Junge Stimmen mit russischer Schwermut

Mit einem herzlichen „Guten Abend“ begrüßte der musikalische Leiter der Forumskonzerte am Dienstag knapp 200 Zuhörer in der Stadthalle – Heinz Ilaender hätte auch „dobri wjetschur“ sagen können, stand das Konzert doch ganz im Zeichen der russischen Sprache.

Professor Manuel Lange von der Hochschule für Musik Detmold hatte drei Gesangsstudenten mitgebracht, Irina Trutneva (Sopran), Julia Maria Spies (Mezzosopran) und Konstantin Ingenpass (Bariton) gestalteten den Liederabend mit Werken von Sergej Rachmaninoff und Pjotr Tschaikowsky.

„In 80 Prozent der Fälle wird im russischen Lied gelitten“, scherzte Lange. „Sie werden es spüren, auch wenn Sie die Worte nicht verstehen.“

Maria Spies durfte dies gleich mit den sechs Romanzen op. 8 von Rachmaninoff beweisen. Wunderbar sanft und herrlich schwermütig sang sie von schlanken Wasserlilien und unglücklicher Liebe, flehte im Gebet zu Gott „O Bohze moj“. Die 25-Jährige überzeugte ausdrucksstark in dieser Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist. „Das Russische fließt so schön, es singt sich herrlich“, bestätigte die Studentin die Aussagen ihres Lehrers, der eingangs betont hatte: „Der Künstler muss heute alles im Original singen können, nicht nur italienisch und französisch.“

Dass die jungen Sänger darin in Detmold bestens ausgebildet werden, zeigte auch Konstantin Ingenpass. Aus den zwölf Romanzen op. 21 Rachmaninoffs begeisterte er mit „Sud´ba“ – Schicksal – welch eine sonore Tiefe in der Stimme des jungen Mannes Jahrgang 1991. Voller Präzision und reifer Klangfarbe jagte er als „drohender Wächter“ dem Zuhörer manchen Schauer über den Rücken.

Irina Trutneva präsentierte weitere Stücke der Komposition, die einzige Russin des Abends. Ein glockenklarer Sopran, der die melancholische Komponente in höchsten Lagen zum Schwingen brachte. „Ich wollte sterben auf den Flügeln des Rausches“ – poetisch sind nicht nur die Lieder im Original, sondern auch in der Übersetzung, die Heinz Ilaender den Gästen mit dem Programm lieferte. Trutnevas bestechend reine Stimme bescherte murmelnde Bäche, schlummernde Linden und blühende Flieder.

Exzellent am Klavier begleitet wurden die drei Sänger von Ezgi Tanriverdi. Rachmaninoff stellt auch in seinen Liedern höchste Anforderungen an den Pianisten. Die in Eskisehir in der Türkei geborene Musikerin spielte in absoluter Symbiose mit den Sängern. Nach der Pause wurden die Studenten von ihrem Professor am Flügel begleitet und glänzten auch in Duetten.

Großes Lob an alle Beteiligten und viel Applaus.

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