IHK: Fachkräftemangel ist Risiko

Die Verbraucher sind in Kauflaune, die Auftragsbücher im Baugewerbe voll, die Wirtschaft bleibt nicht nur im Münsterland, sondern auch in der Emscher-Lippe-Region auf moderatem Wachstumskurs.

„Die Konjunktur produziert weiter gute Nachrichten“, resümiert Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen bei der Vorstellung des aktuellen Konjunkturberichts in Münster. Die gute Stimmung wird jedoch etwas getrübt: Die Suche nach Fachkräften wird immer schwieriger und die Unternehmen sind bei den Exportaussichten nur verhalten zuversichtlich.

500 Unternehmen mit 78000 Beschäftigen hatte die IHK Nord Westfalen im Spätsommer dem Stimmungstest unterzogen. 97 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Lage nur als gut oder befriedigend – was sensationell gut sei, denn so wenige waren es noch nie. Für gute Geschäfte sorge vor allem die nach wie vor robuste Binnenkonjunktur, starker Wachstumstreiber bleibe der florierende Wohnungsbau. Gut zwei Drittel der Unternehmen im Baugewerbe schätzen die Lage als gut ein. Davon profitieren auch andere Branchen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.

Niedrigzinspolitik erschwert Lage

Verschlechtert hat sich die Situation für die Finanz- und Versicherungsdienstleister. Die großen Unternehmen der Branche mit über 500 Beschäftigten stehen unter Druck. „Die Niedrigzinspolitik, aber auch regulatorische Auflagen bringen sie mehr und mehr in Bedrängnis“, so Schulte-Uebbing.

Aber auch stark vom Export abhängige Unternehmen schauen etwas verhalten in die Zukunft. Ihr Problem: Der Außenhandel kommt nicht richtig von der Stelle. „Die langsame Erholung der Eurozone lässt hoffen. Außerhalb Europas bleibt das Auslandsgeschäft schwierig, in vielerlei Hinsicht unberechenbar“, beschreibt der IHK-Chef mit Blick auf Bürgerkriege, Sanktionen und Rohstoffpreisschwankungen eine von Unsicherheit geprägte Situation.

Als größtes Risiko für den Geschäftserfolg schätzen die Unternehmen den Fachkräftemangel ein. „Der demografische Wandel ist insbesondere in den kleinen und mittleren Betrieben angekommen“, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Schulte-Uebbing fest.

Mehr als die Hälfte der Betriebe fürchten, in Zukunft nicht mehr genügend qualifizierte Azubis und Fachkräfte gewinnen zu können. „Die Fachkräftesicherung hat für viele Unternehmen schon heute höchste Priorität“. 25 Prozent der Unternehmen wollen zusätzlich Personal einstellen, nur 17 Prozent reduzieren. Schulte-Uebbing: „Der Arbeitsmarkt eilt von einem Beschäftigungsrekord zum nächsten. Im Münsterland herrscht praktisch Vollbeschäftigung.“

 
 

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