Ende der Kneipen-Herrlichkeit

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Gladbeck.  Einst gab es in Brauck und Butendorf fast an jeder Ecke eine Kneipe. Die Zeiten sind längst vorbei. Gerade in jüngster Zeit machte im Stadtsüden eine Traditionsgaststätte nach der anderen zu. Und Ende des Jahres folgt noch eine: Der Butendorfer Hof, direkt neben der Heilig-Kreuz-Kirche.

Aus Altersgründen, sagt Wirtin Heide-Lore Wroblewski, 68 Jahre jung. Ihr Mann Manfred ist schon 70, da werde es Zeit aufzuhören. An Silvester wird das letzte Pils durch den Hahn fließen. Aber nicht nur das Alter liefert einen Schließungsgrund. „Es läuft auch nicht mehr, vor allem in den letzten sieben Jahren bleiben die Gäste mehr und mehr aus“, geben die beiden unumwunden zu. „Die Jugend kommt nicht mehr, diese Art von Kneipenkultur stirbt wohl aus.“ Daher wird ihre Gaststätte, die seit 1904 besteht und die sie schon seit 34 Jahren – seit 20 Jahren als Eigentümer – betreiben, ganz verschwinden. „Unser Sohn baut sie zur Wohnung um.“

Eine, die noch durchhält, ist Resi Schmidt, Wirtin der Gaststätte „Zum Südpark“ an der Roßheidestraße, in Brauck besser als „Keisel“ bekannt. Die 72-Jährige denkt noch nicht ans aufhören, wie lange es aber noch weitergeht, wer weiß? Auch sie spürt, dass die nachwachsenden Generationen an dieser Art von Kneipe kaum noch Interesse haben. Natürlich hat sie noch ihre treuen Stammgäste, „aber viele von früher sind nicht mehr da.“ Ein paar Gesellschaften, auch Kegelvereine, Resi Schmidt hält die Tradition noch aufrecht.

Wie der Butendorfer Hof wurde die Kneipe 1904 eröffnet, Haus und Gaststätte gehörten lange der Familie Schwarte. 1936 übernahmen die Eltern Resi und Emil Keisel das Gasthaus gegenüber von Stinnes 3/4. 1957 stieg Tochter Resi mit ein, 1963 übernahm sie die Verantwortung. Lange Jahre half ihre Mutter hinterm Tresen mit. „In den 50er und 60er Jahren war das eine reine Kumpel-Kneipe, hier sah man so gut wie keine Frau.“ Nach der Schicht spülten sich die Kumpel den Staub runter. „Morgens um 6 machten wir schon auf, wenn die Nachtschicht Schluss hatte“, erinnert sich Resi Schmidt. Dafür war abends früh Schluss, um 23 Uhr. „Dann rief meine Mutter ,Auf zu Gott, die Hölle brennt, antreten zum Abmarschieren’“.Vergangene Zeiten.

Aber Keisel gibt’s noch. Andere längst nicht mehr: Rattay, Goppert, Wilkskamp, Oase und Marktbrunnen - schon lange dicht. Noch länger Kuhlmann. Dort soll einst gar „Der lachende Vagabund“ Fred Bertelmann „Heimat Deine Sterne“ geträllert haben...

Geschichte sind auch schon lange Haus Steffen, Stens-Keysberg, Kuhlmann. In letzter Zeit schlossen Birkenkrug und Beisenschänke, Siedlerklause und Haus Burg (ehemals Büscher) auf dem Rosenhügel, zuletzt auch das Gasthaus Hasenbrink, auch als Gaststätte „Glückauf“ bekannt. Auch dort sollen, wie schon im Birkenkrug geschehen, Wohnungen entstehen. Neu belebt werden sollen, wie man hört, die seit zwei Jahren geschlossenen Zunfstuben - vom Glückauf-Wirt.

Zum zweiten Mal neu belebt wurde in den letzten Tagen schon Haus Kamphowe - jetzt verschwand aber der Name. Die alte, hier über Jahrzehnte gepflegte Kneipenkultur ist schon länger passé, wenn man mit alten Brauckern spricht.

Was bleibt, neben Keisel? Nicht viel: Zum blauben Bock mit der langjährigen Wirtin Doris Lontkowski, Klarastuben, Union-Eck... „Die alten Zeiten sind halt vorbei“, so Resi Schmidt und Heide-Lore Wroblewski.

Ein Lichtblick ist überdies der Jägerhof: Knapp über zwei Jahre war das Gasthaus an der Horster Straße geschlossen - auch eine dieser großen Traditionshäuser im Stadtsüden. Jetzt öffnet die Gaststätte wieder als Restaurant - ein Lichtblick in der Braucker Kneipenszene. Stojanka und Boris Mitiz haben das Lokal für die nächsten fünf Jahre gepachtet. Das aus Serbien stammende und zuletzt in Buer lebende Ehepaar - sie gelernte Köchin, er gelernter Kellner - wollen ab 22. September, die alte Tradition im Jägerhof wieder beleben. Internationale Speisen stehen auf der Karte, außerdem soll es Betrieb am Tresen geben, auch die Kegelbahn wird wieder in Betrieb genommen.