Gladbeck

Einige Skepsis bleibt

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Gladbeck. . „Das ist die Stunde der Bürger“, verkündete der Bürgermeister zu Beginn der Infoveranstaltung in der Stadthalle, und die Gladbecker nahmen ihn beim Wort. Nach anderthalb Stunden geballter Information hatten sie viele Fragen.

Zur 2-Mio-Euro-Beteiligung der Stadt: „Visionen sind gut, aber wie soll die Stadtstraße bezahlt werden? Gladbeck ist doch so gut wie pleite.“ Ministerialrat Michael Heinze dazu: „Der Bund muss das finanzieren, die geplante Stadtstraße auf dem Tunnel gilt als Ersatz für die jetzige B 224 und wird mit Städtebaumitteln gestaltet. Der Gladbecker Anteil von 2 Mio Euro wird auf 4 bis 5 Jahre gestreckt - das lässt sich doch fast privat finanzieren.“ Zum B 224-Ausbau: „Warum müssen Verkehrsströme durch ein besiedeltes Wohngebiet führen?“ Heinze: „Die Frage stellt sich so nicht. Es fehlt eine leistungsfähige Nord-Süd-Achse, der Bund will eine Fernverkehrsstraße. Die Wirtschaftsleistung der Region hängt von der Anbindung ab. Wir haben hier massive Probleme, die es zu beseitigen gilt.

Zum Tunnel: „Da werden viele Gefahrguttransporter durchrollen. Was ist, wenn etwas passiert?“ Gutachter Professor M. Lühder: „Wenn der Tunnel fertig ist, ist die Verkehrssicherheitstechnik so weit, dass alle Autos Abstandsregelsystemen haben. Massenkarambolagen werden dann völlig ausgeschlossen sein.“

Zur Belastung Schützenstraße: „Droht nicht ein Verkehrskollaps, wenn Pendler in Richtung Essen über die Schützenstraße in den Tunnel fahren?“ Lühder: „Die Gestaltung des Kreisverkehrs und der Auffahrten in Richtung Essen ist noch offen, da gibt es noch Optimierungspotenzial. Die Situation wird deutlich entspannter als jetzt.“

Zur Brokamp-Siedlung: „Wir fühlen uns schlecht informiert und wissen nicht, was mit unserer Siedlung wird. Die 38 Häuser sind unsere Altersvorsorge.“ Lühder: „Die Siedlung ist gar nicht betroffen, sie erhält jedoch verbesserten Lärmschutz und profitiert vom Flüsterasphalt.“

Zum Nutzen des Ausbaus: „Nutzt der uns Gladbeckern oder nicht eher dem durchfahrenden Autoverkehr, der noch zunehmen wird?“ Lühder: „Die Trennwirkung der B 224 ist grauenhaft, die Verkehrszunahme wird es sowieso geben. Vorteil des Tunnels: Dort fahren Autos und stehen nicht.“

Zur Feinstaubbelastung: „Der Tunnel ist zwei Kilometer zu kurz, unsere Kinder haben jetzt schon Allergien wegen der Feinstaubbelastung.“ Heinze: „Verflüssigung des Verkehrs, also wenig stop-and-go, hilft gegen Feinstaub-Belastung. Helfen wird auch die Euronorm 6 für Lkw.“

Tunnel: „Warum reicht der nicht von Schützen- bis Erlenstraße?“ Heinze: „Das ist nachvollziehbar, die Finanzierung hätten wir dem Bund aber nicht abringen können.“

Insgesamt fühlten sich viele Besucher der Veranstaltung umfassend informiert, manchen war die geballte Infoflut fast zu viel. „Das muss man ja erst einmal verdauen, so viele Folien hätten es nicht sein müssen“, waren einige kritische Anmerkungen. Und trotz der präsentierten schön begrünten Ansichten blieb einnige Skepsis: „Wenn jetzt schon beim ZBG gespart wird, woher soll dann das Geld für die Begrünung der Schallschutzwälle bei Wittringen kommen?“ Und wenn der Lärm sich durch das Autobahnkreuz dort verdoppele „glaube ich nicht, dass ich da sitzen will“, zweifelte Dorothee Krogull.

Weiterhin überzeugt ist Margitta Opora. „Der Tunnel ist seit 20 Jahren überfällig, von Brauck ist der Weg nach Wittringen wegen der Überquerung der B 224 immer schwierig gewesen. Der Ausbau nutzt unseren Kindern.“

„So wie es jetzt ist, kann es doch nicht bleiben“, ist Herbert Baschton überzeugt, der in Sachen A 52 „auf dem Laufenden ist“ und am Donnerstagabend bestätigt wurde: „Wir brauchen eine Lösung.“

„Zu einseitig, ein regerer Austausch mit den Kritikern wäre besser gewesen“, ist die Meinung einer anderen Besucherin. „Gut informiert“ fühlen sich zwar Vera Bücker und Norbert Marissen. „Aber ob wir richtig informiert wurden?“ fragen sich die Anwohner der Gosepathstraße, die zwischen der A 2 (200 Meter entfernt) wohnen. „Manchmal ist der Lärm von der B 224 jetzt schon stärker als von der A 2.“ Nicht wirklich beantwortet wurde für sie die Frage der Steigerung des Verkehrslärms durch das geplante Autobahnkreuz A 2/A 52. Bücker: „Die Optik, also ob man das Kreuz von Wittringen aus sieht oder nicht, ist doch nicht wichtig. Für den Erholungswert ist die Lärmfrage entscheidender.

 

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