Jobcenter „ignoriert“ Schleckerpleite

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Gladbeck.  „Das ist doch ein ganz peinliches Bild, dass das Jobcenter weiterhin die Schlecker-Filialen als Eintauschmöglichkeit für Wertgutscheine auflistet“, schimpft Berater Johannes Gay von der Sozialen Bürgerinitiative e.V.. In allen Medien sei schließlich vor über einem Jahr mehrmals groß über die Pleite der Drogeriemarktkette und die Filialschließungen, auch in Gladbeck, berichtet worden.

Die alte Liste habe ihm jetzt eine alleinerziehende Mutter vorgelegt, „deren Sozialbezüge nicht überwiesen worden waren und die zur Überbrückung der akuten Notlage vom Jobcenter Wertgutscheine für den Einkauf bekam“. In einem Gladbecker Drogeriemarkt habe sie dann feststellen müssen, dass der Gutschein nicht akzeptiert wurde. Auf Nachfrage beim Jobcenter habe sie dann eine Liste der Geschäfte erhalten, wo der Eintausch in Gladbeck möglich ist. „Die Behörde scheint noch gar nicht zur Kenntnis genommen zu haben, dass Schlecker seit über einem Jahr pleite ist und es daher keine einzige Filiale mehr in Gladbeck gibt“, ärgert sich Gay. Es sei doch wichtig, dass sich das Jobcenter um einen anderen Drogisten als Wertgutschein-Partner bemüht.

Ein ärgerlicher Vorfall auch für Martin Linkemann, Sprecher der Jobcenter im Kreis Recklinghausen, „das müsste sofort auffallen, dass hier Filialen aufgelistet sind, die nicht mehr existieren.“ Er gehe aber davon aus, „dass die Sachbearbeiter vor Ort die Kunden darauf hinweisen“. Dies sei bei der ratsuchenden Frau nicht der Fall gewesen, sagt Johannes Gay.

Martin Linkemann unterstrich auf Anfrage unserer Zeitung, sich umgehend darum

kümmern zu wollen, „dass das Jobcenter Gladbeck eine aktualisierte Liste erhält“. Hierfür sei die Firma Sodexo verantwortlich, mit der die Vestische Arbeit als externem Dienstleister zusammen arbeite. Unabhängig von der Anfrage habe das Jobcenter bereits vor einiger Zeit um eine aktualisierte Liste gebeten. Das klinge doch nach einer faulen Ausrede, meint Sozialberater Gay, der das anhand von Korrespondenz mit Datum belegt sehen will. „Ich vermute, dass das Jobcenter erst jetzt, nach der Kritik, mit Nachdruck aktiv wurde.“

Rund 3500 Familien und Einzelpersonen in Gladbeck erhalten Sozialbezüge. Leistungen, die normalerweise zum selbstverantwortlichen Geldeinsatz überwiesen werden. Nur zur Soforthilfe in Notfällen oder wenn Anhaltspunkt bestehen, dass die eigenständige Geldverwaltung nicht gewährleistet werden könne (z.B. Suchterkrankte), „wird auf das Ersatzmittel Gutschein ausgewichen“, sagt Linkemann, der schließlich die „überschaubare“ Gladbecker Liste vorlegen konnte (siehe Infobox).

 
 

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