Fremdenfeindliche Äußerungen - Feuerwehrchef vor dem Integrationsrat

Maria Lüning
Volles Vertrauen in die Gladbecker Feuerwehr sprachen alle Mitglieder aus.
Volles Vertrauen in die Gladbecker Feuerwehr sprachen alle Mitglieder aus.
Foto: WAZ FotoPool
Wegen der fremdenfeindlichen Äußerungen einiger Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Gladbeck auf Facebook hat sich Feuerwehrchef Josef Dehling dem städtischen Integrationsrat gestellt. Mitglied György Angel (SPD) etwa sagte, dass die fremdenfeindlichen Äußerungen „unerträglich und unentschuldbar sind“.

Gladbeck. Die Feuerwehr war im Februar schon einmal Gast im Integrationsrat. Damals ging es um die Hitlergruß-Affäre. Am Mittwoch saß Feuerwehrchef Josef Dehling zum zweiten Mal in der Runde im Ratssaal. Und zum zweiten Mal war der Anlass ein unschöner: Es ging um die fremdenfeindlichen Äußerungen einiger Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr auf Facebook, die in den letzten Tagen publik geworden sind. „Ich habe zum zweiten Mal Dinge zu rechtfertigen, für die mir die Worte fehlen“, bekannte der Feuerwehrchef. „Was passiert ist, ist absolut nicht zu entschuldigen. Aber Sie können sich auf Ihre Feuerwehr hundertprozentig verlassen“, betonte er. Die Feuerwehr sei 365 Tage im Jahr im Dienst, viele davon ehrenamtlich. Und es sei völlig egal, wer Hilfe brauche. Jedem werde geholfen ohne Ansehen der Nationalität, versicherte er.

Sehr ruhig und sachlich nahmen die Mitglieder des Integrationsrats Stellung zu den Vorfällen. „Es gibt Menschen, die sich dumm und unüberlegt verhalten. Das ist nicht durch Entschuldigung wieder gut zu machen. Und es ist ein schwarzer Fleck für die Feuerwehr und für das Image der Stadt“, stellte Süleyman Kosar fest. Dennoch sei die Feuerwehr nicht pauschal zu verurteilen.

Ebenso äußerte sich Mehmet Metin. „Was eine Person verursacht hat, ist nicht der ganzen Feuerwehr anzulasten. Wir müssen damit vernünftig umgehen. Wir sind alle Gladbecker, und als solche schenken wir der Feuerwehr weiter unser Vertrauen.“

Keinen Zweifel ließ György Angel (SPD) daran, dass die fremdenfeindlichen Äußerungen „unerträglich und unentschuldbar sind“. Seine Kritik richtet sich aber auch gegen diejenigen, die sie im Nachhinein öffentlich gemacht haben. „Es geht ihnen nicht um Aufdeckung, sondern darum, den Ruf der Feuerwehr, des Bürgermeisters und der Stadt zu schädigen“, meinte Angel.

Auch Bürgermeister Ulrich Roland übte Kritik an der anonymen Weitergabe solcher Vorgänge, wie es seit dem Auftauchen der Hitlergruß-Fotos mehrfach geschehen sei. Einiges davon sei ohne Substanz gewesen, in diesem Fall jedoch gebe es tatsächliche Vorfälle. Ebenso kritisierte der Bürgermeister die Medienberichterstattung als unfaire Zuspitzung und sprach der Feuerwehr, die hervorragende Arbeit leiste, vollstes Vertrauen aus. Er berichtete auch, dass die Familie des Hauptbeschuldigten von anonymen Anrufen belästigt werde. Die Entschuldigung des Hauptbeteiligten hatte Roland allerdings selbst am Montag öffentlich mit namentlicher Nennung im Hauptausschuss verlesen. Sie steht auch auf der Homepage der Stadt.

Mit versöhnlichen Worten beschloss der Vorsitzende des Integrationsrats, Bahtiyar Ünlütürk, die Diskussion: „Einsicht ist der beste Weg zur Besserung. Die Erklärung ist ein großer Schritt. Wer glaubwürdig ist, dem kann man auch verzeihen.“ Sein Appell an junge Zuwanderer: Sie sollten bei der Feuerwehr mitmachen.