Hobby-Autorin aus Gladbeck hat eine mörderische Leidenschaft

Gladbecker Hobby-Autorin Halina Monika Sega (53) spricht über ihre Krimi-Kurzgeschichten.
Gladbecker Hobby-Autorin Halina Monika Sega (53) spricht über ihre Krimi-Kurzgeschichten.
Foto: Funke Foto Services
Halina Monika Sega legt in druckfrischer Sammlung neue Kurzgeschichten vor. Die 53-Jährige lässt Frauen ihre Verwandtschaft um die Ecke bringen.

Gladbeck..  Halina Monika Sega hat eine mörderische Leidenschaft: Sie bringt Ehefrauen, Mütter und Töchter dazu, Verwandte um die Ecke zu bringen. Dabei sind die handgreiflichen Damen alles andere als zimperlich: Eine handelsübliche, simple Bratpfanne wird zum Totschläger, ein Fleischermesser bedeutet das Ende der ungeliebten Schwiegertochter. Aber keine Angst: Das Morden spielt sich lediglich auf dem Papier ab – nachzulesen in der druckfrischen Sammlung „Nervenkitzel – Kriminelle Kurzgeschichten“.

Auf den ersten Blick harmlos

Und die Gladbeckerin Sega mag’s gerne blutig. Daraus macht die 53-Jährige keinen Hehl. Dabei klingen die Titel ihrer beiden Beiträge zu dieser Anthologie harmlos. Das Umfeld, in dem die Morde geschehen: alltäglich. Und was kann an einer Hochzeitsnacht schon Kriminelles sein? (Das soll an dieser Stelle nicht verraten werden.) Oder eben an einer Bratpfanne? Der Leser erfährt, was passiert, wenn das Küchenutensil in die Hände einer Frau in Rage fällt. Sega wirkt – so von Angesicht zu Angesicht – eher sanftmütig denn blutrünstig. Dass Engelgedichte, Theaterstücke sowie Bücher für Kinder aus ihrem Kopf und Computer stammen – ja, das passt. Mit diesen Arbeiten hat sich Sega bereits einen Namen in Gladbeck und der Region gemacht.

Aber auch mit Vampir-Geschichten. Und was wäre ein Untoter ohne Blut? Da ist sie, die Verbindung zu den kriminellen Kurzgeschichten, die Sega als neues Kapitel für sich entdeckt hat. „Die beiden Genres liegen nicht so weit auseinander“, findet die 53-Jährige, die sich schon als Kind immer Geschichten ausgedacht hat. Beruflich nutzte Sega ihre Fantasie allerdings erst viel später – nach einer Ausbildung und zehn Jahren als Postbotin.

Handlungen frei erfunden

Mit vielen, vielen Menschen kam sie in jener Zeit in Kontakt. Ob Erfahrungen und Beobachtungen ihrer Mitmenschen der 53-Jährigen den Stoff lieferten, aus denen manche Sega-Geschichten sind? Sagen wir mal so: Bejahen möchte sie diese These nicht so ohne weiteres.

Persönliche Aspekte mögen eingeflossen sein, auch wenn die Handlungen samt Figuren frei erfunden sind. Aber das eigene Erleben hinterlässt halt Spuren, die vielleicht unbewusst ihren Niederschlag finden – zum Beispiel beim Schreiben. Auch wenn beileibe nicht immer die Fetzen und Fäuste geflogen sind. Ein Beispiel: Ihre eigene Schwiegermutter sei ein ganz besonderes Kaliber gewesen, nicht einfach im Umgang.

Sätze fließen nur so

Aber eigentlich „kommen mir die Ideen, als ob ich einen Lichtschalter an- und ausschalte“, sagt die 53-Jährige. Dann setzt sie sich an ihren Computer – und die Sätze fließen nur so, beschreibt Halina Monika Sega die Entstehung ihrer Kurzgeschichten.

Und apropos „Hochzeit“: Mit Dieter – 55 Jahre alt, Industriekaufmann – ist die Gladbeckerin seit 22 Jahren verheiratet. Er liest nicht nur Korrektur, sondern gibt auch seine Kommentare ab.

Kontrast von Gut und Böse

Zwei Aspekte spielen für die 53-Jährige beim Schreiben die Hauptrollen: „Ich liebe den Kontrast von Gut und Böse.“ Und: „Gerechtigkeit ist immer ein Thema bei mir.“ Nun ja, wie es sich mit der Gerechtigkeit in ihren beiden kriminellen Kurzgeschichten in „Nervenkitzel“ verhält, die Bewertung überlässt die Autorin den Lesern. In der Story „Die Bratpfanne“ könnte man fast von einem Happy End sprechen. Schwieriger wird die Entscheidung da bei „Der Hochzeitsnacht“ . . .

„Spannung“ heißt das Schlüsselwort

Ohne Buch geht Halina Monika Sega nicht ins Bett. Der Schmöker muss kein Krimi sein, auch andere Sparten gefallen ihr. Ihr Lieblingsautor? Der Name kommt wie aus der Pistole geschossen: Dan Brown.

Aber wenn’s um Kriminalgeschichten geht, darf ihr ruhig eine Gänsehaut über den Körner rieseln. Mit Klassikern der Kriminal- und Detektiv-Literatur habe sie es nicht so, gesteht sie. Agatha Christie? Geschichten mit Spürnasen wie Sherlock Holmes? Inspector Barnaby, der per Fernsehen im nicht ganz so beschaulichen England Tätern auf der Spur ist? – Zu langweilig, findet die Gladbeckerin. Gerne schalte sie hingegen ein, wenn die Sendung „Criminal Minds“ läuft: „Das ist nichts für schwache Nerven.“

Lesungen in der Region

„Spannung“ – das ist für die 53-Jährige das Schlüsselwort für eine Geschichte, die beim Publikum ankommt. Ob und wie sehr sich ihr Publikum unterhalten fühlt, das bekommt Lesepatin Halina Monika Sega bei ihren Lesungen zu spüren: in Grundschulen, in Seniorenheimen oder im Café Stilbruch. Auch außerhalb Gladbecks ist sie zu Gast. Geplant ist beispielsweise für Juni ein Termin in Mülheim.

Als Talira Tal bei ihr angefragt habe, ob sie für den Sammler „Kriminelle Kurzgeschichten“ Texte beisteuern wollte, habe sie prompt zugesagt. „Wir kennen uns schon ein paar Jahre und sind dick befreundet“, erzählt die 53-Jährige. Mit Talira Tal,Frank Vollmann und Martina Sprenger bildet sie die Gruppe „Wortquartett“; alle Mitglieder sind in der Sammlung „Nervenkitzel“ vertreten. Halina Monika Sega: „Bis auf zwei Autoren kenne ich alle Kollegen, die an dem Buch mitgearbeitet haben.“

EURE FAVORITEN