Gegen Sexismus in der Werbung

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Die Frauenberatung Gladbeck macht gegen Sexismus in der Werbung mobil und lädt zu einem Infostand ein.

Gladbeck..  Das Thema „Sexismus in der Werbung“ rückt die Frauenberatungsstelle aus Anlass des Internationalen Frauentags ins Blickfeld. Mit Susanne Hülsermann (52) von der Frauenberatung sprach Gerhard Römhild.

Was verstehen Sie unter Sexismus in der Werbung?

Susanne Hülsermann: Das ist eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Es ist also eine Ungleichbehandlung ohne sachliche Rechtfertigung. Dargestellt werden geschlechterbezogene Vorurteile und Verhaltensweisen einer Personengruppe. Dies sind in der Hauptsache Frauen, aber auch Männer können betroffen sein. Auch Homosexuelle finden sich hier als Betroffene, sie werden als Gruppe sozial abgewertet.

Wie stellt sich denn das Frauenbild in der Werbung dar?

Zweierlei: Die offensichtlichste Geschichte ist, Frauen sexualisiert, also als Objekt darzustellen. Sie werden wenig bekleidet gezeigt und lächeln dümmlich. Das hat mit dem Produkt, das beworben wird, in der Regel überhaupt nichts zu tun. Es gibt aber auch die andere sexistische Werbung, die ist nicht so offensichtlich. Da werden Frauen als Mutter oder in der Küche mit einem Haushaltsgerät gezeigt. Sie sorgen für Kinder, dienen dem Mann. Immer mit niederster Schublade wirbt übrigens ein bekannter Elektronik-Onlinehandel. Frauen sind da durchweg blond, dünn, dümmlich, und dann taucht auch noch das Schild „billig“ auf. Die Frage ist im übrigen auch: Was macht das mit Kindern? Denn die sind besonders leicht beeinflussbar und prägbar.

Heißt es nicht immer: sex sells?

Ja sicher, das stimmt ja auch. Aber was macht das in den Köpfen, wenn sich solche Frauenbilder manifestieren? Werbung ist überall, ihre Aussage ist gesellschaftlich prägend. Überall begegnen uns diese Bilder, sie sind unkommentiert, und wir halten es hinterher für normal. Niemand macht etwas dagegen.

Warum gibt es überhaupt Sexismus in der Werbung?

Es geht um Verkaufszahlen, es geht darum, Stereotypen anzusprechen, es geht darum, Bedürfnisse und Ansprüche zu wecken. Menschen werden verunsichert, nicht so zu sein wie sie sind. Dadurch werden dann neue Kaufbedürfnisse geweckt.

Was bewirkt Sexismus in der Werbung?

Er schürt neue Konsumbedürfnisse, und er liefert ein Bild davon, wie wir sein sollen. Die Werbung suggeriert: Du bist immer falsch, so wie du bist. Du musst was daran verändern. So kann man neue Produkte bewerben.

Sind Sie nicht körper- und lustfeindlich, wenn Sie gegen Sexismus in der Werbung sind?

Nein, überhaupt nicht. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es geht im übrigen auch um den gesellschaftlichen Faktor. Schauen Sie nach Schweden, dort wird mit einem Mann geworben, der mit seinem Kind spielt. Fürs gleiche Produkt werben in Deutschland ein üppiges Dekolleté und ein Hähnchenschenkel. Es sieht so aus, dass jede Gesellschaft die Werbung hat, die sie verdient.

Ist Sexualisierung eigentlich per se verwerflich?

Im Rahmen dieser Werbekampagnen eindeutig ja. Es ist immer eine Abwertung, eine Erniedrigung damit verbunden. Da entsteht das Bild, dass Frauen männliche Klischees bedienen.

Wo begegnet uns Sexismus in der Werbung?

Da sind wir uns schnell einig: überall und täglich – immer. Dazu passen übrigens auch Fernsehsendungen wie „Germany’s next Topmodel“, deren neue Staffel gerade angelaufen ist.

Wie kann Sexismus aus der Werbung verbannt werden?

Da ist ein Werberat wichtig, ja, aber vor allem die Politik ist hier gefragt. „Pinkstinks“ beispielsweise ist eine Initiative, die die Frauenbilder aufknacken will. Hier gibt es eine Unterschriftenaktion, deren Listen wir auch an unserem Infostand auslegen werden. Es geht um die Erweiterung von Gesetzen, das hat die Politik nun zu leisten. Es gilt vor allem, das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb zu ergänzen und sexistische Werbung zu verbieten, denn das macht krank auf Dauer, psychisch und auch körperlich. Nie zuvor haben so viel Frauen an sich schneiden und herumexperimentieren lassen, seitdem solche Geschichten wie mit den Topmodels laufen.

Der Deutsche Werberat kann Rügen aussprechen, reicht das?

Ganz klar: nein. Der Werberat winkt ganz viel durch, ist übrigens mit zehn Männern besetzt. Das ist anders als in anderen Ländern, beispielsweise in Skandinavien. Die Politik ist gefordert, den Werberat anders auszustatten, die derzeitigen Instrumente reichen nicht aus.

Infostand und Unterschriftenliste

Zum Thema „Sexismus in der Werbung“ baut die Frauenberatungsstelle Gladbeck e. V. am Dienstag, 10. März, von 10 bis 12 Uhr einen Infostand an der Horster Straße / Marktplatz auf.


Es werden Unterschriften gesammelt für die Kampagne der Initiative „Pinkstinks“, die ein Verbot von geschlechtsdiskriminierender Werbung verlangt.

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