Forum-Reihe: Rhythmus-Attacken mit Biss

Konzertantes Schlagzeug in der Stadthalle - ein besonderes Konzert in der Forum-Reihe. Foto:H. Jung
Konzertantes Schlagzeug in der Stadthalle - ein besonderes Konzert in der Forum-Reihe. Foto:H. Jung
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck.. Wiederum recht gut besucht war das Saison-Abschlusskonzert der Konzertreihe Forum Deutscher Musikhochschulen am Dienstagabend in der Mathias-Jakobs-Stadthalle.

Die Schlagzeugklasse der Musikhochschule Münster – angeleitet durch ihren Professor Stephan Froleyks und den Lehrbeauftragten Gereon Voss – entfalteten ein buntes Kaleidoskop an Rhythmen und Marimba-Klängen und setzte sozusagen einen Paukenschlag unter die Konzertreihe 2010/11. Mit viel Beifall wurden die jungen Musikstudenten verabschiedet. Sie bedankten sich mit einer Zugabe, in der sie ihren Körper als Schlagzeug benutzten und durch Zischlaute Beckenklänge imitierten. Das kam gut an!

Welchen Stellenwert Schlagzeug- und Perkussionsinstrumente in Jazz und Pop haben, hören wir täglich aus Radio und TV. Welches Instrumentarium an Pauken, Trommeln, Becken sich aber im heutigen Konzertalltag entwickelt hat, war auf der eigens verbreiterten Bühne anschaulich zu besichtigen.

Und dass die jungen Musiker die Schlagtechniken vor allem auch bei ungeraden, vertrackten Rhythmen - beherrschen, bewiesen Kevin Bätzel, Silke Büscherhoff, Juliane Geisler, Rolf Hering, Peter-Paul Kannengießer und Edgar Kerst eingangs bereits bei Eckhard Kopetzkis „Rhythm Attack“ – ein wahrhaft feuersprühender Angriff auf Hörgewohnheiten. Was man aus Marimba- und Vibraphon für Bravourstückchen hervorzaubern kann, zeigten dann Silke Büscherhoff, Jeong-Hyeon Kim und Peter-Paul Kannengießer, die Bachs bekannte 15-stimmigen Inventionen und den Ohrwurm „Badinerie“ gekonnt in Szene setzten. Ein gelungenes Zwischenspiel. Aufhorchen ließ schließlich Jeong-Hyeon Kim, der auf dem Marimbaphon Keiko Abes „Kirschblütentraum“ technisch versiert und mit viel Gefühl für impressionistischen Klangzauber darbot. Zu Recht wurde großer Beifall gespendet. Und was junge Studenten als Komponisten bewegt, demonstrierten Christoph Beck (unterstützt von Mitstudent Jasper Ubben) mit einer Klangstudie: Sie setzten bei „Our White Noise“ das Rauschen (wie bei der Sendersuche?) durch Rhythmik und erregte Geräusche theatralisch in Szene.

Danach entspannten Pia Hauser (Flöte) und Thorsten Bönning (Schlagzeug) die aufgeheizte Atmosphäre mit Kopetzkis Stück „In a jolly mood“ und bereiteten die Bühne für das „Trio per Uno“ von N. J. Zivkovic, einem Trommelgewitter, das Christoph Jama, Tobias Götzinger und Jasper Ubben auf die Zuhörer niederprasseln ließen.

Nach der Pause dann eine gewisse Steigerung mit Thomas Gaugers rhythmischem „Klang“-Gemälde „Gainsborough“ (für Schlagzeug-Quintett). Wer es vermochte, konnte die Gemälde-Miniaturen musikalisch nachgezeichnet erleben. Darauf wiederum ein musikalischer Spaß mit Tafelmusik im wahrsten Sinne des Wortes, wenn bei Thierry de Meys „Musique de Tables“ die drei Musiker Thorsten Bönning, David Höing und Jasper Ubben in gekonnter, synchroner Choreographie auf drei Tische klopfend die Hände sprechen lassen. Ein Genuss!

Danach der Höhepunkt mit Minoru Mikis „Marimba Spiritual“: Hier zeigte Kim als Solist (begleitet von drei Schlagzeugern) auf der Marimba sein Können - ein klangdichtes, atmosphärisches Werk! Das Schluss-Stück, Silvia Ocougnes „Curto Circuito“, ein verfremdetes Samba-Spektakel für Schlagzeug-Sextett, fiel trotz Streichholz-Zündeln etwas ab, was aber dem insgesamt überaus gelungenen Konzert keinen Abbruch tat.

 

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