Heilig Kreuz Kirche Gladbeck: Fasten für die Augen

Das Fastentuch verhüllt das Hochkreuz in der Heilig Kreuz Kirche
Das Fastentuch verhüllt das Hochkreuz in der Heilig Kreuz Kirche
Foto: WAZ FotoPool
In der Vorabendmesse in der Heilig-Kreuz-Kirche Gladbeck stellte Propst Andre Müller der Gemeinde das Fastentuch der Künstlerin Claudia Merx vor. Bis Ostern wird es das Hochkreuz verhüllen.

Gladbeck..  Schon seit Tagen ist das Fastentuch der Künstlerin Claudia Merx Stadtgespräch. Am Samstag wurde es im Rahmen der Vorabendmesse in der Heilig-Kreuz-Kirche den Besuchern vorgestellt. Und eines war schon vor deren Beginn deutlich: die Installation verändert das Raumgefühl, stellt den Betrachter vor Fragen und fördert so den inneren Dialog, die Auseinandersetzung mit der österlichen Fastenzeit.

„Moderne Kunst in einen liturgischen Raum zu bringen, ist hohe Kunst, ist gewagt, ist Provokation“, erklärte Propst Andre Müller. „Heute ist es besonders ein Wagnis, weil hier eine liturgische Tradition wieder ausgenommen wird in der klassischen und modernen Art. Moderne Kunst ist polyvalent, ist vielschichtig, offen für Inspiration und Interpretation.“ Und weil dem tatsächlich so ist, gab Müller den Gläubigen Hilfestellung zum Verständnis der künstlerischen Arbeit Claudia Merx‘, die den Wettbewerb „ars liturgica“ für sich entschied.

Erinnerung an Grablegung Jesu

„Ein skulpturales Fastentuch – so dürfte die Fachbezeichnung wohl heißen. Es sind Stoffstreifen aus Leinen, spiralig zu einem Schlauch zusammen genäht. Wenn ich an ein Leinentuch denke, dann sofort auch an die Grablegung Jesu“, beschrieb der Propst seine Empfindung des Werkes, das nun bis Ostern das Kreuz verhüllt. „Was wir vor uns sehen, ist abstrakt. Kein Bildprogramm. Und das ist für einige in unserer schnellen Zeit kaum auszuhalten.“ Erlebbar sei „eine einfache und sich auf das Wesentliche beschränkende Art der Konfrontation,“ so Müller. „Eine Askese für die Augen. Fasten für die Augen.“

 
 

EURE FAVORITEN