Die Stimme zum Beruf gemacht

Maike Lindemann aus Gladbeck singt in einem A Capella Chor. Am Montag, 16. Juli 2012, besucht die junge Frau die WAZ Redaktion. Hier spiegelt sie sich in einer CD. Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool
Maike Lindemann aus Gladbeck singt in einem A Capella Chor. Am Montag, 16. Juli 2012, besucht die junge Frau die WAZ Redaktion. Hier spiegelt sie sich in einer CD. Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool
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Gladbeck.  „Maike hat ja schon als Kind gern geträllert.“ Sagte die Verwandtschaft mit diesem fürs Ruhrgebiet so typischem Understatement, als „das Kind“ erwachsen wurde und sich herumsprach, dass sie das Singen zum Beruf machen würde. Also richtig professionell und ernsthaft damit Geld verdienen wollte: Maike Lindemann (30) tourt als Funk-Soul-Jazz-Sängerin durch Deutschland und das nahe europäische Ausland, seitdem sie die Uni Arnheim 2009 mit dem Bachelor of Music mit Schwerpunkt Gesang abgeschlossen hat.

Sängerin ist sie also geworden, verdient ihre Brötchen mit der eigenen Stimme. Nicht gerade der Null-Acht-Fünfzehn-Job und erst recht kein Beruf mit Arbeitsplatzgarantie. Wie kommt man darauf? Eher auf Umwegen und „nicht sofort nach dem Abitur“, erklärt die ehemalige Schülerin des Heisenberg-Gymnasiums.

Klar hat sie immer gern gesungen, lernte ab dem 13. Lebensjahr in der Musikschule Offbeat bei Gabi Freeze und Martin Greif die Technik der Stimme zu verbessern und das Gehör für die Töne zu schulen – aber „das Berufsbild Musiker war mir fremd, ich bin gar nicht auf die Idee gekommen.“ Vier Jahre eher halbherziges Studium, diverse Jobs und Praktika brauchte es, bis der Knoten platzte und ein Besuch an der Musikhochschule in Arnheim eine neue Welt eröffnete: Ein Leben mit und von der Musik, mit der Kraft der eigenen Stimme, die das persönlichste und vielseitigste Instrument des Menschen ist. Ihren Beruf und ihre Berufung hatte die Gladbeckerin gefunden.

„Die Leute müssen wissen, dass man gut ist“

Um aber wirklich einzutauchen in die Berufswelt der Musik und dort zu überleben, braucht es mehr als Willen, Talent und Können. „Man muss gut sein, aber die Leute müssen auch wissen, dass man gut ist.“ Dafür war Arnheim ein Anfang, besser geht das in der großen Welt, genauer in der Großstadt Berlin. „Eine Herausforderung“, sagt die Sängerin, die nach der Ausbildung lernen musste, sich im Musikzirkus zu behaupten. Wie man das macht? „Auf Sessions singen, zu anderen Musikern Kontakte knüpfen, mit erst einer, dann zwei Bands Auftritte haben, Engagements bekommen und wieder weiter empfohlen zu werden . . .“ Ein spannendes, abwechslungsreiches Leben, nicht immer leicht und anfangs nicht besonders lukrativ. Was die Musik an Geld nicht einspielte, holte die Sängerin mit Nebenjobs ‘rein.

Bis bei einem Auftritt ‘mal einer im Publikum saß, der noch bessere Kontakte nach oben in die Musikszene hatte, dem bekannten DJ Bobo von Maike und der Band „Sonic Suite“ erzählte und daraus ein Engagement als Vorband bei der letzten DJ Bobo-Tour wurde.

Sonic Suite, das ist pure A Capella-Musik, sind sechs Sängerinnen und Sänger, die einen ganzen Konzertsaal mit ihren Stimmen und Klängen füllen, als wäre ein volles Orchester im Hintergrund. Auf der siebenwöchigen DJ Bobo-Tournee haben bei 27 Konzerten jeweils tausende Zuhörer die Band und ihre Musik gehört und gefeiert. Mit Folgen: Seitdem dreht sich das Karriere-Karussell etwas schneller. Die Auftritte brachten weitere Kontakte in der Szene, neue Engagements, nicht nur für die Band, auch für die einzelnen Sänger. „Der Name kursiert, man kennt noch mehr Leute“ und wird selbst noch bekannter. Also kann man zum Star werden? Nein, das ist nicht das Ziel. Die Gladbeckerin ist bodenständige Realistin. Aber „man muss hochgreifen, um weiteruzukommen“, weiß sie. Und ja, „es ist ein großartiges Gefühl auf der Bühne zu stehen und zu merken, dass man mit seiner Stimme etwas ausdrückt, das beim Publikum ankommt.“

Am 25. August können die Gladbecker das in der Stadthalle selbst erleben: Dann tritt Maike Lindemann mit Sonic Suite in ihrer Heimatstadt auf.