Kinderhospizdienst Gladbeck kämpft gegen Tabuthema Tod

Elif  (links) und Anna (rechts) beim Basteln.
Elif (links) und Anna (rechts) beim Basteln.
Foto: WAZ FotoPool
Mit einem Aktionstag wollte der Ambulante Kinderhospizdienst Gladbeck in der städtischen Bücherei auf sein Wirken aufmerksam machen. Das unbequeme Thema lockte nur wenige – diejenigen, die kamen, waren gerührt von den Bildern, die Kinder der Rosenhügelschule gemalt haben.

Gladbeck..  Wenn Kinder schwer erkranken, lässt das niemanden kalt. Am liebsten möchten sich die Menschen wohl gar nicht mit den Thema Krankheit und Tod beschäftigen, schon gar nicht, wenn es um die Kleinsten geht. Das Thema vom Tabu zu befreien, ist das Ziel des Ambulanten Kinderhospizdienstes in Gladbeck – neben seiner ursprünglichen Aufgabe, schwer kranken Kindern und ihren Familien beizustehen, sie im Leben zu begleiten.

Mit einem Aktionstag in der Bücherei wollte der Verein das Thema in den Blickpunkt rücken. Dass sich schließlich doch überwiegend alte Bekannte in den Armen lagen, zeigt wohl: Der Weg ist noch weit.

Dabei gab es viel zu sehen, zum Beispiel ein Bilderbuchkino inklusive Bastelaktion. Im Untergeschoss der Bücherei zeigten die Viertklässler der Rosenhügelschule selbstgemalte Bilder unter dem Titel: „Engel für Paul“. Vergangenes Jahr hatten sie einen Spendenlauf für den Verein gemacht und sich im Religionsunterricht mit dem Gladbecker Jungen Paul beschäftigt.

Gedanken zum Thema Tod

Von Paul, der an einer Stoffwechselstörung erkrankt war, die das Gehirn zerstörte, hat ihnen Gisela Ewert-Kolodziej, Koordinatorin des Kinderhospizdienstes, erzählt. Paul lebt nicht mehr, er ist im Dezember gestorben. Die Grundschüler haben ihre Gedanken zum Tod aufgeschrieben. Zum Beispiel Vincent und Elias. „Jemand stirbt, und das ist, wie wenn ein Fluss das Wasser verliert. Aber wenn es regnet, erwacht er wieder zum Leben.“

Ines Dembinski ist gerührt. Sie ist Pauls Mutter, hat ihn jahrelang gepflegt, trauert um ihren Jungen. Dass die Kinder vom Rosenhügel sich so viel Mühe gegeben haben, überwältigt sie. „Ich hatte gehofft, dass wir wenigstens Danke sagen können.“ Doch von der Schule ist niemand gekommen.

Für Ines Dembinski war und ist der Kinderhospizdienst eine große Stütze. Ehrenamtliche unterstützten die Familie, kümmerten sich um Paul, aber auch um seine gesunde Schwester Anna. „Ich weiß nicht, wie es bei uns gegangen wäre, wenn wir die Begleitung nicht gehabt hätten“, sagt die Mutter, die vom Leben mit Paul auch in der WAZ erzählte.

Ihre Verbundenheit zum Verein bleibt. In Kursen für Ehrenamtliche berichtet sie von ihren Erfahrungen. Sie ist eine Botschafterin dafür, wie wichtig Begleitung für Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern ist. Dass mehr Menschen die Botschaft hören, daran will der Verein weiter arbeiten. „Ich sehe das als kleinen Anfang“, sagt Gisela Ewert-Kolodziej. Sie weiß: Berührungsängste lassen sich nur langsam abbauen.

 
 

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