Froh über Kinderlärm - Rentner (82) will Trampoline erhalten

Elke Hautmann
Zwei große Trampoline und eine Schaukel haben Mieter an der Alfredstraße für ihre Kinder aufgestellt.
Zwei große Trampoline und eine Schaukel haben Mieter an der Alfredstraße für ihre Kinder aufgestellt.
Foto: WAZ FotoPool
Viele ältere Menschen fühlen sich durch spielende und lärmende Kinder gestört. Nicht so Heinz Mikolajski. Der 82-Jährige freut sich sogar, wenn die vielen Kinder in seinem Wohnblock unter seinem Balkon auf Trampolinen hüpfen. Dass die Annington die Spielgeräte abbauen will, will er nicht hinnehmen.

Gladbeck. Spielende Kinder machen Lärm. Nicht selten fühlen sich ältere Menschen in der Nachbarschaft davon gestört. Heinz Mikolajski nicht. Im Gegenteil: Der 82-Jährige setzt sich vehement dafür ein, dass die zahlreichen Kinder, die in den Annington-Häusern Alfredstraße 19-23 wohnen, ihre Spielgeräte behalten dürfen, auf denen sie – durchaus mit der entsprechenden Geräuschkulisse – so gern toben. „Meine Frau und ich haben riesige Freude an spielenden Kindern.“

In den drei Häusern an der Alfredstraße wohnen überwiegend türkischstämmige Familien. Sie haben vor einem Jahr Spielgeräte – zwei große Trampoline und eine Schaukel – auf die Rasenfläche gestellt. „Hier, direkt unter unseren Balkonen, haben wir die Kinder immer im Blick,“ sagt Beyhan Saltan. Ihr fünfjähriger Sohn Mehmetzan hüpft leidenschaftlich gern auf dem Trampolin. Zum nicht sehr weit entfernten Spielplatz an der Gertrudstraße will sie ihn allein nicht gehen lassen. „Wo sollen die Kinder denn sonst spielen?“, fragt auch Gülnur Cekkiv, während Cenk (6) und Ceren (4) sich auf den Schaukeln vergnügen.

Unfallgefahr ist zu groß

Die Deutsche Annington als Vermieterin duldet die Spielgeräte nicht, hat den Abbau verlangt und sich auch nicht umstimmen lassen, als Heinz Mikolajski in einem von etlichen anderen Mietern mit unterzeichneten Brief bat, den Kindern die beliebten Spielgeräte zu lassen.

Zuletzt mit Schreiben von Ende April fordert Annington die Mieter ultimativ auf, Trampoline und Schaukeln bis Ende Mai zu entfernen. Die Vermieterin begründet das mit der Verkehrssicherungspflicht. „Jeder Grundstückseigentümer, dem bekannt ist, dass Kinder sein Grundstück zum Spielen benutzen, ist regelmäßig gehalten, wirksame und auf Dauer angelegte Maßnahmen zu ergreifen, um diese vor Unfällen auf seinem Grundstück zu schützen“, heißt es in dem Schreiben. Annington verweist auf schwere Unfälle bei der Nutzung von Spielgeräten. Versteckte Gefahren könnten auch durch Konstruktionsmängel oder unsachgemäßen Aufbau, durch Verschleiß oder Vandalismus entstehen. Für die von den Mietern aufgestellten Spielgeräte könne Annington weder Wartung noch Kontrollen übernehmen, trage aber das Haftungsrisiko.

„Was soll denn hier passieren?“, fragt Heinz Mikolajski, den die Kinder oft „Opa“ nennen. „Die Trampoline sind mit Netzen gesichert, meistens sind Eltern mit den Kindern draußen.“ Mikolajskis sind die einzigen Mieter ohne Migrationshintergrund in diesem Wohnblock. „Leider nicht mehr lange“, bedauert der Senior. Aus Gesundheitsgründen müssen sie in eine seniorengerechte Wohnung ziehen. Am meisten werden ihm dort wohl die Geräusche spielender Kinder fehlen.