In Gladbeck geht's von Texas direkt in die „Afrika Lounge“

Foto: Elmar Thierse
Cowboys auf dem Weg nach Afrika. Mit seiner Band „Ramblin’ René & The Stetson Five“ will René Schiering bei der Kneipennacht in Gladbeck aufschlagen.

Gladbeck. Der Mann ist ein wahrer Tausendsassa: gebürtiger Gladbecker, wohnhaft in Duisburg und auf den Feldern der wilden Musik genauso bewandert wie auf denen der Literatur. René Schiering ist Dr. phil. im Fach Sprachwissenschaft, hat mit seinen beiden Ruhrpottköter-Bänden Geschichte geschrieben und arbeitet als Drehbuchautor für private Fernsehsender.

Erst im November war er als Autor zu Gast bei einer Lesung im Ratssaal, jetzt will er mit seiner aktuellen Band „Ramblin’ René & The Stetson Five“ im Rahmen der großen Kneipennacht das Publikum in der „Afrika Lounge“ an der Goethestraße 59 in Schwung bringen.

Musik aus dem texanischen Untergrung

In seiner alten Heimatstadt arbeitet der Gladbecker seit Monaten an einem eher ungewöhnlichen Musikprojekt. Hier, im nördlichen Ruhrgebiet, entsteht das Debüt-Album seiner Country-Band „Ramblin’ René & The Stetson Five“. Doch wer klassischen Country Sound erwartet, dürfte wohl enttäuscht werden. Schiering: „Konzeptionell orientieren wir uns dabei weniger am doch eher sterilen Country-Pop aus Nashville als am sogenannten ,Alternative Country’, der insbesondere im texanischen Untergrund verbreitet ist.“

Fiddle und Lapsteel fehlen nicht

Im Studio wird der Sound der Live-Besetzung, die so auch in der „Afrika Lounge“ auftritt, mit jeder Menge Streichern, Bläsern und mehrstimmigem Chorgesang angereichert. Zur Combo gehören René Schiering (Gitarre und Gesang), Olaf Schnelzer (Bass), Axel Borsch (Schlagzeug) und Katrin Sump (Geige und Gesang). „Aber“, so Schiering weiter, „es dürfen natürlich auch die prägenden Klänge von Fiddle und Lapsteel nicht fehlen. Übrigens war Schiering auch bei den Songs besonders kreativ. So stammen, abgesehen von einem Cover-Song, sämtliche Lieder aus seiner Feder.

„Inhaltlich geht es da um die Leitmotive Heimweh und Fernweh. Aber neben dem Country im strengeren Sinne gibt es auch Ausflüge in benachbarte Genres wie Folk oder Rockabilly. Sogar zwei Western-Instrumentals sind auf der CD zu hören.“ Die Aufnahmen für die aktuelle Scheibe sind in Duisburg, Essen und eben auch Gladbeck zwischen September 2015 und April 2016 komplett in Eigenregie entstanden. „Auf eine Hilfe von außen sind wir nicht wirklich angewiesen gewesen, da die einzelnen Musiker in ihren jeweiligen Bands bereits reichlich Erfahrungen sammeln konnten.“ Mit den Bands sind so illustre und bekannte Namen gemeint wie „Rockwohl Degowski“, „Dangerboy“ oder „Stromble Fix“. Ja, „zusammengenommen haben wir schon ein halbes Dutzend Platten veröffentlicht“.

Biografie einer Fun-Punk-Band

Die aktuelle CD soll ab dem Spätsommer 2016 erhältlich sein. Wer es so lange nicht aushält, dem ist die Kneipennacht wärmstens empfohlen, da gibt’s den Sound des Quartetts live zu erleben. Ab 20 Uhr geht’s los, und René Schiering und seine Band treten den Beweis an, dass sie „nicht nur Country, sondern auch Western draufhaben“.

Die Freunde des gepflegten Buchs wiederum müssen sich noch ein wenig gedulden. Derzeit wartet der 38-Jährige auf die Veröffentlichung seines nächsten Buches, eine Biografie der legendären Fun-Punk-Band „Abstürzende Brieftauben“. Für die entsprechenden Interviews ist er quer durch die Republik gereist, hat für die Granden des deutschen Fun-Punk sogar das Bravo-Archiv besucht. „Ich wusste immer. Wenn ich eine Biografie schreibe , dann über sie.“

Hier spielt am Freitag die Musik

In 14 Kneipen findet am Freitag, 6. Mai, im Rahmen des neuen Maifestes ab 20 Uhr eine Neuauflage der Gladbecker Kneipennacht statt. Dann gibt’s für die Fans, die mit dem Shuttle zu den Veranstaltungsorten unterwegs sind, ganz heftig eins auf die Musikmütze.

Die „Ballroom Rockets“ haben im Café Stilbruch Rockabilly im Gepäck, in der Afrika Lounge sorgt das „Trio Ramblin’ René“ mit Alternative Country für Schwung, und in der Alten Post feiern „Reverend Gromberg & The Blues Bettys“ mit kernigem Bluesrock und lässigem Swing einen Gottesdienst der besonderen Art.

Eine Live-Party für die Musikszene

Die „Party Popes“ lassen es mit ihrem Flokati-Funk im Café Goe­thestraße kräftig krachen, und im Bistro Grüne Oase kehren die „Bluebones“ mit Beer Bar Blues, Pub Rock und Rock ‘n’ Roll britischer Machart ein. Im „Unser Pub“ gastieren die Hardrocker von „Wasted Luck“, im nahe gelegenen Haus Surmann ist’s etwas ruhiger, dort gibt es Irish Folk mit dem „Duo Raglan-Folkmusic“.

Gepflegte Popmusik bietet das Duo „Zeitenlos“ im Landgasthaus Pieper, während im Musik Pub die Band „Cool Creedence Rock“ ihren Vorbildern von „CCR“ nacheifert. Swingende Fetzer spielen Stefan Ulbricht und Moritz Schlömer im Weinladen Martin Volmer, im Haus Kleimann-Reuer gibt’s Cover-Rock mit „Last Chance“. In der Pott Klause spielt Matt Warren, im Mundart gastieren „Krista and Band“, und Spielmann Michel tritt in Ottis Alm auf.

Das Handgelenkticket, ein Bändchen, das den Eintritt in alle Kneipen ermöglicht, kostet im Vorverkauf zehn Euro (in allen Spielstätten), an der Abendkasse 13 Euro.

 
 

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