Helden-Training an Gladbecker Gesamtschule

Heroes - gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. Vorstellung des Projekts für Gleichberechtigung am Montag, 16.11.2015 an der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule in Gladbeck. Rollenspiel.
Heroes - gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. Vorstellung des Projekts für Gleichberechtigung am Montag, 16.11.2015 an der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule in Gladbeck. Rollenspiel.
Foto: Funke Foto Services
Das Heroes-Projekt aus Duisburg kam mit Trainern zum Workshop nach Rentfort. Traditionelle Gesellschaftsbilder aus Ehrenkulturen wurden diskutiert.

Gladbeck..  Familie, Respekt, Ehre und Kultur waren Schlagwörter, die jetzt thematisch ebenso ausgiebig wie Demokratie, Gleichberechtigung und Toleranz an der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule diskutiert wurden. Das „Heroes“-Projekt machte Station in Rentfort-Nord, um im Besonderen die heranwachsenden Schüler mit Migrationshintergrund bei ihrem oft schwierigen Spagat zwischen familiären Traditionen, patriarchischen Ehrenkulturen und den Werten und Anforderungen der deutschen Gesellschaft Hilfestellung zu leisten.

Konkret ging es darum, die Jugendlichen aus der zehnten Jahrgangsstufe zu stärken, um quasi als Helden (Heroes) den Mut zu haben, über tradierte Schatten zu springen.

Angeleitet wurden sie dabei von Heroes-Trainern, jungen Sozialpädagogik-Studenten mit eigenem Migrationshintergrund. Als prominenter Besuch schauten zudem Bürgermeister Roland und Bildungsamt-Leiterin Bettina Weist beim Workshop vorbei. Sie erlebten dabei Rollenspiele, in denen zum Beispiel Familiensituationen nachgestellt wurden, wie sie vielleicht schon einige der IDG-Schüler erlebt haben mochten. Zum Beispiel die Konfrontation mit dem Vater, der den Sohn anschnauzt und ohrfeigt, weil die in etwa gleichaltrige Schwester um 21 Uhr noch nicht Zuhause ist.

Nach der gespielten Szene wurde in Sachen Ehrenkodex diskutiert. „Was mich dabei begeister hat“, sagt die didaktische Leiterin der IDG, Ulrike Döbler, „wie wertschätzend die Trainer mit den Schülermeinungen umgegangen sind“. Keiner sei vorverurteilt worden. Vielmehr sei es den Pädagogen beeindruckend gelungen, die Schüler behutsam dazu zu bewegen, die bisherige Haltung zu überdenken und die Möglichkeit zu sehen, diese ändern zu können.

Opfer von Traditionen

Zum Bespiel zu erkennen, inwieweit der Vater selbst unter kulturellem Druck steht und zu sehen, dass Jungen durchaus auch Opfer von Traditionen sein können (Ehrenmord). Oder, dass es bei Gleichberechtigung auch darum geht, vertrauen in die Tochter oder Schwester zu haben, die die gleichen Rechte wie ein Jungen haben sollte.

Ein gutes Praxisbeispiel lieferte dazu eine Schülerin mit Migrationshintergrund selbst. Sie berichtete, dass sie als erfolgreiche Kampfsportlerin auch oft allein zu Wettkämpfen ins Ausland fahren würde, und da müssten die Eltern ja auch Vertrauen haben, dass sie selbst auf sich aufpassen könne.

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