsstrümpfe.
Foto: Markus Joosten
DAK wollte die Kosten für das Ausziehen von Kompressionsstrümpfen nicht übernehmen. Sohn der 91-jährigen Mutter legte Einspruch ein

Gladbeck..  Die gute Nachricht vorweg: Rainer Krönke (65) muss seiner Mutter Erika Krönke (91) die Kompressionsstrümpfe nicht selbst abends ausziehen. Er kann dafür weiterhin den Pflegedienst in Anspruch nehmen, der die Strümpfe morgens auch anzieht, und die DAK (Deutsche Angestellten Krankenkasse) bezahlt die Leistung. Tägliche Kosten: 10,17 Euro fürs Anziehen, 9,79 Euro fürs Ausziehen.

Vor wenigen Tagen war die Sachlage noch eine ganz andere. Da bestand die Krankenkasse darauf, dass der seine Mutter pflegende Sohn ihr abends selbst die Strümpfe ausziehen könne und sie daher die Rechnung des Pflegedienstes nicht mehr bezahlen werde.

Das brachte Rainer Krönke auf die Palme. Er pflegt zwar seine betagte Mutter, fühlt sich aber aus eigenen gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, jeden Abend das Ausziehen der Kompressionsstrümpfe zu übernehmen. Dies hat er der Krankenkasse in wiederholten Schreiben – insgesamt zehn – mitgeteilt und drohte am Ende sogar mit einer Klage. „Ich bekam aber keine Antwort.“ Nachdem die WAZ bei der Krankenkasse zu diesem Fall nachgefragt hatte, hieß es dann plötzlich: Frau Krönke bekommt die Bewilligung der Leistungserstattung jetzt doch.

Vermutlich geschieht die überraschende Kehrtwende nicht zufällig. Denn Erika Krönke ist kein Einzelfall. In den vergangenen Wochen haben zahlreiche DAK-Versicherte eine Anfrage ihrer Krankenkasse zum An- und Ausziehen der Kompressionsstrümpfe erhalten mit der direkten Frage, ob nicht Verwandte oder Freunde dies übernehmen könnten. Das hatte zu einiger Aufregung bei Betroffenen und Protesten von Wohlfahrtsverbänden und Pflegediensten geführt.

„Da sind wir ein wenig übers Ziel hinausgeschossen“, gesteht DAK-Pressesprecher Rainer Lange auf Anfrage der WAZ. Die verschickten Fragebögen seien zurück gezogen worden. Er weist aber darauf hin, dass die DAK wie andere Kassen auch gesetzlich verpflichtet sei, im Interesse ihrer Versicherten die Anträge auf Häusliche Krankenpflege zu prüfen. Auch wenn ein Arzt die Leistung verordne, ersetze dies keine Prüfung der Kasse.

Die Überprüfung dieser Leistungen gebe es häufiger, weiß Frank Böing vom gleichnamigen Pflegedienst, der Erika Krönke morgens die Kompressionsstrümpfe an- und abends auszieht. Eine Reihe von BGH-Urteilen (Bundesgerichtshof) bestätigten jedoch die Auffassung der Patienten bzw. der sie pflegenden Personen wie Rainer Krönke. „Die Strümpfe an- und auszuziehen ist wahnsinnig schwer“, erklärt Böing. Wer selbst nicht fit ist, könne dies nicht leisten.

 

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