De Maizière bot einen unterhaltsamen Blick auf die Einheit

Zeitgeschichte zum Anfassen: Lothar de Maizière sprach auf VHS-Einladung im Martin-Luther-Forum über den Weg der DDR in die deutsche Einheit.
Zeitgeschichte zum Anfassen: Lothar de Maizière sprach auf VHS-Einladung im Martin-Luther-Forum über den Weg der DDR in die deutsche Einheit.
Foto: FUNKE FotoServices
Der ehemalige DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière berichtet bei einer Veranstaltung der VHS von der Zeit zwischen Mauerfall und dem Ende der DDR.

Gladbeck..  Er zählt zu den Machern der Deutschen Einheit, schrieb mit, als 1989 und 1990 in Deutschland Weltgeschichte geschrieben wurde: Dr. h.c. Lothar de Maizière, erster und gleichzeitig einziger und letzter demokratisch gewählter Ministerpräsident der DDR. Gut aufgelegt schilderte der inzwischen 75-jährige Jurist auf Einladung der VHS im vollbesetzten Martin-Luther-Forum detailreich und unterhaltsam die dramatischen Monate der demokratischen Umwälzung in der DDR bis hin zur Wiedervereinigung.

De Maizière machte kein Hehl daraus, dass der im März 1990 frei gewählten Volkskammer klar gewesen sei, dass ihr wichtigster Auftrag darin bestand, sich selbst abzuschaffen. Die Weg der Einheit sei bei den Leipziger Demonstrationen im Herbst ‘89 vorgezeichnet worden. „Wir wickelten die ganze Geschichte dann in ein paar Monaten ab.“ Die Volkskammer sei bis zur Einheit eines der fleißigsten Parlamente gewesen, die es je gegeben habe: 164 Gesetze und 93 Beschlüsse seien in etwa sechs Monaten gefasst worden, „der ganze Staat musste umgemodelt werden“, um die DDR Grundgesetz-kompatibel zu machen.

De Maizière erlaubte Blicke hinter die Kulissen und sparte nicht mit humorvollen Anekdoten, wie der, dass er kurz vor seiner Vereidigung kurzentschlossen mit einer Mitstreiterin eine neue Eidesformel entwarf („Ich wollte nicht meinen Eid auf die DDR-Verfassung ablegen“). Oder als er Hannelore Kohl telefonisch einspannte, ihren Mann, den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, zum Einlenken bei der Umrechnung der DDR-Mark zu bringen. Übrigens erfolgreich. Und wie er seine stellv. Regierungssprecherin, eine gewisse Angela Merkel, dazu brachte, sich modischer zu kleiden. Schließlich. Mit Maggie Thatscher verhandelte er beim Tee in ihrer Londoner Küche...

Der Einigungsvertrag vom August 1990 sei der „Adapter gewesen, damit es beim Zusammengehen der beiden Länder keinen Kurzschluss gab“, skizzierte der ehemalige Ministerpräsident das Werk mit 2500 Einzelfallregelungen – „im großen und ganzen hat sich das bewährt“. Die wichtigste Unterschrift seines Lebens, so der Berliner, leistete er unter dem 2+4-Vertrag, der die Einheit besiegelte, Deutschland die Souveränität zurückbrachte und der eigentliche Friedensvertrag nach dem 2. Weltkrieg sei. „Das war eine Gnade, ein erhabenes Gefühl“, den völkerrechtlichen Vertrag, inzwischen Weltdokumentenerbe, unterzeichnet zu haben. Den Füller, den er dazu nutzte, steckte er übrigens ein, wie er erzählte: „Für meine Enkel.“

De Maizière zusammenfassend: „Wir haben uns selbst befreit und selbst demokratisiert.“ Das Publikum dankte ihm mit lang anhaltendem, stehenden Applaus – nicht nur für den Vortrag, sondern vor allem für seinen engagierten Beitrag zur deutschen Einheit.

 
 

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