Gladbecker Freundeskreis blickt sorgenvoll nach Alanya

Traumhafte Strände finden sich in dem beliebten Urlaubsgebiet an der türkischen Riviera.
Traumhafte Strände finden sich in dem beliebten Urlaubsgebiet an der türkischen Riviera.
Foto: WAZ Gladbeck
  • 208 Verhaftungen bisher in der Partnerstadt Alanya
  • Touristenzahlen im Urlaubsort an der türkischen Riviera brechen drastisch ein
  • Freundeskreis ist besorgt. Alanyas Bürgermeister beschwichtigt

Gladbeck..  Die Säuberungen Erdogans in der Türkei machen vor Gladbecks Partnerstadt Alanya nicht Halt. 208 Festnahmen hat es bisher gegeben, darunter Hoteliers, Geschäftsleute, Akademiker, Richter, Staatsanwälte, Verwaltungsmitarbeiter. Sie kommen erst in Alanya in Untersuchungshaft, werden von Staatsanwälten verhört und bei „begründetem“ Verdacht der Gerichtsbarkeit überführt, heißt es in der Zeitung „Yeni Alanya“. Unter den Festgenommenen sind auch bekannte Namen wie der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer, Mehmet Sahin.

In der Stadt herrscht ein Klima der Angst. „Wir sind wie gelähmt. Viele trauen sich nicht, etwas zu sagen“, schildert ein Reiseveranstalter aus Alanya der Vorsitzenden des Gladbecker Freundeskreises Alanya, Müzeyyen Dreessen, die Situation. Dazu kommen gravierende existenzielle Sorgen für die Menschen. Alanya lebt vom Tourismus, 3 Millionen Urlauber kommen jedes Jahr. Der Einbruch ist bereits deutlich spürbar, gerade einmal die Hälfte der Hotelbetten ist belegt, an den Stränden herrscht beängstigende Leere.

Und nun bleiben auch die treuesten Gäste weg. SPD-Ratsfrau Christa Bauer hat seit 1996 private Gruppenreisen in die Stadt an der türkischen Riviera organisiert. Die 34. Fahrt war für diesen Oktober geplant. Daraus wird wohl nichts. „Wir hatten wegen der Terroranschläge schon weniger Anmeldungen als sonst, nur noch 19“, berichtet die SPD-Ratsfrau. Nach dem Putsch und mit Beginn der Säuberungsaktionen gab es erste Absagen. „Wir werden wohl stornieren. Die Leute sind verunsichert und die jetzige Situation ist nicht mehr akzeptabel. Da kommen ja keine Urlaubsgefühle auf“, sagt Christa Bauer. „Ich bedaure das unendlich. Es ist so traurig, die Türkei ist ein so wunderschönes Land.“

Auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Wolfgang Röken, ebenfalls Vorsitzender des Freundeskreises und eng verbunden mit der Türkei als Mitglied einer Parlamentariergruppe im Landtag, empfindet die Situation als deprimierend. „Alanya war eine weltoffene Stadt, die Leute hatten ein liberales Verständnis von der Demokratie.“

Der Bürgermeister von Alanya indes, Adem Murat Yücel. beschwichtigt. „Es gibt keinen Grund zur Sorge. Der Ausnahmezustand schränkt weder Bürger noch Touristen ein, hat keine Auswirkungen auf den Alltag“, sagt er in einem Beitrag des ZDF-Auslandsjournals über Alanya. Yücel ist kein AKP-Mitglied, er gehört der national-konservativen MHP an.

Die Bilder in dem Fernsehbeitrag zeigen allerdings eine andere Situation: Ein Universitätsmitarbeiter wird vor laufender Kamera verhaftet, an den Zufahrtsstraßen werden Einheimische und Touristen streng kontrolliert. Auch die Küste wird bewacht. So will man Verdächtige daran hindern zu flüchten, schreibt die Zeitung in Alanya.

Freundschaft jetzt erst recht pflegen

„Wir müssen die Freundschaft mit Alanya jetzt erst recht pflegen“, ist Müzeyyen Dreessen vom Freundeskreis überzeugt. Zu bedenken sei, dass die Hälfte der türkischen Bevölkerung nicht für die Regierung Erdogans gestimmt habe, was auch für Alanya gilt. „Lasst uns nicht allein“, bitten denn auch die Kritiker dort eindringlich ihre deutschen Freunde. Die bereits geplante Türkeireise, die Müzeyyen Dreessen in diesem Jahr zum achten Mal organisiert, wird übrigens stattfinden. Sie führt allerdings in den Nordosten des Landes und von dort nach Georgien und Armenien. 20 Teilnehmer fahren mit.

Auch Christa Bauer will die Kontakte, die in den vielen Jahren entstanden sind, aufrecht erhalten. „Es war ja immer so, dass wir zu Freunden gefahren sind“, sagt sie.

Die Freunde aus der Partnerstadt kommen übrigens wie fast jedes Jahr auch in diesem September mit einer Delegation zum Gladbecker Appeltatenfest

 
 

EURE FAVORITEN