Fastenzeit in Gladbeck

Irfan Karaaslan (39) fastet nur an seinem freien Tag: es ist einfach zu heiß an seinem Arbeitsplatz! Foto: Thomas Gödde / WAZ FotoPool
Irfan Karaaslan (39) fastet nur an seinem freien Tag: es ist einfach zu heiß an seinem Arbeitsplatz! Foto: Thomas Gödde / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Noch bis zum 29. August heißt es für gläubige Muslime: Verzicht bis zum Einbruch der Dunkelheit!

Bei aktuell 26°C in Gladbeck steht Bilal Övne an seinem Arbeitsplatz im Friseursalon “Image“ in der Rentforter Straße. Wie an jedem normalen Arbeitstag erledigt er seinen Job: Haare waschen, schneiden, dem Kunden den Nacken ausrasieren.

Doch während seine Kunden bei der Hitze gerne mal zur Wasserflasche greifen, bleibt Övnes Kehle in diesen Tagen trocken: der 20-jährige Friseur-Azubi ist Muslim, für ihn hat am ersten August die Fastenzeit begonnen. „Zu fasten ist mir wichtig, ich bin gläubig“, bekennt Övne.

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf nicht gegessen oder getrunken werden, der Koran schreibt es vor.

Ramadan ist Bestandteil des Islams

Im neunten Monat des islamischen Mondkalenders wird gefastet, der Ramadan ist Bestandteil des Islams wie das tägliche Gebet oder die Pilgerfahrt nach Mekka.

Probleme bereitet dem Azubi im ersten Lehrjahr der Verzicht nicht: „Das ist nicht schwer, das geht locker. Mein Arbeitstag ist nicht anders, wenn ich faste.“

„Es ist schwer, zu verzichten!“

Etwas schwerer tut sich Gülcan Güner mit ihrem Arbeitstag ohne Nahrung und Getränke. Die 18Jährige arbeitet als Aushilfe im Efes Grill an der Rentforter Straße. „Hunger habe ich nicht so viel, aber Durst!“ Um morgens vor der Arbeit noch etwas zu essen, steht sie um vier Uhr auf, bis vier Uhr dreißig darf sie etwas essen. Danach ist erstmal Verzicht angesagt, bis die Familie um 21 Uhr 30 zum Abendessen zusammenkommt. „Dann gehen wir alle zusammen in die Moschee.“ Ganz so leicht wie Bilal Övne fällt ihr die Entbehrung nicht: „Es ist schwer, zu verzichten!“ Wenn der Arbeitsplatz zwischen einem heißen Ofen und einem sich drehenden Fleischspieß liegt, ist das Fasten besonders hart.

Nicht alle fasten streng

Aus diesem Grund hält es auch nicht jeder Muslim so streng mit dem Ramadan, wie zum Beispiel Irfan Karaaslan, der bei „Fresh Fritjes“ an der Hochstraße hinter dem Verkaufstresen steht. „Wir können hier nicht fasten“, schüttelt der 39-jährige Angestellte den Kopf, „nicht hier drin.“ Temperaturen von bis zu 60 Grad zwischen Hähnchengrill und Fritteuse machen es nötig, alle halbe Stunde etwas zu trinken, erklärt Karaaslan. Am Wochenende, wenn er nicht arbeiten muss, fastet allerdings auch er, wie der Rest der Familie auch. Abends wird dann zusammen gegessen „was Gott uns gibt“.

Wie auch bei den Christen gibt es bei den Muslimen Gläubige, die aus verschiedenen Gründen nicht fasten. Cemil Aslan ist einer von ihnen. Der Gastronom, dessen Dönergrill in der Rentforter Straße liegt, zuckt kurz mit den Schultern und sagt: „Ich faste eh nie. Meine Frau fastet.“

Der Ramadan dauert noch bis zum 29. August an.

 
 

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