Kastration hilft gegen Katzenplage

So lange Tierfreunde aus falsch verstandener Tierliebe die Futterstellen wild lebender Katzen immer wieder nachfüllen, vermehren sich auch wild lebende Katzen ungehindert weiter. l Foto: Joachim Kleine-Büning
So lange Tierfreunde aus falsch verstandener Tierliebe die Futterstellen wild lebender Katzen immer wieder nachfüllen, vermehren sich auch wild lebende Katzen ungehindert weiter. l Foto: Joachim Kleine-Büning
Foto: WAZ Fotopool

Gladbeck. Nicht nur in der Schlägel&Eisen-Siedlung sind wild lebende Katzen ein Problem. Im Kreis Recklinghausen spricht man bereits von einer Plage.

Wie viele wild lebende Katzen wohl durch Gladbecker Gefilde streunen? Jürgen Hertling, Leiter des Ordnungsamts, wagt da keine Schätzung. Nur so viel weiß er: „Es sind viele, vielleicht sogar mehr als Hauskatzen“. Denn nicht erst die Aktion der Tierschützer in der Schlägel&Eisen-Siedlung hat auf das Problem verwilderter Katzen aufmerksam gemacht.

Das ist vielmehr seit längerem bekannt, im gesamten Kreis Recklinghausen sprechen selbst Tierschützer schon von einer Plage. Die Ursachen liegen auf der Hand: Freilaufende und ausgesetzte Hauskatzen vermehren sich ungehindert, den Nachwuchs will aber kaum jemand haben, selbst in Tierheimen finden solche Katzen keinen Unterschlupf mehr. Hertling: „Es besteht ein Aufnahmestopp.“ Also suchen sich die Tiere ein eigenes „Zuhause“ und können dort oft überleben, weil „sie aus falsch verstandener Tierliebe gefüttert werden“, beschreibt Hertling, selbst Tierfreund und aktiver Tierschützer, das Problem. Ähnlich wie bei den Tauben bewirkt solche Fütterung, dass die Population der Tiere weiter zunimmt. Dass diese Tiere aber oft aufgrund der Lebensbedingungen oft krank sind, die Krankheiten auch übertragen, ist eine Folge. Die andere: Sie bleiben wild, sind nicht mehr zu domestizieren.

Stadt unterstützt Tierschutz finanziell

Das einzig wirksame Mittel dagegen: Die Kastration. Seit 1998 unterstützt die Stadt den Tierschutzverein übrigens darin, stellt im Haushalt mittlerweile 3500 Euro pro Jahr für die Kastration der wilden Katzen zur Verfügung.

In Recklinghausen fordern Tierschützer noch weitergehende Maßnahmen: Eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle frei laufenden Katzen, eine so genannte Katzenschutzverordnung. In einigen NRW-Städten gibt es das auch schon: Paderborn war Vorreiter, im Kreis RE hat Oer-Erkenschwick als erste Stadt seit April eine solche Verordnung. In Recklinghausen denkt man darüber nach, in Datteln wird des geprüft. In Gladbeck war das bis jetzt kein Thema.

Appelle statt Pflicht

In Oer-Erkenschwick sollen Mitarbeiter des Ordnungsamts darüber wachen, dass Katzenhalter ihre frei laufenden Katzen kastrieren lassen. Tun sie das nicht, kann ein Bußgeld verhängt und die Kastration angeordnet werden. Jürgen Hertling findet das wenig praktikabel, der bürokratische Aufwand sei immens. Fraglich sei auch, inwieweit eine solche Verordnung im Klagefall vor Gericht Bestand hätte. Besser sei es, an die Verantwortung der Katzenhalter zu appellieren und auf Freiwilligkeit zu setzen.

 
 

EURE FAVORITEN