Gladbecker Firma Interclean kündigt Betriebsratsvorsitzender

Der ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden droht die Arbeitslosigkeit.
Der ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden droht die Arbeitslosigkeit.
Foto: Kai Kitschenberg
Einen Tag vor der konstituierenden Betriebsratssitzung hat die Gladbecker Gebäudereinigungsfirma Interclean seiner ehemaligen Betriebsratschefin Desdemona Eberlein die fristlose Kündigung zugestellt. Die Gewerkschaft IG BAU vermutet dahinter den Plan, eine unbequeme Mitarbeiterin loszuwerden.

Gladbeck.. „Die wollen mich fertig machen.“ Was Desdemona Eberlein von ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der Gladbecker Firma Interclean, erzählt, erinnert an einen Krimi. Betrug wirft die Reinigungsfirma der ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden vor – und kündigte ihr fristlos.

Diverse Male waren sich Betriebsrätin und Arbeitgeber zuvor vor dem Arbeitsgericht begegnet, es ging um Betriebsratsangelegenheiten, um Urlaubsgeld, um Zuschläge für die Reinigungskräfte, die an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Schlagzeilen machte der Fall der Centro-Klofrau, die am sogenannten Tellergeld beteiligt werden wollte. Sie bekam Recht – das Urteil über die Höhe der Beteiligung steht noch aus. Auch um Räume für den Betriebsrat stritten die Parteien.

Der Ton im Unternehmen soll schon lange rau gewesen sein – von ursprünglich sieben Betriebsratsmitgliedern blieb am Ende nur die Vorsitzende übrig. Viele anderen gaben auf, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlten. Eberlein hielt durch, „ich habe mich da durchgebissen“, sagt sie. „Es gab genug Mitarbeiter, die mich nachts angerufen und um Hilfe gebeten haben.“

Vorwurf: Sie soll eine „Luftrechnung“ eingereicht haben

Und so trat sie auch zur Betriebsratswahl am 27. Mai an – und wurde gewählt. Einen Tag vor der konstituierenden Sitzung kam die fristlose Kündigung. Der Vorwurf des Arbeitgebers: Eberlein soll eine „Luftrechnung“ über Druckerpatronen eingereicht haben. Er erstattete Anzeige wegen Betruges.

Desdemona Eberlein bestreitet die Vorwürfe, sagt, sie habe sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Richtig sei, dass sie zunächst auf eigene Kosten Druckerpatronen für den Betriebsrat bestellt habe (weil der Arbeitgeber ihr kein Material zur Verfügung gestellt habe), zu einem günstigen Preis. Die Rechnung habe sie beim Arbeitgeber eingereicht. Der stieß sich am Preis, beauftragte einen Detektiv, um den Onlineversand zu überprüfen. „Die Detektei hatte den Auftrag herauszufinden, ob Frau Eberlein dort Geschäfte getätigt hat“, erklärt Heike Stoffels von der IG BAU, die den Fall seit der Betriebsratswahl begleitet. Woran sich Interclean wohl auch stieß ist die Tatsache, dass der Versand dem Ehemann der ehemaligen Klofrau gehört, die auf Beteiligung am Trinkgeld geklagt hatte. Auch gegen diese Firma erstattete Interclean Anzeige wegen Betrugs.

Die Liste der Repressalien ist lang

Die Liste der Repressalien ist lang. So berichtet Eberlein von Droh-E-Mails, aber auch dies: Am Tag der Betriebsratswahl sei in ihrer Heimatstadt Essen ein Nachsendeantrag gestellt worden, „so dass für ein Jahr meine gesamte Post an die Bahnhofstraße in Gladbeck zugestellt werden sollte“, sagt sie, dem Firmensitz von Interclean. Den Antrag konnte sie stoppen.

Ihren ehemaligen Arbeitgeber wird Desdemona Eberlein vor dem Arbeitsgericht wiedersehen, sie klagt auf Wiedereinstellung. Am Freitag gab es einen ersten Verhandlungstermin vor dem Gelsenkirchener Arbeitsgericht. Dort geht es auch darum, den Betrugsvorwurf zu entkräften. Echte Hoffnungen, in ihren Job zurückzukehren, macht sie sich nicht. „Der Anwalt der Gegenseite hat mir klar gemacht, dass Interclean mit mir nichts mehr zu tun haben will“, sagt sie. Der Prozess werde wohl auf eine Abfindung hinauslaufen.

56-Jährige wird keinen festen Job mehr finden

Das ist die Kehrseite der Medaille: Einen festen Job wie bei Interclean, glaubt sie, wird sie nicht mehr finden. „Ich werde bald 56 Jahre alt, finden Sie mal einen Job in diesem Alter.“ Bei der Gladbecker Firma habe sie einen Arbeitsvertrag über vier Stunden täglich gehabt, „habe aber doppelt so viel gearbeitet“, weil Personal oft knapp gewesen sei. Die Sorge bestätigt Heike Stoffels: „Es ist schwierig, in dieser Branche einen Job zu finden, der einen über Wasser hält.“

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