Bürgerentscheid übers KARO scheitert - zu wenig Beteiligung

Bange Blicke zum Bildschirm im Ratssaal. Die ersten Auszählungsergebnisse machen schon deutlich: Ein Sieg wird das nicht.
Bange Blicke zum Bildschirm im Ratssaal. Die ersten Auszählungsergebnisse machen schon deutlich: Ein Sieg wird das nicht.
Foto: Funke Foto Services
Nur 11,5 Prozent der Gladbecker gingen zur Wahl, das reicht nicht. Initiative tief enttäuscht über mangelndes Interesse.

Gladbeck..  Der Bürgerentscheid über das KARO ist gescheitert. Die Mindestzahl von mindestens 8764 Stimmen, oder 15 Prozent der 58500 Wahlberechtigten, wurde nicht erreicht. Insgesamt machten sich nur 6717 Gladbecker auf den Weg an die Urne (11,5 Prozent). 3419 Bürger (50,9 Prozent) stimmten für einen Beibehalt der Jugendarbeit im KARO in der bisherigen Form, 3298 (49,1 Prozent) dagegen.

Damit wird das Vorhaben der Verwaltung zur Neukonzeption in der Butendorfer Kinder- und Jugendeinrichtung umgesetzt werden können, wird das schmucke Gebäudeensemble an der Schachtstraße das neue Zuhause für die Jugendkunstschule. Das Außengelände bleibt offen für alle Kinder im Stadtteil, die Ferienspielaktionen werden ebenfalls fortgeführt. „Wir fangen Montag mit den Planungen an“, sagte der Erste Beigeordnete Rainer Weichelt nach Feststellung des Endergebnisses.

Das hatte sich bereits bei den ersten Auszählungen aus den Stimmbezirken abgezeichnet, und auch die Initiatorinnen waren vorgewarnt. Als Wahlhelferinnen in den Wahllokalen hatten sie im Laufe des Tages die schleppende Beteiligung an der Abstimmung verfolgt.

„Das ist für mich die größte Enttäuschung“, war denn auch der erste Kommentar von Michaela Reclik, die sich mit ihren Mitstreiterinnen 13 Monate für einen Erhalt des KARO in der jetzigen Form engagiert hatte. Vor allem in Butendorf hatten sie mit großer Beteiligung gerechnet. Aber auch da machten sich nur 1437 Wähler auf den Weg, immerhin stimmten 63,5 Prozent mit Ja. „Selbst ein „Nein“ wäre besser zu ertragen gewesen als diese geringe Beteiligung“, sagt auch Sabine Nienerza. Besonders enttäuschend für die Initiatorinnen: Bei der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren hatten sie in wenigen Wochen über 5000 zusammen – weit mehr als jetzt Ja-Stimmen.

„Da klafft eine Lücke“, stellt auch Bürgermeister Ulrich Roland fest, als er gegen 19 Uhr das Ergebnis im Ratssaal kündet. Aber „Demokratie ist eben ein schwieriges Geschäft“ sagt er und spricht den Initiatorinnen große Anerkennung und Respekt für ihr Engagement aus. „Sie haben 13 Monate lang auf dem Weg der Demokratie gekämpft.“

Überrascht hat viele Beobachter der langen KARO-Debatte auch das fast ausgewogene Stimmenergebnis. Normalerweise, wundert sich Rainer Weichelt, lassen sich eher die Gegner mobilisieren.

Stimmen zur Wahl

Bürgermeister Ulrich Roland: „Das war viel Arbeit für die Initiative und für die Verwaltung. Die Kosten (90 000 Euro) sind Kosten der Demokratie. Ich frage mich aber, ob nicht auch die repräsentative Demokratie ein guter Weg ist. Dabei hat sich der Gesetzgeber doch einiges gedacht.“

Initiatorin Michaela Reclik: „Mich regt nicht auf, dass wir verloren haben. Mich schockt die geringe Wahlbeteiligung. Vor allem in Butendorf hatte ich mit mehr gerechnet. Für den Stadtteil und die Bewohner haben wir uns doch so engagiert. Jetzt muss ich erst einmal durchatmen.“

Jugenddezernent Rainer Weichelt: „Das Ergebnis ist eine Bestätigung unserer Arbeit, dass wir vieles richtig machen. Dennoch war’s eine gute Auseinandersetzung über die Kinder- und Jugendarbeit. Es ist festzustellen: Unsere rationale Argumentation kommt bei den Bürgern an.“

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