Endzeitstimmung in der Geistersiedlung in Zweckel

Der Verfall an der Bohnekampstraße scheint nicht mehr aufhaltbar.
Der Verfall an der Bohnekampstraße scheint nicht mehr aufhaltbar.
Foto: WAZ FotoPool
Die Siedlung Schlägel & Eisen in Gladbeck-Zweckel verfällt immer weiter. Noch sind zwei Wohnungen an der Schlägelstraße bewohnt, bald werden aber auch sie leer stehen. Was aus den 29 Häusern wird, ist ungewiss. Der Eigentümer, die Immobiliengesellschaft Duisburger Akimo, sucht Investoren.

Gladbeck.. „Das ist wie nach einem Krieg hier.“ Michael Polan lässt den Blick schweifen. Wo er auch hinschaut, er sieht Trostlosigkeit. Endzeitstimmung – nicht nur angesichts des nahenden Jahreswechsels. Wo einst Menschen lebten, Kinder spielten, wo Leben war, ist jetzt Verfall, Müll, Dreck. Wachstum gibt es allein auf den Dächern: Bäume haben Wurzeln auf zerfallenen Schuppen geschlagen.

Das Häuser-Ensemble, dessen Eingänge sich an der Schlägel-, der Eisen- und der Bohnekampstraße befinden, war einmal eine Bergbausiedlung. Ein echter Wohnblock, eine eingeschworene Gemeinschaft. „Früher hieß es: Wir sind die Bohnnekämper“, sagt Michael Polan, der seit 28 Jahren als Fernsehtechniker im Stadtteil Zweckel unterwegs ist.

Bewohner hielten zusammen

Die Bohnekämper. „Die haben gut zusammengehalten“, erzählt er. Was nicht unbedingt zum guten Ruf der Siedlung beigetragen habe. Als Auswärtiger sei man nicht gut beraten gewesen, sich in der Siedlung herumzutreiben oder gar ein Mädchen anzusprechen. Bohnekämper gibt es nicht mehr.
Sie sind weggezogen, schon vor langer Zeit. Und auch die letzten beiden Wohnungen, die an der Schlägelstraße noch bewohnt sind, werden es bald nicht mehr sein. Was dann kommt? Von Sanierung war einmal die Rede, doch wer sich umschaut, mag daran nicht glauben. Eingefallene Dächer, eingeworfene Fenster, verrammelte Türen.

Ein Mann öffnet die Tür zum Haus Nummer 6. Er wohnt dort, wie es scheint hinter verrammelten Fenstern. Deutsch spricht er nur bruchstückhaft, sagt, sein Chef habe ihn dort untergebracht, ihm Arbeit versprochen – „nix Arbeit“, sagt er. Wenn die Mieter ausgezogen sind, wird er der letzte Bewohner sein. Er sei wohl eine Art Hausmeister, sagt Polan. Was er an der Schlägelstraße instand halten soll – ein Rätsel.

Menschenunwürdige Zustände

„Es ist ja menschenunwürdig, hier zu wohnen“, sagt Michael Polan. Gerade hat er zwei Jugendliche verjagt, die in eines der leerstehenden Häuser einbrechen wollten. Die beiden laufen weg, doch kurz darauf kommen verdächtige Geräusche aus einem anderen Haus, diesmal an der Bohnekampstraße. Es ist gruselig. Obwohl die Sonne scheint, ist dies kein Ort, an dem man allein sein möchte. Ein Mann im BMW dreht mit quietschenden Reifen seine Runden um den Block.

Die Siedlung ist nurmehr ein Abenteuerspielplatz für Jugendliche, ein verbotener Ort, an dem Mutproben stattfinden, an dem man Aggressionen ausleben kann. Kaputt machen steht auf dem Programm. Viel ist nicht mehr übrig.

 
 

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