DKP-Kundgebung mit Grup Yorum in Gladbeck verläuft friedlich

Grup Yorum stand mit mehr als 30 Musikern und Sängern auf der Festplatz-Bühne. Busseweise waren Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland dafür nach Gladbeck gekommen.
Grup Yorum stand mit mehr als 30 Musikern und Sängern auf der Festplatz-Bühne. Busseweise waren Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland dafür nach Gladbeck gekommen.
Foto: Lutz von Staegmann
Mit großem Polizeiaufgebot ging eine DKP-Kundgebung mit der umstrittenen Band Grup Yorum ohne Konflikte über die Bühne auf dem Gladbecker Festplatz.

Gladbeck. Fast Volksfest-Charakter herrschte auf dem Festplatz an der Horster Straße. Allen Unkenrufen zum Trotz blieb die DKP-Kundgebung mit einem umjubelten Auftritt der umstrittenenen Grup Yorum friedlich. Ramona Hörst, Pressesprecherin der Polizeibehörde Recklinghausen, sagte vor Ort gegenüber der WAZ: „Soweit ist hier alles ruhig.“ Keine Konflikte auf dem Areal, keine Beschwerden der Anwohner.

„Osmanen“ kontrolliert

Mit großem Aufgebot sicherte die Polizei die Veranstaltung, auch der Staatsschutz war vor Ort. Ramona Hörst: „So emotional wie der Auftritt der Gruppe im Vorfeld diskutiert wurde, kann man nicht ausschließen, dass es nicht doch noch zu Konfliktsituationen kommt.“ Dabei nehme die Polizei nicht nur das Geschehen auf dem Festplatz ins Visier, sondern auch das Umfeld. Und außerhalb des Geländes war es auch, dass Einsatzkräfte gegen 14 Uhr an der Horster Straße eine 40-köpfige Gruppe kontrollierten. „Die Personen trugen Kutten mit der Aufschrift ,Osmanen’. Das ist eine rockerähnliche Gruppierung mit türkisch-konservativ-politischen Ansichten. Sie sagten, dass sie hierher kommen wollten“, so Ramona Hörst. Die Polizeibeamten hätten bei ihnen verbotene oder gefährliche Gegenstände entdeckt: unter anderem Schlagringe, Messer und Pfefferspray. „Fünf aus der Gruppe wurden in Gewahrsam genommen“, sagte die Polizeisprecherin. Gegen die übrigen sei ein Platzverweis ausgesprochen worden. Hörst: „Dem sind die Personen auch nachgekommen.“

200 Helfer und Gäste als Ordner

Antje Potratz (DKP) als Veranstalterin der Kundgebung meinte: „Alle sind lieb, alles ist ruhig.“ Sie fügte hinzu: „Hier ist so viel Polizei, da sind wir auf dem Festplatz gut abgeschirmt.“ Und tatsächlich: Einsatzwagen und Polizisten, wohin man schaute. Allein an der Wilhelm-Oleijnik-Straße reihte sich Polizeifahrzeug an Polizeifahrzeug. Doch auch die DKP bemühte sich nach Kräften um Sicherheit und einen reibungslosen Ablauf. Etwa 200 Helfer und Gäste seien als Ordner im Einsatz, so Antje Potratz. Sie kontrollierten an den Eingängen zum Festplatz mit der großen Bühne die Besucher. Die Ordner warfen beispielsweise einen kritischen Blick in die Taschen derjenigen Menschen, die auch heftige Regenschauer nicht von der Kundgebung mit Musik und politischen Reden fernhalten konnten. „Es könnten 2000 hier auf dem Areal sein“, schätzte Potratz die Anzahl der Besucher. Polizeisprecherin Hörst zeigte sich vorsichtiger: „Wir nähern uns wahrscheinlich dem vierstelligen Bereich.“

„Das hätte die Stadt einfacher haben können“

Lange mussten die Besucher ausharren, bis die Musiker und Sänger von Grup Yorum auf der Bühne standen, Lieder gegen Unterdrückung, Imperialismus, Ausbeutung und Ungerechtigkeit interpretierten. Doch die Wartezeit wurde dem Publikum verkürzt mit Auftritten anderer internationaler Künstler. Gegen 20 Uhr stand Grup Yorum auf der Bühne – die linke türkische Musikgruppe, an deren Auftritt sich in Gladbeck die Geister scheiden. Ursprünglich war ein Festival mit der Band auf dem Gelände der Alevitischen Gemeinde geplant, doch die Stadt äußerte Sicherheitsbedenken. Die DKP sprang Grup Yorum bei, deklarierte ihre Veranstaltung als Kundgebung, berief sich auf das Recht der Versammlungsfreiheit – und brauchte somit keine Genehmigung der Stadtverwaltung. Patrik Köbele, Vorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei, richtete denn auch mit Blick auf die scharf geführten Auseinandersetzungen um den Auftritt von Grup Yorum einen Satz in Richtung Rathaus: „Das hätte die Stadt einfacher haben können . . .“

 
 

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