Heimkinder sollen schneller zur Familie zurück

jDie Gesellschaft für Jugendhilfe und Familie St. Agnes - Junikum - betreibt ein Heim für Kinder und Jugendliche an der Bottroper Straße.
jDie Gesellschaft für Jugendhilfe und Familie St. Agnes - Junikum - betreibt ein Heim für Kinder und Jugendliche an der Bottroper Straße.
Foto: WAZ FotoPool
Jugendamt der Stadt Gladbeck beteiligt sich am Modellprojekt des Landesjugendamtes „Rückkehr als Option“. Kooperationskonzepte mit den freien Trägern der Jugendhilfe werden erarbeitet

Gladbeck..  Wenn Eltern mit ihren Kindern nicht zu recht kommen, oder umgekehrt, ist eine stationäre Heimunterbringung manchmal das zunächst beste Mittel, um Schlimmeres zu verhindern. In Gladbeck sind das zurzeit 118 Kinder und Jugendliche, deren stationäre Unterkunft die Stadt 5,5 Millionen Euro jährlich kostet. Gelder, die das Budget deutlich belasten. Auch mit der Hoffnung, diese Kosten senken zu können, beteiligt sich die Stadt bis März 2014 am Modellprojekt „Rückkehr als Option – Die Entwicklung kommunaler Rückführungskonzepte in die Herkunftsfamilie“, über das jetzt im Jugendhilfeausschuss berichtet wurde.

Die verantwortlich begleitende Wissenschaftlerin, Andrea Dittmann-Dornauf von der Uni Siegen, redete sofort Klartext, und widersprach Erwartungen, dass die Einführung eines Rückführungskonzeptes kurzfristig Entlastung für den Kämmerer bringt. Vielmehr müsse zunächst mehr Geld investiert, „und jeden Monat pro Fall etwa noch einmal die Hälfte von dem draufgelegt werden“, was ein Heimplatz im Schnitt koste - um 2500 €.

Mehrkosten für die intensivere Betreuung von Heimkind sowie Eltern, um die Erziehungsbedingungen in den Herkunftsfamilien zu verbessern. Ziel sei es, trotz Heimunterbringung die familiäre Beziehung aufrecht zu halten und zugleich begleitende Hilfen bereitzustellen, damit Barrieren, die eine Rückführung behindern (Suchtproblematik, Erziehungs- und Fürsorgefähigkeit etc.), identifiziert und abgebaut werden können.

Das Modellprojekt sieht dafür vor, dass das Jugendamt und die Träger der freien Jugendhilfe zusammen allgemeingültige Kooperationskonzepte, eine Art Checkliste, entwickeln und verankern, damit die Zusammenführung von Kind und Eltern verlässlicher gelingt.

Mehraufwand der sich später lohnt

Trotz anfänglichem Mehraufwand sei das Geld aber gut investiert, unterstrich Dittman-Dornauf, „denn es ist zu erwarten, dass das kommunale Rückführungskonzept mittelfristig zu einer Entlastung des Budgets führt, da von weniger Rückfällen und erneuten Heimunterbringung ausgegangen wird“.

Obwohl monetäre Aspekte eine erhebliche Rolle spielen, gehe es bei der Projektteilnahme auch nicht maßgeblich darum, Kosten zu sparen, unterstrich Sozialdezernent Rainer Weichelt. Das primäre pädagogische und familienpolitische Ziel sei es, „bessere Instrumente zu erhalten, um den unterschiedlichen Problemsituationen differenzierter begegnen zu können, für eine gelingende Rückkehr als Option“.

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