Gladbeck

Geistersiedlung: Weiterentwicklung gestaltet sich schwierig

Zurzeit ist Stillstand in der so hoffnungsvoll angelaufenen Sanierung der Schlägel & Eisen-Siedlung.
Zurzeit ist Stillstand in der so hoffnungsvoll angelaufenen Sanierung der Schlägel & Eisen-Siedlung.
Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Se
In Geldnot geratenes Immobilienunternehmen verweigert Mitarbeit und Auskünfte im vorläufigen Insolvenzverfahren. Solvente Investoren haben Interesse.

Gladbeck. Seit dem 1. Oktober 2015 sitzt der Insolvenzverwalter mit im Boot zur Zukunft der denkmalgeschützten Zechensiedlung in Zweckel. Sichtbare Bewegung ist seit dem Baustopp am Altbestand Ecke Bohnekamp- und Schlägelstraße nicht zu sehen. Hier wollte die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Kwates Immobilien GmbH im ersten Sanierungsschritt vier Mehrfamilienhäuser zu acht modernen Maisonette-Wohnungen im Reihenhausstil umbauen. Hinter den „Kulissen“ finden aber durchaus Aktivitäten statt. Als Zwischenbilanz könnte man von Licht und Schatten für die Schlägel & Eisen- Siedlung sprechen.

Renommierter Insolvenzverwalter

Als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt wurden vom Amtsgericht Essen die renommierte Sozietät Görg Rechtsanwälte, die zum Beispiel bereits für bekannte Größen wie Arcandor, Karstadt oder BurgerKing tätig wurden. Auswege aus der Kwates-Pleite zu finden, gestaltet sich für Görg-Partner Rolf Weidmann aber schwierig.

Er sei als so genannter schwacher Insolvenzverwalter eingesetzt, um auch darüber zu wachen, dass die Kwates-Geschäftsführung nicht zum Nachteil der Gläubiger über das vorhandene Firmen-Vermögen ohne seine Zustimmung verfüge, erklärt der Fachanwalt für Insolvenzrecht im Gespräch mit der WAZ. Als schwacher Insolvenzverwalter übernehme er aber nicht die Geschäftsführung und könne so keine rechtsbindenden Entscheidungen für Kwates treffen.

Problem dabei: „Die Geschäftsführung der Kwates GmbH verweigert jedwede Mitarbeit sowie die notwendigen Auskünfte zum Grundstück der Zechensiedlung Schlägel& Eisen und zu den sonstigen Belangen des Unternehmens“, so Rolf Weidmann.

Solvente Investoren sollen Interesse haben

Geschäftsführerin Ilona Kwapik wollte sich auf Anfrage nicht zum Verfahren äußern. Laut Informationen der WAZ hat die finanzierende Bank, die mit rund 2,5 Millionen Euro in das Sanierunsprojekt eingestiegen ist, aber nachvollziehbar großes Interesse, dass es in Zweckel weiter geht. Auch solvente Investoren sollen Interesse haben, einsteigen zu wollen, um das Projekt nicht nur stückchenweise, sondern auf der gesamten Siedlungsfläche voranzutreiben.

Profi Weidmann sieht ebenfalls das Potenzial der Immobilie, da zurzeit ja auch öffentliche Töpfe soziale Wohnungsbauprojekte besonders fördern. Der vorläufige Insolvenzverwalter bemühe sich so „in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung und der beteiligten Bank des Unternehmens um die Vorbereitung für einen späteren Verkauf des Grundstücks“. Der sei auch Voraussetzung „für eine spätere Insolvenzeröffnung“, eine zeitliche Prognose dazu aber „wegen der schwierigen Sachlage nicht möglich“.

Lagern Asbest-Reste am Rand der Baustelle? 

Ein großer, etwa zur Hälfte befüllter Entsorgungsbehälter für asbesthaltige Stoffe lagert am Rande der brachliegenden Baustelle an der Schlägelstraße. Ob der Behälter Abbruchmaterial aus dem Sanierungsvorhaben enthält, oder von einem anderen Verursacher „wild“ entsorgt wurde, ist unklar.

Im letzten Quartal des Vorjahres zogen die letzten Arbeiter ab und die Baustelle innerhalb der Zechensiedlung liegt brach. Nach den akuten Geldschwierigkeiten kümmerte sich die Kwates Immobilien GmbH, die als Eigentümer dafür zuständig ist, nicht um die Absicherung der offen zugängigen Gebäude. Besorgte Anwohner meldeten spielende Kinder in dem mehrstöckigen Gebäude. Die Stadt wurde daraufhin tätig und sicherte die Zugänge mit Spanplatten ab (WAZ berichtete).

Entsorgungsbehälter sollen überprüft werden

Dass im Baustellenumfeld Asbest lagern soll, sei der Stadt bislang nicht bekannt, so Peter Breßer-Barnebeck, Kommunikationschef der Verwaltung auf Anfrage. Diese Informationen würden umgehend an die Bauordnung weitergeleitet, die dann den Entsorgungsbehälter überprüfen werde. Daraufhin müsse weiter entschieden werden, inwieweit unmittelbarer Handlungsbedarf bestehe.

Dann könnte die Stadt wieder einspringen, um die Gefahr zu beseitigen. Als Grundstückseigentümer ist eigentlich auch hierfür Kwates, sollte sich kein anderer Verursacher finden, zuständig.

 
 

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