Junger Fußballer schwebt nach Überfall beim Stadtfest "Gladbeck Total" in Lebensgefahr

Maria Lüning
Der Platz hinter dem Rathaus ist inoffizieller Treffpunkt für Hunderte von Jugendlichen. Den Alkohol bringen sie selbst mit. Unschöne Folge: Viele Flaschen gehen zu Bruch und der Platz ist übersät mit Scherben.
Der Platz hinter dem Rathaus ist inoffizieller Treffpunkt für Hunderte von Jugendlichen. Den Alkohol bringen sie selbst mit. Unschöne Folge: Viele Flaschen gehen zu Bruch und der Platz ist übersät mit Scherben.
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck. Das Stadtfest „Gladbeck Total“ hat für einen 21-Jährigen ein böses Ende genommen. Der Mann schwebt nach nach einer Attacke von mehreren Tätern in Lebensgefahr. Der gewalttätige Überfall war nicht der einzige Vorfall dieser Art beim Stadtfest,

Ein böses Ende nahm das Stadtfest „Gladbeck Total“ für einen Fußballer (21) vom BV Rentfort: Er liegt mit schwersten Kopfverletzungen auf der Intensivstation des Krankenhauses, „Lebensgefahr ist nicht ausgeschlossen“, teilt die Polizei mit.

Der junge Mann war in der Nacht zum Sonntag um 0.40 Uhr auf dem Platz hinter dem Rathaus im Bereich der Sparkasse unterwegs gewesen, offensichtlich auf dem Weg nach Hause. Dort wurde er von mehreren Tätern angegriffen und zusammengeschlagen. Einer der Beteiligten hat sich laut Polizeipressesprecher Andreas Wilming-Weber gestern freiwillig der Polizei gestellt. Er wurde bereits nachmittags von der Mordkommission vernommen. Die weiteren Ermittlungen liegen nun in Hand der Staatsanwaltschaft.

Keine Gladbecker Besonderheit

Der gewalttätige Überfall auf den 21-Jährigen war nicht der einzige Vorfall dieser Art beim Stadtfest, bei dem (wie berichtet) rund 500 Jugendliche den Platz hinter dem Rathaus zum inoffiziellen Treffpunkt machten. Schwer verletzt wurde dort in der Nacht zum Samstag ein junger Mann, der ebenfalls auf dem Nachhauseweg war. Er wurde im Bereich des Hallenbads niedergeschlagen. Insgesamt, so die Polizei auf WAZ-Anfrage, hat es bisher acht Anzeigen wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung gegeben. Einmal wurde auch mit einem Messer gedroht, tatsächlich verletzt worden sei damit jedoch niemand. In der Nacht zum Sonntag sei das Gelände hinter dem Rathaus nach mehreren Schlägereien um 1.30 Uhr dann geräumt worden.

Dennoch: Abgesehen von den gewalttätigen Überfällen seien die Vorkommnisse nicht ungewöhnlich und auch keine Gladbecker Besonderheit, resümiert die Polizei in Recklinghausen. Der Gladbecker Feuerwehrchef Josef Dehling bestätigt das, die Zahl der Rettungseinsätze an diesem Wochenende im Zusammenhang mit dem Stadtfest sei leicht erhöht (6), aber nicht ungewöhnlich hoch gewesen.

Stadtpressesprecher Peter Breßer-Barnebeck konstatiert zwar: „Gewalt in dieser Form hat es auf einem Stadtfest bisher nicht gegeben“, ansonsten aber sei das Fest wie vorherige auch verlaufen. Dass Gruppen von Jugendlichen sich abseits treffen und dort viel Alkohol getrunken wird, sei seit Jahren eine Tatsache. Die Jugendschutzstreife sei auch diesmal unterwegs gewesen, es habe Ausweiskontrollen und bei Jugendlichen unter 18/bzw. 16 Jahren die Beschlagnahme von Alkohol gegeben.

„Da sind wir ratlos“

Den Vorwurf einiger Internetkommentatoren auf dem WAZ-Onlineportal DerWesten.de, die Jugendlichen würden aus Langeweile trinken, weil das Stadtfest ihnen kein attraktives Angebot macht, weist Breßer-Barnebeck zurück. Das habe man in der Vergangenheit versucht, etwa eine Bühne für Jugendbands angeboten, aber „das Interesse war gering. Man kann Jugendliche nicht zur Bespaßung zwingen“. Und warum es trotz des Mangels solcher Angebote junge Leute aus Gelsenkirchen, Bottrop und sogar aus dem Kreis Borken verstärkt bei diesen Anlässen nach Gladbeck zieht, dafür habe man keine Erklärung.

Sorgen bereitet der Stadt eine andere Entwicklung: Offensichtlich nehmen Gruppen junger Libanesen Veranstaltungen dieser Art zum Anlass, um Randale zu machen. Sie provozierten Schlägereien ganz gezielt. Diese Situation gab es in den letzten Jahren häufiger. „Da sind wir ratlos“, so der Stadtpressesprecher. Als eine erste Maßnahme, so das Ergebnis einer Besprechung am Montag, wolle man nun auf libanesische Familien zugehen, in deren Bereich man die Täter vermutet. Damit habe man vor Jahren, als libanesische Jugendliche im Innenstadtbereich auffällig waren, Erfolg gehabt.