Europaweit gefragter Moschee-Künstler aus Gladbeck

Mit ruhiger Hand und konzentriert in die gottesfürchtige Arbeit versunken überträgt Abdullah Nice Koranverse in die Kuppel einer Moschee.
Mit ruhiger Hand und konzentriert in die gottesfürchtige Arbeit versunken überträgt Abdullah Nice Koranverse in die Kuppel einer Moschee.
Foto: Nice
Abdullah Nice hat sich auf die Ausgestaltung von muslimischen Gotteshäusern spezialisiert und ist ein im In- wie Ausland gefragter Experte.

Gladbeck.. Es ist wie eine Metamorphose von der unscheinbaren Raupe zum wunderschönen Schmetterling, die Abdullah Nice mit seinem Können vollbringt. Der Gladbecker verwandelt zunächst unscheinbare graue Betonwänden mit Ornamenten und Schriftzeichen zu einem ausdruckstarken, oft farbenfrohen Gesamtkunstwerk.

Der Gladbecker hat sich auf die künstlerische Ausgestaltung von Moscheen spezialisiert und ist damit mittlerweile ein europaweit gefragter Experte. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht und seine Berufung gefunden. Für ihn sei es selbst immer wieder wie ein Geschenk: „Kurz, nachdem ich den unfertigen Moscheeraum betreten habe, sehe ich vor meinem geistigen Auge, wie alles fertig gestaltet einmal aussehen wird.“ Künstler, die die

Moscheemalerei gewerblich ausübten, gebe es nicht viele. „In Europa sind wir etwa zu Fünft“, erzählt der 36-Jährige. Wie Christen ihre Kirchen zu Ehren Gottes künstlerisch ausgestalten, sei das auch Wunsch vieler muslimischer Gemeinden, die eine Moschee neu errichtet haben oder sie renovieren. Da im Islam die Abbildung von Lebewesen im Gotteshaus untersagt sei, gehe es bei der Moscheemalerei darum, „Gottes Wort mit kunstvollen Kaligraphien und Ornamenten Ausdruck zu verleihen“.

Vor rund 1000 Jahren seien im osmanischen Reich zu den zentralen Suren im Koran

lesbare, aber ebenso kunstvoll arrangierte arabische Schriftzeichen entwickelt worden, die bis heute im so genannten „Celi Sülüs“-Stil in Moscheen gezeichnet werden. Diese Schriftzeichen exakt schreiben zu können, sei eine Meisterschaft, die es über eine acht- bis zehnjährige Ausbildung zu erlernen gelte, „da jedes Schrift- und Lautzeichen in exaktem Abstand und Winkeln sowie Kurvenschwung zueinander stehen muss“. Ein solcher Kaligraphien-Meister werde als „Hattat“ bezeichnet, „diese Ausbildung möchte ich auch gerne absolvieren“, erklärt Abdullah Nice beim Gespräch daheim an der Marienstraße. Zurzeit arbeite er mit einem Hattat aus Istanbul zusammen, der ihm Schriftzeichen-Vorlagen wie beauftragt erstellt.

Eigene „Handschrift“ entwickelt

Nice selbst gehört zur ‘Gilde’ der „Nakkas“, einerseits mit der Fertigkeit, die Hattat-Kaligraphien exakt auf die Moscheewände zu übertragen und andererseits darauf spezialisiert, traditionelle Ornamente und Bordüren zu zeichnen beziehungsweise selbst weitere zu entwickeln. „Das ist wie eine eigene Handschrift, an der man als Künstler auch wiedererkannt werden kann.“

Seine Handschrift hat der gebürtige Gladbecker mittlerweile an vielen Moscheen

hinterlassen in direkter Nachbarschaft, in Deutschland und im europäischen Ausland. „Hier, an der Steinstraße, in Buer, Stuttgart, Frankfurt oder Lyon.“ Gute Arbeit spreche sich herum, „Mundpropaganda ist in meinem Metier das Wichtigste“. Seit fünf Jahren hat Abdullah Nice sein Gewerbe angemeldet. „Eigentlich habe ich Stahlbauer gelernt und hätte gerne weiter Architektur studiert“, erzählt er. Seit Kindesbeinen habe er aber gerne gezeichnet, mit einem Talent, das ihm in die Wiege gelegt worden sei. Seine Frau habe letztlich den Anstoß gegeben, seine Gabe beruflich zu nutzen. „Zur Ehre Gottes arbeiten zu dürfen, dessen werde ich nie müde und es macht mir immer wieder aufs Neue besondere Freude.“

 
 

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