Die Linke - Rote Sahra dreht in Gladbeck rhetorisch voll auf

Michael Bresgott
Wahlkampf-Auftritt auf der Lambertistraße in Gladbeck: Spitzenpolitikerin Sahra Wagenknecht (Die Linke).
Wahlkampf-Auftritt auf der Lambertistraße in Gladbeck: Spitzenpolitikerin Sahra Wagenknecht (Die Linke).
Foto: WAZ FotoPool
Bundespolitische Politikprominenz macht sich im Vorfeld der Europa- und Kommunalwahlen in Gladbeck eher rar; nicht so bei der Partei Die Linke: Jetzt war Sahra Wagenknecht in Gladbeck zu Gast und hielt auf der Lambertistraße eine Wahlkampfrede mit Schwerpunkt in der Sozial- und Wirtschaftspolitik.

Gladbeck. Die rote Sahra drehte bei ihrem Wahlkampf-Auftritt für die Partei Die Linke am Montagabend in Gladbeck sofort voll auf. Spitzenpolitikerin Sahra Wagenknecht feuerte ihre rhetorischen Salven gegen die Politik der Großen Koalition in Berlin.

Lambertistraße, 18 Uhr. Vor den nahen Cafés haben es sich viele Passanten draußen an den Tischen bequem gemacht und beobachten, was vor dem Parteilokal der Linken passiert. Eine Menschenansammlung vor der mobilen Bühne, ein Polizeibeamter patrouilliert - und dann ist sie auch schon am Mikrophon:

„Die Kanzlerin in Berlin ist mit ihrer Politik rundum zufrieden“, ruft Sahra Wagenknecht dem Publikum auf der Lambertistraße zu. Doch von einem „Weiter so“ könne in der Bundesrepublik Deutschland keine Rede sein. Als Signal an die Bundespolitiker sei das Ergebnis der kommenden Europa- und NRW-Kommunalwahlen von großer Bedeutung. Sahra Wagenknecht: „Wenn Sie sich wünschen, dass wir nicht länger ein Europa haben, in dem mächtige Finanzlobbyisten die Gesetze schreiben, wählen Sie die Linke!“ Es gehe darum, ein soziales Europa, ein soziales Deutschland zu schaffen.

26 Millionen Menschenseien europaweit arbeitslos, die Jugendarbeitslosigkeit betrage in einzelnen Ländern bis zu 60 Prozent, die jahrelange Sparpolitik im Zuge der Euro-Krise ruiniere die einzelnen Volkswirtschaften - ein Kurswechsel sei nötig, sowohl auf Europa- als auch auf Bundesebene - „Eine Politik, die zulässt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird, ist keine sozialdemokratische Politik“, ruft Sahra Wagenknecht dem Publikum in der Innenstadt zu - und auch die Damen und Herren an den nahen Café-Tischchen lassen in diesem Augenblick ihren Espresso stehen und applaudieren.

Ob Ukraine-Krise („Für eine Außenpolitik, die auf Frieden, Verständnis und Diplomatie setzt“), ob Altersarmut („Von der herrschenden Politik wissend in Kauf genommen“) oder Oberschicht („die sich die Taschen vollstopft“) - zahlreiche Themen streift die Spitzenpolitikerin im Schnelldurchlauf. Immer weiter geht’ es mit dem verbalen Dauerfeuer: Die Kaufkraft der Arbeitnehmer, so Sahra Wagenknecht, liege in der Bundesrepublik derzeit unter dem Niveau des Jahres 2000, mit sachgrundlosen Befristungen von Arbeitsverträgen müsse es endlich ein Ende haben, ebenso mit Leiharbeit und Lohndrückerei. Sahra Wagenknecht unterstreicht auch bei ihrem Auftritt in Gladbeck nochmals die Forderung der Linken nach einem flächendeckenden Mindestlohn von 10 Euro ohne Ausnahmen. „Das ist das Mindeste. Da machen wir weiter Druck!“