Bürgerforum attackiert Berliner Gespräch - „Vages Gerede“

Verkehrspolitische Kontakte in Berlin: Matthias Raith (li.) und Stephan Müller (Bürgerforum).
Verkehrspolitische Kontakte in Berlin: Matthias Raith (li.) und Stephan Müller (Bürgerforum).
Foto: Bürgerforum Gladbeck
Gladbeck erlebt ein Wochenende kontroverser A-52-Debatten. Das Bürgerforum attackiert das Berliner Gespräch der Stadtspitze im Verkehrsministerium.

Gladbeck / Berlin..  Äußerst scharfe Kritik erntet das jüngste Berliner A-52-Gespräch der Gladbecker Delegation mit Bürgermeister Ulrich Roland (SPD) an der Spitze vom Bürgerforum Gladbeck.

„Es ist sicherlich richtig, wenn die Stadt Gesprächsangebote von Bundesseite annimmt. Warum die Akteure der Stadt aber angesichts der eindeutigen und unveränderten Position des Bundes, die die Ablehnung von Tunnel und Kreuz durch die Gladbecker Bürger missachtet, ihr Berliner Gespräch öffentlich als gut, zufriedenstellend, konstruktiv und zielführend bezeichnen, bleibt ein Geheimnis unserer Politiker“, formuliert Bürgerforum-Vorsitzender Matthias Raith in einer aktuellen Stellungnahme.

Und weiter heißt es: „Dass ihr Gespräch erst im September 2015 fortgesetzt und das laufende Planfeststellungsverfahren unverändert weiter laufen soll, entlarvt die Initiative und den Bericht dazu als im Kern erfolglosen Versuch der Selbstprofilierung der Initiatoren, die jetzt nicht als Augenwischerei gegenüber den betroffenen Bürgern verwendet werden sollte. Kein Gladbecker Verantwortlicher sollte sich durch das vage und widersprüchliche Gerede aus Berlin von der gemeinsamen, klaren Position gegen den A 52-Torso abhalten und über den Tisch ziehen lassen.“

Bürgerforum: „Kleine Anfrage der Grünen angeregt“

Rein zufällig, so das Bürgerforum, sei man am 5./6. März ebenfalls in der Hauptstadt präsent gewesen. Matthias Raith und Stephan Müller führten Gespräche zur Verbesserung der Mobilität der Ruhr-Region, wobei es auch um die Bundesstraße 224 ging. Gesprächspartner seien die verkehrspolitischen Sprecher von Bündnis 90/Grüne und Die Linke gewesen sowie Essener Bundestagsabgeordnete und die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Erstes Ergebnis dieser Gespräche sei eine vom Bürgerforum angeregte Kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung, mit der - mit Blick auf die B 224/A 52-Debatte - die Widersprüche zwischen den laufenden Planfeststellungsverfahren und den Aussagen von Politikern geklärt werden sollen (Bundestagsdrucksache 18/4241).

Alternative Verkehrskonzepte im Blick - weitere Mobilität-Werk-Stadt geplant

Im Einvernehmen mit seinen Berliner Gesprächspartnern will das Bürgerforum jetzt nach eigener Auskunft sein Alternativkonzept zusammen mit Experten seines Netzwerks und externen Fachleuten weiter ausarbeiten. Es soll den maßgebenden Politikern und Meinungsführern noch im Sommer vorgestellt und auch Gegenstand einer weiteren Veranstaltung der „Mobilität~Werk~Stadt“ sowie eines Weißbuchs mit Planungen, rechtlichen Grundlagen und Berechnungen werden. Zudem soll der Alternativplan des Bürgerforums in das Verfahren zum Bundesverkehrswegeplan 2015 als Beleg dafür eingebracht werden, dass für die Autobahn durch Gladbeck kein vordringlicher Bedarf besteht.

Bürgerforum unterstreicht: Planfeststellungsverfahren laufen unvermindert weiter

Die beiden Planfeststellungsverfahren für den A-52-Abschnitt von der A 42 bis zur Stadtgrenze Bottrop sowie von der Stadtgrenze Bottrop bis zum Autobahnkreuz der A 52 und der A 2 laufen unvermindert weiter - diese Botschaft an die Bevölkerung liegt dem Bürgerforum besonders am Herzen. Alles andere seien nur theoretische Erörterungen. In diesem Zusammenhang verweist das Bürgerforum auf ein Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs Ferlemann an Bürgerforum-Chef Matthias Raith, in dem es heißt: „Dementsprechend werden die beiden Planfeststellungsverfahren weiter betrieben. Der Bau dieser leistungsfähigen Querspange zwischen der A 42 und der A 2 ist zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse dringend erforderlich.“

Kompetenz-Team des Bürgerforums: Ein A-52-Tunnel kostet 510 Millionen Euro

Ein A-52-Tunnel in Gladbeck wird mindestens 510 Millionen Euro kosten. Das meint das Bürgerforum Gladbeck in einer weiteren aktuellen Mitteilung. Um die Innenstadt von Gladbeck vor gesundheitsgefährdenden Immissionen zu schützen, müsse der Tunnel mindestens 2,6 Kilometer lang sein. Zugleich würde ein solches Bauwerk aber die Umweltprobleme nicht lösen.

Das Bürgerforum verweist auf eine „ingenieurmäßige Vorüberlegung“ von Dipl.-Ing. Horst Wieschebrink, der im Kompetenz–Team des Bürgerforums Gladbeck zuständig zeichne für Fragen des Ingenieurbaus. Um den offensichtlich politisch gewollten, vollständigen Schutz der Stadt Gladbeck erzielen zu können, müsse sich der Tunnel, so Wieschebrink, von der Erlenstraße bis südlich der A 2 erstrecken. Ein Tunnel mit lediglich 1,5 km Länge, wie er den Gladbeckern anlässlich des Ratsbürgerentscheides von 2012 präsentiert wurde, könne die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz der Bürger definitiv nicht erfüllen.

Das Bürgerforum führt weiter aus: Die Idee, den Tunnel erst mehrere hundert Meter nördlich der A 2 beginnen bzw. enden zu lassen, sei unrealistisch, denn damit vernachlässige man den notwendigen Schutz der angrenzenden Siedlungen und Erholungsanlagen vor über die gesetzlichen Grenzwerte hinaus gehenden Immissionen.

Wie heute schon - zum Beispiel bei Düsseldorfer Straßen- und Autobahntunneln - beobachtet werden könne, sei die Schadstoffbelastung gerade im Bereich der Tunnelportale auf Grund der Bewegung der horizontalen Luftsäule durch den Verkehr extrem hoch. Bei niedrig geschätzten 20 000 Fahrzeugen in einer Fahrtrichtung entstünden in Gladbeck an den Tunnel-Portalen CO2-Mengen von – bei niedrigstem Ansatz - über zwei Tonnen (!) pro Tag, angereichert mit allen im Tunnel entstehenden Schwebstoffen, einschließlich Abrieb und hochtoxischen Feinstäuben. Eine fast zweifache Schadstoffmenge würde an mindestens zwei weiteren Stellen auf der Strecke, nämlich im Bereich der Lüftungsschächte, konzentriert an das Umfeld abgegeben.

Das Bürgerforum führt noch viele weitere Detailpunkte zu einem möglichen A-52-Tunnelprojekt auf und kommt zu dem Schluss: „Insgesamt zeigt eine nähere, ingenieurmäßige Betrachtung, dass bei dem gigantischen Aufwand für einen Tunnel und allen Konsequenzen für die Bewohner von Gladbeck und ihrem Umfeld dem eigentlichen Ziel, eine hohe Lebensqualität trotz B 224 zu erreichen, nicht näher zu kommen ist. Verkehrsvermeidung und -verminderung sowie intelligentere Maßnahmen zur Verkehrsregelung auf der B 224 sind das Gebot der Stunde.“

 
 

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