Darauf können sich die Bücherwürmer in Gladbeck freuen

Besucht jedes Jahr die Buchmesse in Frankfurt: Kirsten Markgraf von der Humboldt Buchhandlung.
Besucht jedes Jahr die Buchmesse in Frankfurt: Kirsten Markgraf von der Humboldt Buchhandlung.
Foto: Heinrich Jung
  • Der Herbst steht traditionell ganz im Zeichen der Frankfurter Buchmesse
  • Deutsche Historie und Flüchtlingsgeschichten sind in diesem Jahr besonders beliebt
  • Das Team der WAZ-Redaktion in Gladbeck gibt passend dazu ganz persönliche Lesetipps

Gladbeck..  Wenn es draußen wieder früher dunkel wird und man es sich abends am liebsten mit einer warmen Tasse Tee oder Kakao und einer kuscheligen Decke auf dem Sofa gemütlich macht, dann ist es Zeit für neue Bücher. Auf der Buchmesse in Frankfurt stellen Verlage wieder Neuerscheinungen und Trends auf dem Markt vor.

Kirsten Markgraf ist Buchhändlerin in der Humboldt Buchhandlung in Kirchhellen. Seit sechs Jahren fährt sie mit einer Gruppe nach Frankfurt – auf der weltweit größten Buchmesse kennt sie sich bestens aus. Am 22. Oktober machen sich mit Markgraf rund 65 Menschen auf den Weg nach Frankfurt. Die Volkshochschule und die Buchhandlung organisieren die Fahrt gemeinsam.

Da auf der Messe keine Bücher verkauft werden, bestellen viele Kunden im Nachhinein ihre neuen Schmöker im Laden.

Herbst ist spannende Zeit für Händler

Für das Team der Buchhandlung ist der Herbst – nicht nur wegen der Frankfurter Buchmesse – Jahr für Jahr eine spannende Zeit. „Da werden immer viele Preise vergeben und das interessiert natürlich auch unsere Kunden“, sagt die Kirsten Markgraf. Deutsche Geschichte sei im Moment eine großes und beliebtes Thema.

Außerdem hätten sich die Verlage auch mit dem Flüchtlingsthema und dem Islam beschäftigt. In der Buchhandlung wurde ein eigener kleiner Tisch zu diesen Thema eingerichtet. „Es gibt sowohl Sachbücher als auch Romane und vor allem viele Kinderbücher“, sagt Markgraf. So könnten auch die Kleinen erfahren, was Flüchtlinge für unsere Gesellschaft bedeuten. Aber auch Ratgeber für Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, gebe es zuhauf.

Martin Luther und die Reformation sind auch schon Thema

„Biografien gehen natürlich auch immer. Ich werde zum Beispiel als nächstes die von John le Carré lesen“, so die Expertin. Außerdem gibt es in der Humboldt Buchhandlung schon viele Bücher, die sich mit Martin Luther und der Reformation beschäftigen. Schließlich beginnt in wenigen Wochen das „Luther Jahr“.

Der Kochbuchmarkt habe sich in letzter Zeit erholt. Zwar gebe es noch immer allerlei Rezepte im Internet, „aber die Menschen wünschen sich schön gestaltete Bücher und das kann das Internet nicht“. Auch E-Books seien nicht mehr so beliebt wie noch vor einigen Jahren. „Im Urlaub nutzen die Leute solche Angebote, aber Zuhause haben sie lieber ein Buch in der Hand. Das sieht im Regal ja auch einfach schön aus“, sagt Kirsten Markgraf.

Adventskalender und Weihnachtsbücher für Kinder

In der Humboldt Buchhandlung werfen die nächsten Feiertage schon ihre Schatten voraus. Adventskalender und Weihnachtsbücher für Kinder sind schon zu haben. „Nach den Schulbüchern geht es mit St. Martin, Nikolaus und Weihnachten weiter“, erzählt Markgraf. Auch Kalender sind schon seit dem Sommer gefragt. „Der Buchhandel geht ja inzwischen weit über das einfache Buch hinaus. Kalender, Grußkarten und Geschenkartikel gehören genauso dazu“, sagt Kirsten Markgraf. Die kleine Buchhandlung versuche den Verkauf dieser Produkte aber im Rahmen zu halten – anders als viele Ketten.

Maria Lüning empfiehlt: „Eierlikörtage“

Alt, etwas vertüddelt, kränkelnd und im Seniorenheim — was bleibt da noch, als brav auf das Lebensende zu warten? Hendrik Groen, 83 und 1/4 Jahr alt, will so aber nicht Abschied nehmen von der Welt. Er ist jedoch kein Hundertjähriger, der aus dem Fenster steigt und zu Abenteuern aufbricht.

Groen entflieht der Langeweile des Alltags auf andere Weise: Er, der ein Leben lang nie groß aufgemuckt hat, beginnt ein geheimes Tagebuch zu schreiben, das erst nach seinem Tod veröffentlicht werden darf. Darin berichtet er absolut ehrlich und schonungslos, aber gewürzt mit viel Humor, vom Heimalltag.

Von Bevormundung durch die Heimleitung und skurrilen Ereignissen, vom Tod, der allgegenwärtig ist, und von der rebellischen Heimbewohnergruppe Alanito (Alt aber nicht tot), die selbst aktiv wird, um dem täglichen Einerlei aus Mahlzeiten, Kaffee mit Keksen und Sitzsportgruppe etwas entgegenzusetzen. „Eierlikörtage“ weckt Lebenslust, wirft einen positiv anderen Blick aufs Altern, ohne zu beschönigen. In den Niederlanden war das Buch ein Bestseller.

Eierlikörtage, Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 ¼ Jahre, Piper, 22 Euro

Georg Meinert empfiehlt: „Die Herrin der Päpste“

Es ist ein Schmöker für die kommenden Herbst- und Wintertage: „Die Herrin der Päpste“, das imposante Erstlingswerk von Eric Walz, der sich inzwischen durch weitere Romane einen Namen mit historischen Stoffen gemacht hat.

„Die Herrin der Päpste“, schon seit einigen Jahren auf dem Markt, aber immer noch mitreißend, ist flüssig und angenehm zu lesen, vermittelt anschaulich mittelalterliches Flair. Wer „Die Päpstin“ gelesen hat, wird dieses Buch auch mögen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das aufregende Leben einer faszinierenden historischen Frauengestalt, der römischen Senatorentochter Marocia.

Als sie über 90-jährig nach einem bewegten Leben in einem Kloster stirbt, war sie Geliebte, Mutter, Großmutter und Tante je eines Papstes, hat zwei Ehemänner und vier ihrer fünf Kinder überlebt, hat persönliche und politische Triumphe gefeiert und Tragödien gemeistert. Das Buch ist spannend, mitreißend und anrührend zugleich – man möchte es am liebsten nicht mehr loslassen. Die gut 600 Seiten sind noch zu wenig!

Die Herrin der Päpste, Blanvalet Taschenbuch, 7 Euro

Svenja Suda empfiehlt: „Mord im Gurkenbeet“

Gifte bereiten ihr ein mörderisches Vergnügen. Das Chemielabor ist Flavia de Luces liebster Platz in dem alten Kasten ihrer Ahnen, ein verarmtes Adelsgeschlecht.

Doch zwischen Erlenmeyerkolben und Bunsenbrenner tüftelt das ebenso gewitzte wie witzige Mädchen nicht nur Mixturen aus, die Mitmenschen – allen voran die nervigen Schwestern – Pein bereiten, sondern es begibt sich auf Verbrecherjagd.

Im ersten Band der Krimi-Reihe geht’s um den „Mord im Gurkenbeet“. Autor Alan Bradley zeichnet so skurrile Figuren und bizarre Situationen, dass der Leser die Bücher nicht aus der Hand legen mag. Die naseweise Flavia wirkt mal wie eine kleine Erwachsene, mal ist sie das Kind, das sein Fahrrad als menschliche Freundin sieht.

Zu den Typen gehören unter anderem der bedauernswerte Vater, der nach dem Tod der Mutter die drei Töchter im Griff zu halten sucht und ein Faktotum als Flavias Verbündeter. Im Zusammenspiel mit trockenem Humor und viel Atmosphäre werden die Flavia-Krimis zum Lesespaß, von dem man nicht genug bekommen kann.

Flavia des Luce – Mord im Gurkenbeet, Blanvalet, 8,99 Euro

Gerhard Römhild empfiehlt: „Schundroman“

Potzblitz! Bodo Kirchhoff hat ihn im Sack, den mit 25 000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis. Alle Welt wird losstürmen und seinen nun preisgekrönten Roman „Widerfahrnis“ kaufen wollen.

Wir lassen uns den „Schundroman“ (2002) reichen. Das ist ein praller Liebes- und Gangsterroman, der es in sich hat – und preisgünstig als Taschenbuch erhältlich ist. Der Plot ähnelt Walsers „Tod eines Kritikers“. So geht es im „Schundroman“ ebenfalls um den Mord an einem Großkritiker. Der wird bei Kirchhoff vom beauftragten Killer allerdings zufällig erledigt.

Ein Betriebsunfall, der den Literaturbetrieb kochen lässt – kurz vor der Frankfurter Buchmesse. . . Unterm Strich macht es Kirchhoff besser als Walser. Er sorgt für eine launige Farce und scheitert eben nicht. Jeder Zeile merkt man an, dass dieses Buch dem Autoren viel Spaß gemacht hat. Bei ihm gibt es keine antisemitischen Klischees, nicht einmal das Spiel mit Andeutungen. Viel mehr ist der „Schundroman“ eine meisterliche Hommage an die Pulp-Literatur der 30er und 40er Jahre.

Schundroman, dtv (Taschenbuch), 9,90 Euro

Andrea Böhnke empfiehlt: „Not that kind of Girl“

Wer die US-amerikanische Serie „Girls“ mag, wird das Buch „Not that kind of Girl“ (übersetzt: „Nicht diese Art von Mädchen“) lieben. Hinter beidem steckt eine Frau, die so gar nicht in Klischees passen will: Lena Dunham.

In ihrer Autobiografie mit dem Untertitel „Was ich im Leben so gelernt habe“ gewährt die 30-jährige New Yorkerin Einblick in ihr Leben und ihre Gedanken. Schonungslos ehrlich und ziemlich lustig. Es geht um ihre Eltern, ihren eigenen Körper, um Männer, Freunde, den Job – und natürlich ihre Heimat, New York. Auf 300 Seiten zeigt Dunham: Niemand ist perfekt.

Die Golden Globe-Gewinnerin scheut sich nicht, über ihre Ängste und Probleme zu schreiben und dürfte vor allem vielen jungen Frauen aus dem Herzen sprechen. Dunham berichtet von Diätkatastrophen, Zukunftssorgen und ihren Besuchen beim Therapeuten. Sie bricht mit Tabus und bringt einen damit unweigerlich zum Schmunzeln. Wer die Zeit bis zur nächsten Staffel „Girls“ überbrücken muss, sollte sich das Buch unbedingt kaufen.

Not that kind of Girl, Was ich im Leben so gelernt habe, S. Fischer, 19,99 Euro

Max Lazar empfiehlt: „Planet Basketball“

Wer in Deutschland über Basketball spricht, denkt vor allem an einen Spieler: Dirk Nowitzki. Der Blondschopf ist seit vielen Jahren in der NBA etabliert – feierte 2011 mit den Dallas Mavericks die Meisterschaft und ist längst einer der besten Spieler aller Zeiten.

André Voigt und Jan Hieronimi haben sich in „Planet Basketball – Full Court Press: 10 Jahre zwischen Kobe und Keyboard“ auch mit ihm auseinandergesetzt.

In dem 510 Seiten umfassenden Buch geht es nicht nur um Dirk Nowitzki, sondern auch um die Legenden, Sorgenkinder und Stars der vergangenen zehn Jahre in der amerikanischen Basketballliga. Allen Iverson, Shaquille O’Neal, Kobe Bryant und – natürlich – Michael Jordan.

All diesen Größen des Sports – und noch vielen mehr – sind Kapitel in dem Buch gewidmet. Ihre Karrieren werden lebhaft vorgestellt, in Interviews kommen die Sportler selbst zu Wort. Für Basketballliebhaber und Sportfans die passende Lektüre, um kurz vor dem Start der neuen Saison am 27. Oktober noch einmal in vergangen Zeiten zu schwelgen.

Planet Basketball, André Voigt & Jan Hieronimi, 20 Euro

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