Die Neue Galerie Gladbeck zeigt Werke von Andrea Lehmann

Andrea Lehmann vor ihrem derzeitigen Lieblingsbild „Mänaden“.
Andrea Lehmann vor ihrem derzeitigen Lieblingsbild „Mänaden“.
Foto: WAZ FotoPool
Die Düsseldorfer Künstlerin Andreas Lehmann zeigt ihre Werke unter dem Titel „Die ganz große Zahl“ in der Neuen Galerie Gladbeck. Die Bilder ziehen den Betrachter in eine Welt magischer Wesen – und werfen die Frage auf: Wer ist hier das Monster? Lehmann ist Meisterschülerin von Markus Lüpertz.

Gladbeck.. Hereinspaziert! Kommen Sie, sehen Sie, staunen Sie – und gruseln Sie sich ganz furchtbar. Andrea Lehmanns Bilder erzählen Geschichten von zauberhaften Wesen, entwerfen albtraumartige Szenerien und halten dem Betrachter den Spiegel vor. Wer ist das Monstrum – das gepanzerte Untier, das wie Lazarus ins Leben gerufen wird, oder der, der sich daran berauscht?

„Die ganze große Zahl“ lautet der Titel ihrer Gladbecker Ausstellung, die am Freitag, 5. September, in der der Neuen Galerie eröffnet wird. Wie groß diese Zahl ist – das ist nur eines der vielen Rätsel, die diese Ausstellung dem Betrachter aufgibt. Sicher scheint nur: „Die ganze große Zahl“ ist ein ziemlich großer Wurf für die Kunstfreunde vom Förderverein der Neuen Galerie.

Andrea Lehmann, Jahrgang 1975, stammt aus Düsseldorf, hat an der dortigen Akademie studiert, ist Meisterschülerin von Markus Lüpertz. Ihre Bilder waren unter anderem in London, New York und Miami zu sehen. Nun können die Besucher in Gladbeck eintauchen in ihren malerischen Kosmos.

Das Publikum staunt und schauert aus sicherer Entfernung

Zu sehen ist zum Beispiel die „Wandermenagerie“. Eine Zirkustruppe zieht durchs Bild, Menschen aus vergangener Zeit, eine Freakshow, „ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert, wo alles, was exotisch erschien, vorgeführt wurde“, so Andrea Lehmann. Im Hintergrund: graue Hochhaustürme, das Bindeglied zur Gegenwart. „Vorführen, zusammenbringen, sammeln“, das Prinzip der Freakshow. Das Zurschaustellen von Andersartigkeit für ein Publikum, das in sicherer Entfernung wohlig schaudert.

„Niemand ist eine Insel“, ein dreiteiliges Bild, zeigt Zauberer. Was ist Magie, was Täuschung? Für Lehmann ist Kunst ein magischer Prozess: „Bilder malen im Sinne von Zauberei“, sagt sie. Die ursprüngliche Idee wandle sich in „Geschichten, die das Bild erzählen will“.

Entscheidung für Papier aus praktischen Gründen

Die meisten gezeigten Bilder sind Arbeiten auf Papier – eine pragmatische Entscheidung. „Papier ist etwas, das weniger geschont werden muss und weniger bedeutet“, sagt Lehmann. In vielen Bildern verwendet sie zusätzlich zur Ölfarbe Kunsthaar. „Dabei geht es um das Verlassen der 2D-Ebene“, erklärt sie. Der Effekt ist gruselig – und genau so gewollt. Haar ist gleichzeitig ein Symbol für Vitalität und Verfall, für Wachstum und Endlichkeit.

Auch Andrea Lehmanns aktuelles Lieblingsbild ist in der Neuen Galerie zu sehen: die „Mänaden“, Priesterinnen, die im alten Griechenland den Dionysos-Kult pflegten, „gezieltes in-den-Wahnsinn-verfallen“, beschreibt die Malerin, deren Mänaden in Krokodilshäute schlüpfen.

„Die Idee eines Krokodils kann Menschen faszinieren“, sagt sie, es vereine Natürlichkeit mit Fremdheit. Überhaupt: Tiere spielen eine große Rolle, vom spielenden Äffchen über den glutäugigen Tanzbären bis hin zum leblosen Kraken. „Sie sagen viel über die Stimmung aus.“

 
 

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