Gladbeck legt sich mit den Bayern an

Kruzifix und Herrschaftszeiten - Gladbeck legt sich mit den Bayern an. Seit dem WAZ-Forum Ruhrgebiet dürfen die diplomatischen Beziehungen zwischen der 75 000-Einwohner-Stadt am Nordrand des Reviers und dem 12- Millionen-Volk im Süden der Republik als eher angespannt gelten. Und der Name eines kleinen bayerischen Dorfes ist in Gladbeck in aller Munde: Oberau.

Vielleicht hat ja manch ein Gladbecker den 3000 Einwohner zählenden Ort am Rande der Alpen an der Bundesstraße 2 auf seiner Urlaubsfahrt mal gestreift; ein Begriff war Oberau im nördlichen Revier bislang aber sicher nicht. Doch das hat sich nun geändert.

Beim prominent besetzten WAZ-Forum am Flughafen Essen/Mülheim ging’s um die Verkehrsprobleme des Ruhrgebiets und auch um den Ausbau der B 224 zur Autobahn 52. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) wies darauf hin, dass in Oberau im Wahlkreis von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der Bund eine 200 Millionen Euro teure und vier Kilometer lange Ortsumgehung finanziere, drei Kilometer davon im Tunnel. Groschek mit Blick auf die B 224: „Was für Oberau gilt, muss auch für Gladbeck gelten.“

Der Gladbecker Bürgermeister Ulrich Roland (SPD) las die Groschek-Worte in der WAZ und schrieb prompt einen Brief an Dobrindt, in dem er gleiches Recht für alle forderte. Es könne nicht sein, dass in Bayern andere Regeln für den Autobahnbau gelten als in Nordrhein-Westfalen.

Blaue T-Shirts mit „Danke, Alex!“

Doch damit nicht genug. Jeden Tag gab es im September neue Details zum Dobrindt-Tunnel - und Gladbeck fühlte sich zunehmend provoziert: Blaue T-Shirts mit dem Aufdruck „Oberau sagt Danke, Alex!“ trugen die bayerischen Gemeindevertreter, als sie am 1. September zusammen mit dem Bundesverkehrsminister den ersten Spatenstich für das 200-Millionen-Projekt vornahmen. Fröhlich schwangen die Oberauer und Dobrindt unter tiefblauem bayerischen Himmel die Spaten und strahlten in die Kamera - ja, es scheint fast so, als würden sie über das Ruhrgebiet lachen! Das entsprechende Foto machte in Gladbeck schnell die Runde.

Der WDR titelte auf seiner Internetseite „Gladbeck will auch ein Dorf in Bayern sein“. Das wies der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Hübner sofort zurück. Gladbeck wolle weiterhin zu NRW gehören, aber bei Verkehrsinvestitionen des Bundes künftig genauso gut behandelt werden wie das südliche Bundesland.

Und dann das i-Tüpfelchen der Oberau-Affäre: Ein Foto von der Baustelle am Rande des Dorfes, das Dobrindt neben einem Schild zeigt - und auf dem steht: „Alexander-Dobrindt-Tunnel“. Nur ein Spaß? Vielleicht auch nicht, denn das ist ja schließlich Bayern. Und dort gelten andere Gesetze, wie doch jeder Revierbürger aus jahrelanger Erfahrung nur allzu gut weiß.

Am 3. November verhandelt eine Gladbecker Delegation in Berlin nun wieder mit dem Bund über die Zukunft der Bundesstraße 224. Um einen möglichst langen A-52-Tunnel geht es, um umfassenden Lärmschutz und um eine Autobahnkreuz-Gestaltung A 52 / A 2, die auf das Naherholungsgebiet Wittringen Rücksicht nimmt. Die Gladbecker wollen einen „Überflieger“ im künftigen Autobahnkreuz A 2 / A 52, also eine Brückenkonstruktion für die Verkehrsströme aus Richtung Essen in Richtung Oberhausen, verhindern, um ihre gute grüne Stube Wittringen zu schützen.

Als böswilliges Gerücht erwies sich unterdessen die Vermutung, Gladbeck habe Dobrindt vor diesem Hintergrund eine Umbenennung der B 224 in Alexander-Dobrindt-Boulevard angeboten, falls es zu einer stadtverträglichen Lösung inklusive Tunnelbau kommt.

Das letzte Gespräch zur A 52 im Bundesverkehrsministerium gab es übrigens im März. Allseits gelobt wurde damals die positive Gesprächsatmosphäre, was vielleicht auch daran liegt, dass in der Gladbecker Delegation zwar IHK-Mann Joachim Brendel vertreten ist, aber kein einziger ausgewiesener A-52-Gegner.

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