Ein Jahr Parkour-Platz in Butendorf

Maral Feizbakhsh
Waghalsige Sprüngen  sind das Markenzeich von Parkour-Sportlern.
Waghalsige Sprüngen sind das Markenzeich von Parkour-Sportlern.

Seit knapp einem Jahr hat Gladbeck als erste Stadt Deutschlands einen eigenen Jugend-Spielplatz für ihre Parkourläufer. Sportler, Stadt und Anwohner ziehen ein positives Fazit und sind stolz auf ihre Vorreiterrolle.

„Als ich hier anfing, konnte ich nicht mal ordentlich vom Sprungbrett springen“, erzählt Marcel Berger. Kaum zu glauben, wenn man dem 19-Jährigen bei seinen Kunststücken zuschaut. Marcel ist Parkourläufer, ein Traceur, was übersetzt bedeutet „der eine Spur legt“. Seine Spur führt zum Parkourplatz in Butendorf, wo er regelmäßig trainiert.

Seit Juli 2010 steht in der Diepenbrockstraße der erste Parkourplatz Deutschlands. Bei diesem Sport geht es darum, Hindernisse elegant und schnell zu überwinden, um möglichst effizient von A nach B zu gelangen. Sechs verschiedene Objekte – zum Beispiel Mauern oder verschieden hohe Metallstangen – fordern Anfänger und Fortgeschrittene heraus, ihre Grenzen auszutesten. Ansonsten nutzen Traceure in erster Linie städtische Wände, Geländer und Mauern und lernen dabei ihr Revier von einer ganz neuen Seite kennen: Bei manchem Sprung steht die Stadt auch schon mal Kopf.

Erste Sprünge vor dem Rathaus

Mitten in der Stadt fing auch alles an: Zwischen dem alten und dem neuen Rathaus übten Julian Kläsner und andere Sportler gerne ihre Sprünge. Der 23-jährige Julian ist der Initiator der Parkour-Bewegung in Gladbeck. Ein Internetvideo weckte vor sieben Jahren seine Leidenschaft, seitdem reizt er mit jedem Sprung seine Grenzen ein wenig mehr aus.

„Baum hoch und rückwärts wieder herunter – das sah man vor dem Rathaus häufig“, erinnert sich Stadtsprecher Peter Breßer-Barnebeck. Und bei einem dieser Stunts blieb auch Bürgermeister Ulrich Roland fasziniert stehen und kam mit den Sportlern ins Gespräch. Im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt Butendorf“ begann 2008 die Planung der neuen Trainingsstätte.

Nun gibt es den Parkourplatz seit fast einem Jahr. Etwa 20 bis 25 Sportler zwischen zehn und 48 Jahren nutzen ihn regelmäßig.

Die Anwohner sehen den Platz als Bereicherung

Inge Monse wohnt genau neben dem Platz und schaut bei den Kunststücken gerne zu. „Manchmal denke ich, hoffentlich fällt da niemand herunter.“ Vorsichtshalber hat sie ihren Erste-Hilfe-Koffer bereitstehen. „Mit Kühlakkus helfe ich gerne aus und etwas Schlimmeres ist bisher noch nicht passiert.“

Orte wie der Parkourplatz ziehen gelegentlich auch Nichtsportler an, die den Platz als Treffpunkt nutzen. Leider manchmal mit unangenehmen Folgen. Inge Monse beklagt herausgerissene Pflanzen, Lagerfeuer oder nächtlichen Lärm auf dem Platz. Die Parkoursportler stört die fremde Nutzung, weil liegengebliebene Scherben das Training gefährlich machen. Allerdings bestehe das Problem auf dem Parkourplatz nur hin und wieder. Stadtsprecher Breßer-Barnebeck ist sich sicher, dass der Platz aufgrund seiner dezentralen Lage überwiegend von Sportlern aufgesucht werde.

Trotz Parkourplatz sind die Traceure noch regelmäßig vor dem Rathaus anzutreffen. Der Platz in Butendorf ist besonders zum Training geeignet. Die dort erlernten Tricks werden dann in der Innenstadt an Wänden und Geländern getestet. Denn der Reiz der Sport-art liegt in der Erkundung einer Stadt.

Anfänger müssen nur eine Voraussetzung mitbringen: Spaß an der Bewegung. Der Rest komme durch das Training, behauptet jedenfalls Julian Kläsner.

Gladbeck als Entwicklungshelfer der jungen Sportart

Er hat in den letzten Jahren viel Engagement und Zeit investiert, um den Trendsport populär zu machen. Sein zufriedenes Fazit nach einem Jahr Parkourplatz: „Wir geben uns hier große Mühe und wollen unsere Sportart neben Fußball und Co. etablieren. Ich hoffe, dass Gladbeck stolz auf uns Traceure ist.“

Stadtsprecher Breßer-Barnebeck ist es in jedem Fall. Und er ist auch stolz darauf, dass Gladbeck den ersten Parkourplatz Deutschlands vorweisen kann: „ Neue Sportarten wie Parkour müssen gefördert werden, damit sie sich entwickeln können. Und genau das geschieht hier bei uns.“