Brillanter Jahresabschluss

Zum letzten Konzert im laufenden Kalenderjahr der Reihe „Forum Deutscher Musikhochschulen“ begrüßte am Dienstagabend in der Mathias-Jakobs-Stadthalle nicht wie gewohnt Heinz Ilaender das Publikum, sondern Annette Becker vom Kulturamt übernahm diesen Part. Der allseits bekannte und geschätzte künstlerische Leiter musste krankheitsbedingt passen, erklärte sie. „Er ist aber schon auf dem Weg der Besserung“, berichtete seine Ehefrau Ingeborg.

Ein feines Publikum

„Mit Sentiment und Brillanz“ titelte das Konzert, zu Gast Akihiro Takeda mit seiner Violine und Yoshiko Furukawa am Klavier. Die beiden japanischen Studenten der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bestritten den ersten Teil des Abends als Solisten. Bestechend einfach im Klang, und doch so hoch kompliziert in den Tonfolgen die „Sonate für Violine solo Nr. 4 e-moll op. 27“ von Eugène Ysaye. Takeda interpretierte das Werk des 1931 verstorbenen Musikers mit perfekter Energie. Ein in sich gekehrtes Suchen nach dem Kern, virtuose Koloraturen und unglaubliche „pianissimi“ führten nach drei Sätzen in ein fulminantes Finale rasanter Schnelligkeit.

Musik anderer Couleur bot die Klaviersonate Nr. 18 G-Dur op. 78 von Franz Schubert. Furukawa glänzte mit einer Weltklasse-Präsentation des romantischen Werks. Tänzelnd spielerisch die Sätze, und doch, immer wieder gebrochen von einer sich andeutenden Konfliktualität des Komponisten, die streckenweise an seine „Unvollendete“ Sinfonie erinnert. Perlende Melodieläufe verwöhnen die Ohren, rauschend berauschend, bis aufbäumende Akkorde die Idylle unterbrechen. Furukawa beherrscht die intensiven Wechsel mit Bravour, verleiht dem unermüdlichen Drängen ihre eigene Note.

Laute „Bravo-Rufe“ nach dem letzten Akkord. „Es ist ein ganz feines Publikum hier in Gladbeck, das habe ich die ganze Zeit beim Spiel gespürt“, bemerkte die junge Künstlerin anerkennend.

Nach der Pause traten die beiden Studenten dann gemeinsam an, bewiesen ihre außergewöhnliche Musikalität auch im Zusammenspiel. Zauberhaft die Klänge der Sonate für Violine und Klavier von Claude Debussy aus dem Jahre 1917. Takeda und Furukawa waren im ständigen Blickkontakt, wiegten sich in Klangwolken.

Aufreizende „ritardandi“ lösten sich punktgenau am Spannungsbogen auf. Mit Toru Takemitsus „Distance de Fée“ spielten die Japaner, die heute in Essen leben, anschließend ein Werk eines Komponisten ihrer Heimat und beschlossen den Abend mit Henryk Wieniawskis „Polonaise brillante de concert D-Dur“.

Viel Applaus gab es für die jungen Talente am Ende, und im Publikum schon viel Vorfreude auf das kommende Jahr mit weiteren Ausnahmetalenten in der Reihe „Forum Deutscher Musikhochschulen“.

 
 

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