Jüdisches Leben in Gladbeck

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Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck.  Beim Stichwort „Judentum“ tauchen in vielen Köpfen die Vokabeln „Tod“ und „Terror“ auf. Vor dem geistigen Auge ziehen Bilder von ausgemergelten und gequälten Menschen in Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus’ vorüber. Doch es gibt auch ein Leben nach diesem tiefschwarzen Kapitel in der Geschichte, wie die Ausstellung „Jüdisches Leben in Gladbeck“ darstellen soll. Die Schau wird ab 8. November im Stadthaus Wormland zu sehen sein.

„Wir haben ein normales Leben“

„Nicht alles jüdische Leben ist vernichtet worden, wir haben ein ganz normales Leben wie andere auch“, sagt Judith Neuwald-Tasbach. Das wüssten viele Menschen überhaupt nicht, so die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, der auch Gladbecker angehören. Neuwald-Tasbach sagt mit Nachdruck: „Das ist kein totes Thema.“ Aber wohl eines, das für manch einen ein Buch mit sieben Siegeln ist. Und einmal Hand aufs Herz: Was weiß denn die gemeine Öffentlichkeit konkret über praktiziertes Judentum? Was sind Fakten, was Vorurteile? Ein Thema mit vielen Fragezeichen.

Die Ausstellung mit Original-Exponaten wie einem Judenstern aus der Nazizeit, einem Kleiderbügel oder einem Kerzenleuchter will Antworten geben. Themen sind nicht nur Verfolgung und Verderben, sondern auch „Jüdisches Leben heute“ mit seinen Fest- und Gedenktagen. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft des Münsteraner Regierungspräsidenten Prof. Dr. Reinhard Klenke.

Geboren hat die Idee der geschichtsinteressierte Gastronom Erwin Zorn, übrigens nicht jüdischen Glaubens. Intention: Die Jüdische Gemeinde könne sich vorstellen. Und das tut sie jetzt. Sie tritt entgegen ihrer Gewohnheit aus der Zurückgezogenheit. „Wir sind eine kleine, sehr aktive Gemeinde“, sagt Neuwald-Tasbach. 400 Mitglieder zählt die Gemeinschaft, darunter knapp zehn Gladbecker. Zum Vergleich: In Essen sind es fast 1000 Gläubige. Neuwald-Tasbach hofft, dass viele Schulklassen sich die Stelltafeln und Exponate anschauen. Sie wünscht sich bei Zeitgenossen eine Offenheit und das Interesse, wie es Zorn an den Tag legt.

Unterstützer fand Zorn in der Historikerin Dr. Andrea Niewerth und Stadtarchivarin Katrin Bürgel, die Ausstellungsstücke zur Verfügung stellte und die Finanzierung übernahm. Ein Paket von Veranstaltungen – wie „Koscher kochen“ und Musik – soll die Schau ergänzen.

 
 

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