Chaos nach Zusammenstoß auf Bahnstrecke in Gladbeck

Großer Schaden entstand bei dem Zugunglück am Samstag in Gladbeck.
Großer Schaden entstand bei dem Zugunglück am Samstag in Gladbeck.
Foto: Gerhard Schypulla
Auf der gesperrten Bahnstrecke zwischen Gladbeck und Bottrop bietet sich den Helfern nach dem Zugunglück zweier Transportzüge ein Bild des Chaos’. Umgestürzte Waggons, entgleiste Loks und Wagen, demolierte Gleise. Bundespolizei und Eisenbahnbundesamt ermitteln.

Gladbeck.. Auf der Bahnstrecke zwischen Gladbeck-West und Bottrop ist es am Samstagmorgen gegen 9.30 Uhr zu einem schweren Zugunglück gekommen. Zwei Güterzüge stießen zusammen. Einer der zwei Lokführer wurde schwer verletzt. Die Bahnstrecke ist komplett unterbrochen. Komplett gesperrt ist auch die Bottroper Straße. Der Schaden geht in die Hunderttausende.

Der Zugunfall ereignet sich laut Bundespolizei genau auf der Eisenbahnbrücke über der Bottroper Straße: Ein mit Kohlen beladener Güterzug, der aus Bottrop Richtung Gladbeck-West fuhr, prallte aus bislang ungeklärter Ursache in die Flanke eines nicht beladenenen Gefahrgutzuges, der von den Chemischen Werken Hüls kam und gerade aus dem Bahnhof Gladbeck-West angefahren war Richtung Bottrop. Der Zugführer des Gefahrgutzuges sprang in letztem Augenblick aus dem Führerstand auf den Eisenbahndamm, ehe genau dort der andere Zug ihn rammte. Der Mann wurde laut Feuerwehr bei dem Absprung schwer verletzt. Er wurde mit einem Rettungswagen ins Bergmannsheil nach Buer gebracht. Sicherheitshalber war ein Rettungshubschrauber angefordert worden, er wurde aber nicht benötigt.

Bundespolizei und Eisenbahnbundesamt ermitteln nun, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Ermittelt wird in alle Richtungen: Entweder, so ein Sprecher, ist menschliches Versagen Ursache des Unglücks, oder ein technisches Problem (falsches Signal) oder ein Stellwerkfehler. Immerhin passierte der Unfall in Höhe einer Weiche. Nun sollen Fahrtenschreiber der Züge, der Datenverkehr des Stellwerks und der Funkverkehr sichergestellt und ausgewertet werden, so der Sprecher der Bundespolizei, Volker Stall, am Unglücksort zur WAZ Gladbeck.

Auf der Bahnstrecke bot sich den Rettern und Helfern ein Bild des Chaos’: Zwei Waggons waren umgestürzt, einer des Kohlenzuges und einer des Gefahrgutzuges. Laut Feuerwehrchef Josef Dehling schlug der Waggon, in dem sich Reste von Propen (farbloses, brennbares Gas) befanden, nicht leck. Kohle lag tonnenweise auf den Gleisen, Teilmengen fielen auch auf die Bottroper Straße, zum Glück nicht auf Pkw.

Weitere Waggons waren aus den Gleisen gesprungen, weite Teile der Gleise sind an der Unfallstelle beschädigt. Drei Stränge sind betroffen, so ein Bahnsprecher. „Da haben ungeheure Kräfte gewirkt“, fasste Feuerwehrchef Dehling die Eindrücke zusammen.

Die Feuerwehr war mit allen verfügbaren Kräften vor Ort, hatte gegen 9.40 Uhr Vollalaram ausgelöst. Auch angrenzende Kräfte aus dem Kreis waren vorsichtshalber alarmiert worden. Auch der gesamte Rettungsdienst war mit eingebunden. Der Unfall war schlimm, aber, so Dehling, gottlob hielten sich die Auswirkungen des Zugunglückes noch in Grenzen. „Es hätte schlimmer kommen können.“ Allein, wenn einer der Waggons von der Brücke auf die Bottroper Straße gefallen wäre oder die Tankwaggons beladen gewesen wären, hätte der Unfall weit drastischere Auswirkungen haben können. Möglicherweise, so wurde am Unfallort spekuliert, war die geringe Geschwindkeit des Gefahrgutzuges der Grund, weshalb der Zusammenstroß nicht schlimmere Folgen hatte.

Zuglinien RB 14 und 44 sowie S9 sind unterbrochen

Die Aufräumarbeiten an der Unfallstelle dauern wenigstens bis einschließlich Sonntag an. Schweres Bahngerät muss herangeschafft werden. Ob dann die gesperrte Bahnlinie wieder freigeben werden kann, ist offen, da die Gleise erheblich beschädigt sind. Betroffen sind der Regionalverkehr der Nordwestbahn (RE 14 und RB 44) sowie die S-Bahn-Linie S9. Die S9 fährt derzeit aus Richtung Haltern nur bis Gelsenkirchen-Buer-Nord sowie von Essen bis Bottrop. Auf der Strecke wird ein Busnotverkehr eingerichtet.

Gesperrt war zunächst auch die Bottroper Straße, ein Statiker des Eisenbahnbundesamtes prüfte die Stadfestigkeit der Brücke um zu entscheiden, ob der Verkehr darunter wieder freigeben werden kann. Betroffen ist auch der Linienverkehr der Vestischen.

 
 

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