In Tautz’ Lottoladen treffen sich Rentforter Glücksritter

Maria-Luise Tautz-Ische setzt
Maria-Luise Tautz-Ische setzt
Foto: WAZ FotoPool
Seit 1954 betreibt Familie Tautz an der Josefstraße ihren Lottoladen. Es war eine der ersten Lottoannahmestellen in Gladbeck. Maria-Luise Tautz-Ische hat das Geschäft vor 18 Jahren von ihrer Mutter übernommen – ein Treffpunkt und Nachrichten-Umschlagplatz für die Menschen im Viertel.

Gladbeck..  Wenn es Neuigkeiten gibt in Alt-Rentfort, dann trudeln sie zuverlässig bei Maria-Luise Tautz-Ische ein. Die 48-Jährige betreibt den Lottoladen an der Josefstraße 8 in zweiter Generation. „Wenn sie die alten Rentforter fragen, dann ist das Tautz-Lotto“, sagt sie.

1954 zogen ihre Eltern in das Haus ein, als Erstmieter. Damals war die Josefstraße eher locker besiedelt, wie die alten Fotos aus dem Familienarchiv zeigen. Zunächst gab es Tabakwaren im Lädchen im Erdgeschoss des Hauses, Zigarren, Zigaretten – und Bücher. Sogar Leihbücher gab es, „so war das in den 50ern“, sagt Maria-Luise Tautz-Ische. Die Bücher wurden aus der Innenstadt angeliefert, ein Vorläufermodell des heutigen Bücherbusses. Bald wurde das Sortiment ergänzt. „Seit 1955 gibt es Lotto“, die Tautz’ machten mit und waren ab der zweiten Ziehung überhaupt Lotto-Annahmestelle. Maria-Luise Tautz-Ische (48) wuchs im Lottoladen auf, übernahm ihn vor 18 Jahren von ihrer Mutter.

Glücksspiel erst ab 18

Heute können Kunden noch allerhand andere Glücksspiele betreiben, Lose kaufen, Tippscheine ausfüllen. Besonders vor den Mittwochs- und Samstagsziehungen geben sich die Spieler die Klinke in die Hand. „Wir müssen da unheimlich aufpassen“, sagt die Geschäftsfrau, denn Glücksspiel ist erst ab 18 Jahren erlaubt. Wer zu jung aussieht, wird nach dem Personalausweis gefragt.

Maria-Luise Tautz-Ische weiß ziemlich gut, was ihre Kunden wünschen. Lore-Romane zum Beispiel, Westernheftchen mit Titeln wie „Wo Männer noch Männer sind“. Manche bestellen spezielle Zeitschriften. Die polnische Zeitung „Info & Tips“ liegt speziell für zwei Polinnen aus, die in Rentfort als Pflegekräfte arbeiten.

Kinder kommen selten in den Laden

Kinder kommen eher selten in den Laden – „die würden wohl lieber Süßigkeiten kaufen.“ Schokolade und Bonbons gibt es nicht, dafür aber Hundekekse als Bestechung für Vierbeiner. Früher, sagt Maria-Luise Tautz-Ische, liefen die Geschäfte noch besser, als es im Stadtteil noch mehr Läden gab. Heute erledigen viele Leute alle Einkäufe im Einkaufszentrum.

„Die Geschichte ähnelt denen der Tante-Emma-Läden“, sagt Maria-Luise Tautz-Ische. Ihre Stammkunden bleiben – und werden mit Namen begrüßt. Ein Plausch gehört für viele zum Einkauf dazu, zu Zeitung oder Zeitschrift gibt es die neusten Geschichten aus dem Quartier gratis dazu. „Kein Tratsch, nur nette Unterhaltungen“, betont sie. Wenn es irgendwo gekracht hat, erfährt sie schnell davon. Todesfälle, Geburten – man kennt sich im Stadtteil und interessiert sich füreinander. „Irgendwie kommt es immer bei mir an“, sagt Maria-Luise Tautz-Ische lächelnd. „Bei uns geht es persönlich zu“, das sei der Unterschied zu den großen Läden. Zeit zum Quatschen gebe es ja im Supermarkt nicht. „Die jüngere Generation kommt gar nicht mehr nach“, sagt sie. Die Jungen erledigen ihre Einkäufe anderswo, und Lotto spielen können sie auch im Internet. Aber das Neuste aus Rentfort, das gibt es dort nicht.

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