Cura-Prozess in Gladbeck geht in die nächste Runde

Anwalt Löbbecke vor dem Arbeitsgericht im Gespräch mit seiner Mandantin im Kreis von Cura-Beschäftigten
Anwalt Löbbecke vor dem Arbeitsgericht im Gespräch mit seiner Mandantin im Kreis von Cura-Beschäftigten
Foto: Funke Foto Services
Leitung des Seniorencentrums will Betriebsräte feuern. Richterin fordert Belege, ob Fehlverhalten oder defekte Meldetechnik zu beanstanden sind.

Gladbeck.  Ist das Verschwinden eines dementen, barfüßigen Bewohners in der kühlen Nacht auf den 25. März nur die Spitze des Eisberges um Missstände im Cura Seniorencentrum? Es sei maßgeblich zu klären, stellte die Vorsitzende Richterin am Arbeitsgericht Gelsenkirchen am Dienstagnachmittag fest, ob durch Fehlverhalten der Pflegekräfte oder aufgrund defekter Meldetechnik eine „nicht tragbare Gefahrenlage“ entstanden sei, bis hin zu einer möglichen Lebensgefährdung von Bewohnern der Einrichtung.

Für die Cura-Bezirksleiterin ist der Fall klar. Sowohl die tragbaren Signalempfänger (Pager) der Mitarbeiter als auch die zentrale Meldeanlage hätten damals funktioniert. Die beiden Pflegekräfte des Nachtdienstes seien vielmehr eine Stunde nicht auffindbar gewesen, als die Polizei versucht habe, den von Passanten in der Nacht gegen 1 Uhr am Oberhof aufgefundenen Bewohner ins Heim zurückzubringen. Auf das Klingeln der Nachtglocke oder Telefonanrufe auf den Stationen, selbst auf laute Rufe im Haus – nachdem Polizisten durch ein offenes Erdgeschossfenster an der Kolpingstraße eingestiegen waren – sei nicht reagiert worden (WAZ berichtete).

Gegen die Pflegekräfte will Cura so die außerordentliche Kündigung mit sozialer Auslauffrist gerichtlich durchsetzen. Denn das Arbeitsgericht muss entscheiden, ob die Vorwürfe stichhaltig sind, da die beschuldigten Pfleger pikanterweise der Betriebsratsvorsitzende (53) sowie seine Stellvertreterin (41) sind, die das Arbeitsrecht besonders schützt. Eine Weiterbeschäftigung sei auf keinem Fall möglich, unterstrich die Bezirksleiterin, da weitere Auseinandersetzungen schwelten und „das Vertrauensverhältnis von Arbeitgeberseite kaputt“ und „der Betriebsfrieden gestört“ sei.

Die bei den Cura-Mitarbeitern beliebten Betriebsräte und ihr Rechtsanwalt Martin Löbbecke sehen das völlig anders. Die seit Jahrzehnten bei Cura beschäftigten Pflegekräfte beteuerten, sie hätten umgehend in der Pause reagiert, als die Alarmrufe auf ihren Pagern eingegangen seien und verlangen die Weiterbeschäftigung.

Der Jurist legte Reparaturrechnungen vor, wonach alle fünf mobilen Signalempfänger des Nachtdienstes mit Wackelkontakt defekt gewesen seien. Notrufe seien deshalb teils gar nicht oder mit Verzögerung aufgelaufen. Zudem zog Löbbecke als weiteren Trumpf einen Protokollausdruck der Meldeanlage aus der Tasche, die aus seiner Sicht zeige, dass die fast 20 Jahre alte Anlage nicht verlässlich arbeite und beispielsweise „vier Tagel lang keine Daten erfasst“ habe.

Das Gericht verlangt nun vom Arbeitgeber Cura Unterlagen, die die Aussage einer funktionierenden Meldetechnik stützen. Das Verfahren wird fortgesetzt.

 
 

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