Gespräch in Berlin – kein längerer Tunnel, kein Unterflieger

Ein Modell des geplanten Tunnels.
Ein Modell des geplanten Tunnels.
Foto: Stadt Gladbeck
Gladbecker Delegation verhandelte in der Hauptstadt über Autobahnbau auf Stadtgebiet. Wunschergebnis wurde nicht erzielt, so Bürgermeister Roland.

Gladbeck/Berlin.. Fast genau acht Monate nach dem letzten A-52-Termin in Berlin startete am Dienstag die nächste Verhandlungsrunde im Bundesverkehrsministerium. Am Nachmittag lagen konkrete Ergebnisse vor.

Zentrale Punkte des neuen A-52-Paketes sind: Es wird keinen Unterflieger im künftigen Autobahnkreuz A 52/A 2 geben. Es bleibt bei einem so genannten Überflieger, also bei einer Brückenkonstruktion für die Verkehrsströme aus Richtung Essen in Richtung Oberhausen.

Auch der A-52-Tunnel auf Gladbecker Stadtgebiet (bisher 1,5 km) wird nicht länger. Dafür erhalten die Anwohner in Gladbeck-Ost und Butendorf einen deutlich verbesserten Lärmschutz, der weit über die Stadtgrenze mit Gelsenkirchen hinaus verlängert wird.

„Unser Wunschergebnis wurde zwar nicht erreicht, aber Bund und Land bieten der Stadt Gladbeck gegenüber dem im Ratsbürgerentscheid abgelehnten Vorschlag spürbare Verbesserungen an“, sagte Bürgermeister Ulrich Roland (SPD) am Dienstagnachmittag zur WAZ, wobei die Stadtspitze vor allem auch Wittringen und den Osten des Stadtgebiets im Visier hat.

Bessere Lärm- und Sichtschutzwirkung für Wittringen

Stichwort: Wittringen. Bei der Berliner Verhandlungsrunde ging es in besonderer Weise um die Autobahnkreuzgestaltung. Die Risiken beim Bau eines Unterfliegers seien zu groß, da das Gelände schwierige geologische Bedingungen aufweise (Altablagerung) und sich in direkter Nähe zu den Wittringer Teichen befinde. Hinzu kämen die um ein Vielfaches höheren Kosten eines Unterfliegers.

Deshalb müsse es beim Überflieger bleiben, hieß es Berlin. Zwischen der A 2 und dem Wittringer Wald sollen aber überschüssige Erdmassen so hoch aufgeschüttet und mit Steinkörben (Gabionen) so ergänzt und gestaltet werden, dass eine Lärmschutzwirkung erzielt wird und zweitens der Überflieger (auch von der Schloss-Terrasse aus) nicht mehr zu sehen sei.

Sichwort: östliches Stadtgebiet. Für die Anwohnerin im östlichen Butendorf und in Mitte-Ost solle es auf der künftigen A 52 einen über die Stadtgrenze hinaus gehenden, verlängerten und stark verbesserten Lärmschutz geben. Vorgesehen sind neue höhere Wände und offenporiger Asphalt (Flüsterasphalt).

Im Gespräch mit der WAZ unterstrich der Bürgermeister am Dienstag mehrfach, dass dies sicherlich nicht das Gladbecker Wunschergebnis sei, dass er aber nun gleichwohl für dieses verbesserte A-52-Angebot eintreten wolle. Roland wies nochmals darauf hin, dass der Abschnitt zwischen A 42 und der A 2 bei vorliegendem Planungsrecht definitiv gebaut werde. Das hätten Bund und Land nochmals klar signalisiert. Roland: „Wer sich jetzt an den Ratsbürgerentscheid bindet und eine Null-Lösung für Gladbeck fordert, schädigt die Stadt, denn der Bund baut nach Vorliegen des Planungsrechts die A 52 von A 42 bis A 2 auf jeden Fall, inklusive Autobahnkreuz auf Gladbecker Gebiet.“

„Eine schwierige Situation“

Wenn Gladbeck sich für einen Ausbau entscheide, sollen beide Abschnitte in einem Zug realisiert werden. Begonnen werde mit dem Bau erst, wenn der Bund die Finanzierung für beide Baubschnitte gesichert habe. Die Stadt zieht in ihrer Mitteilung zum Berliner Termin diese Bilanz: „Gladbeck steht vor der schwierigen Situation, entweder den Komplettausbau zu akzeptieren oder den Teilausbau zwischen A 2 und Grenze Gelsenkirchen abzulehnen und damit das große Risiko einzugehen, dass durch den Ausbau bis zur A 2 künftig erheblich mehr Verkehr nach Gladbeck fließt.“

Enak Ferlemann moderierte die Runde in Berlin

Für 12.30 Uhr war das Gespräch am Dienstag im Berliner Bundesverkehrsministerium terminiert. Der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann leitete die Runde.

Zu den Teilnehmern zählten neben Bürgermeister Ulrich Roland als Verhandlungsführer die beiden Fraktionschefs Michael Hübner (SPD) und Peter Rademacher (CDU), die Bundestagsabgeordneten Michael Gerdes (SPD) und Sven Volmering (CDU), der Leiter des städtischen Referats Wirtschaftsförderung und Kommunikation, Peter Breßer-Barnebeck, sowie der Verkehrsexperte der IHK, Joachim Brendel. Für das NRW-Verkehrsministerium war Michael Heinze dabei.

Erste Stimmen zum Verhandlungsergebnis

Bürgerforum-Chef Matthias Raithreagierte unmittelbar nach Vorliegen der städtischen Mitteilung auf das Berliner Gesprächsergebnis: „Die Verhandlungen sind in vollem Umfang gescheitert“, meinte Raith. Im Vergleich zum Ratsbürgerentscheid vom März 2012 gebe es keine Verbesserungen für Gladbeck.

Michael Gerdes (SPD) unterstrich: „Leider konnte die auch von mir gewünschte Lösung mit Unterflieger und einem deutlich längeren Tunnel nicht erreicht werden.“

Hübner: „Ich werde mich für weitere Verbesserungen einsetzen“

Michael Hübner (SPD)formulierte: „Selbstverständlich werde ich mich im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für weitere Verbesserungen, wie einen Unterflieger und maximalen Lärmschutz an den Tunnel-Enden, einsetzen.“

Peter Rademacher (CDU): „Wir haben vor allem in Sachen Sicht- und Lärmschutz deutliche Verbesserungen erreicht. Die CDU Gladbeck wird für dieses Ergebnis offensiv kämpfen.“

 
 

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