Buntes Fest zur Fusion von zwei evangelischen Gemeinden

Der Posaunenchor der Martin-Luther-Gemeinde gestaltetedas Fest zur Vereinigung mit der Zweckeler Gemeinde mit.
Der Posaunenchor der Martin-Luther-Gemeinde gestaltetedas Fest zur Vereinigung mit der Zweckeler Gemeinde mit.
Foto: Michael Korte
Evangelische Christen aus dem Ortsteil Rentfort feierten ein letztes Mal an der Martin-Luther-Kirche. Die Gemeinde fusioniert mit der in Zweckel.

Gladbeck..  Pünktlich um 15 Uhr gaben die Glocken der Martin-Luther-Kirche an der Josefstraße am Samstag noch mal alles und riefen laut die Gäste zum Kirchfest herbei. Bald haben die Glocken ein neues Zuhause. So wie die Mitglieder der evangelischen Gemeinde Rentfort: Sie sind seit Sonntag offiziell mit Zweckel vereint.

Ein Fest an einer Kirche, die verkauft ist, könnte ein trauriger Anlass sein. Doch man sah viele fröhliche Gesichter. Bestes Beispiel: Pfarrerin Gabriele Anicker sprang vergnügt auf der riesigen, knallbunten Hüpfburg herum, bevor die ersten Kinder kamen. „Warum sollten wir traurig sein? Ich bin für Veränderung. Auf die Vereinigung haben wir acht Jahre lang sorgfältig hingearbeitet.“ Speziell freue sie sich darauf, dass es mit der Vereinigung von Rentfort und Zweckel einen gemeinsamen Konfirmandenunterricht geben wird.

Noch einer fiel durch seine sichtbare Freude auf, denn er fiel Pfarrerin Anicker regelrecht vor Begeisterung um den Hals: Joachim Lüddemann aus der Nähe von Nürnberg. Seine Gemeinde hat die Glocken der Martin-Luther-Kirche gekauft. Gabriele Anicker: „Es gab auch Vorschläge, die Glocken sollten wie ein Denkmal hier bleiben. Aber wem nützt ein Denkmal? In Bayern machen die Glocken anderen Menschen wieder Freude.“

Eine lebendige Gemeinde nahm auf lebensbejahende Weise Abschied: Zahlreiche Helferinnen und Helfer schleppten Salate und Kuchen herbei, sie grillten und servierten Getränke. Die Kinder wurden mit Schminkspielen bespaßt und tobten auf der Hüpfburg herum. Der Posaunenchor spielte unter freiem Himmel fröhliche Weisen.

„Natürlich ist ein Abschied nichts Angenehmes“, meinte Superintendent Dietmar Chudaska. Er sei überaus dankbar, wie stark sich die Ehrenamtlichen bei dem jahrelangen Prozess der Zusammenlegung eingebracht hätten und die Zusammenführung mittrügen. „Es ist einfach eine Notwendigkeit, dass wir uns zusammenschließen. Das ist eine Frage des demografischen Wandels und der finanziellen Mittel. Unsere Nachfolger sollen in zehn und 20 Jahren arbeiten können.“

Offiziell wurde die Vereinigung der beiden Pfarrbezirke Rentfort und Zweckel am Sonntag besiegelt. Nach dem letzten, dem festlichen Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche ging es anschließend samt der Osterkerze und dem Lektionar, dem liturgischen Buch, das die biblischen Lesungen im Ablauf des Kirchenjahres enthält, auf den Weg nach Zweckel. Dafür wurde eigens ein Stadtbus gemietet. Der Gottesdienst mit dem Gospelchor wurde in der St. Stephani-Kirche fortgesetzt. Von Rentfort bleiben nicht nur Erinnerungen. Pfarrerin Gabriele Anicker: „Wir werden Heiligabend Gottesdienste in den katholischen Kirchen St. Josef und St. Franziskus feiern, das haben wir vorher auch schon gemacht.“ Auch das Gemeindehaus Rentfort-Nord bleibt erhalten.

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