Gladbecker Jäger wollen Chip-Pflicht für freilaufende Katzen

Freilaufende Katzen dürfen Jäger nach dem neuen Gesetzentwurf nicht mehr abschießen.
Freilaufende Katzen dürfen Jäger nach dem neuen Gesetzentwurf nicht mehr abschießen.
Foto: WR
Das Jagdgesetz für Nordrhein-Westfalen soll reformiert werden. Im neuen Gesetz sollen strengere Tier- und Umweltschutzauflagen gelten – freilaufende Katzen dürfen dann nicht mehr abgeschossen werden. Gladbecker Jäger fordern, im Gegenzug müssten Freigänger zwingend kastriert und gechipt werden.

Gladbeck..  Die rot-grüne Landesregierung plant eine Reform des Jagdgesetzes für Nordrhein-Westfalen. Im neuen Gesetz sollen strengere Tier- und Umweltschutzauflagen gelten. Dazu gehört, dass streunende Katzen künftig nicht mehr geschossen werden dürften. Bislang dürfen Katzen, die mehr als 200 Meter vom nächsten bewohnten Haus entfernt gesichtet werden, von Jägern getötet werden.

Jäger als Treuhänder der Wildtiere

Wildernde Katzen sind jedoch vielen Jägern ein Dorn im Auge. „Eine Katze ist, anders als ein Hund, ständig auf der Jagd“, sagt Gerd Tersluisen vom Hegering Gladbeck. Dabei dienen den Tieren nicht nur Mäuse und Ratten als Beute, sondern vor allem Singvögel und kleineres Wild wie Kaninchen, junge Hasen und Fasane.

„Wir wollen ja gar keine Katzen abschießen, aber sie machen im Revier viel dummes Zeug“, sagt er. Für Jäger gelte eben die Hegepflicht, und das bedeute, „dass wir verantwortlich sind für das Wild. Wir sind die Treuhänder der freilebenden Tiere.“ Katzen, sagt Tersluisen, seien zweifelsfrei tolle Tiere. Er prangert jedoch die Rücksichtslosigkeit mancher Menschen an, die lästig gewordenen Haustiere einfach „entsorgten“. „Ein Problem sind die Katzen, die im Revier ausgesetzt werden“, sagt er. „Vor allem zu Urlaubszeiten kommt das vor, das passiert auch mit Hunden.“ Mitten im Wald haben er und Kollegen besonders in Dorstener Revieren schon angebundene Vierbeiner gefunden, samt Decke und Briefchen mit Rechtfertigungen der ehemaligen Halter.

Freigänger-Katzen jagen auch

Auf rund 1000 Tiere schätzt der Tierschutzverein Gladbeck die Zahl der verwilderten Hauskatzen allein in Gladbeck. Regelmäßig führen Tierschützer Fangaktionen durch, um die heimatlosen Samtpfoten kastrieren zu lassen. Nur so lässt sich ihre Zahl unter Kontrolle halten: Eine unkastrierte Katze und ihre Nachkommen können rein rechnerisch in nur sieben Jahren bis zu 420 000 Nachkommen zeugen.

Aber nicht nur die verwilderten Tiere sind ein Problem. Auch die sogenannten Freigänger gehen auf die Jagd – und paaren sich auch mit ihren freilebenden Artgenossen. Die Jägerschaft fordere schon seit langem eine generelle Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigänger, so Tersluisen, der nicht müde wird zu betonen, dass Tierhalter die Verantwortung für ihre Hausgenossen übernehmen müssen – und eben auch dafür, wo das Tier sich herumtreibt.

Wenn also die Jagd auf wildernde Katzen verboten werde, müsse im Gegenzug auch der Bestand im Blick gehalten werden. Die Jägerschaft werde den Gesetzesentwurf genau studieren, sobald er vorliege, sagt er, und gegebenenfalls auch rechtliche Schritte einleiten.

Dass nun Jäger in der Vergangenheit reihenweise Samtpfoten getötet hätten, davon will Tersluisen nichts wissen. Das Gegenteil sei der Fall: „Ich kann mich nicht daran erinnern, von irgendjemandem gehört zu haben, dass er in Gladbeck überhaupt eine Katze abgeschossen hat.“

 
 

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