Briefe über Briefe – die Post ist Nacht für Nacht ganz aktiv

Alle Briefe, alle Postkarten laufen über das Briefzentrum Essen. Auf diesem Foto werden von der automatischen Sortieranlage die Kisten mit den sortierten Briefen zur weiteren Verarbeitung zu Gitterwagen gebracht,
Alle Briefe, alle Postkarten laufen über das Briefzentrum Essen. Auf diesem Foto werden von der automatischen Sortieranlage die Kisten mit den sortierten Briefen zur weiteren Verarbeitung zu Gitterwagen gebracht,
Foto: WAZ
Alle Briefe aus Gladbeck landen im Briefzentrum Essen – auch die, die für Gladbeck bestimmt sind. 45 Boten tragen 200 000 Briefe die Woche aus.

Gladbeck.  Um 17 Uhr noch schnell den Brief am Postbank-Center Barbarastraße eingeworfen – am anderen Morgen liegt er pünktlich im Postkasten des Adressaten an der Hochstraße. Selbstverständlich – liegt ja nur im die Ecke, könnte man meinen. Aber der Brief hat, bevor ihn der Bote zustellt, einen Weg hinter sich, der länger ist, als man denkt.

Thomas Huss ist einer der noch wenigen Post-eigenen Briefkastenleerer, viele andere kommen inzwischen von Fremdfirmen – Speditionen, Taxibetriebe oder Transportunternehmen, erläutert Post-Sprecher Dieter Pietruck. Huss und seine Kollegen fahren mehrere Touren durch Gladbeck, bei denen sie die 30 im Stadtgebiet verteilten gelben Briefkästen leeren. Mit einem Spezialschlüssel öffnet Huss den Kasten, scannt mit einem Handscanner einen innen liegenden Strichcode – damit die Leerung am Standort samt Uhrzeit festgehalten wird. Und dann gehen die Briefe zunächst per Auto auf Reisen.

Mehrere tausend Briefe und Karten pro Tag sammelt die Post so in Gladbeck ein – die genaue Zahl nennt sie aus Konkurrenzgründen nicht, so Pietruck. Nur soviel: Seit Jahren sei das Aufkommen rückläufig, nur 15 Prozent stammt von Privatkunden. Der große Rest ist gewerbliche Post, oft an Filialen abgegeben. Dennoch halte die Post, so Pietruck, die Zahl der Briefkästen in Gladbeck seit 2003 stabil. Laut Gesetz müsse jeder innerhalb von 1000 Metern einen der gelben Kästen ansteuern können. „Im Ruhrgebiet liegen wir deutlich drunter, meist unter 500 Metern.“

Sämtliche Post wird zum Briefzentrum nach Essen gebracht – in Vogelheim steht eines der größeren, zuständig für alle Städte, deren Postleitzahl mit 45 beginnen. Rund 400 Mitarbeiter bearbeiten dort jede Nacht bis zu 3 Mio Briefe und Postkarten – mit Hilfe großer und intelligenter Maschinen. Zunächst werden die Briefe nach Größe sortiert, richtig herum gedreht (Anschriftseite in die gleiche Richtung) sowie die Briefmarke geprüft und gestempelt. Alles automatisch – auch die anschließende Sortierung: „Die Maschine liest die Anschrift, fasst nach Postleitzahlen zusammen und druckt den Briefen einen Leitcode am Briefrand auf.

Alle überregionalen Briefe verlassen um 21.30 Uhr das Briefzentrum. Die, die in der Region bleiben, werden bis 6 Uhr – zusammen mit der Post, die aus anderen Landstrichen hierher kommt – durch die „Gangsortierung“ geschickt: Da werden die Briefe so feinsortiert, dass sie in der Reihenfolge liegen, wie sie der Briefträger später austrägt. Um 6.30 Uhr bringen meist zwei Lkw diese Post nach Gladbeck zum Poststützpunkt an der Wilhelmstraße, wo 67 Mitarbeiter tätig sind und ca. 200 000 Sendungen pro Woche verarbeiten. Dort wird noch eine Restsortierung (von schwer Lesbarem) vorgenommen.

Dann schwirren die Postboten per Rad (plus zwei Landzusteller per Auto) in die 33 Zustellbezirke in Gladbeck aus, die größer geworden sind, seitdem die Boten nicht mehr selbst sortieren. Im Schnitt bewältigt ein Briefzusteller 1500 Sendungen am Tag. Viel zu viel, um damit aber vom Stützpunkt aus loszuziehen: Deshalb wird ein Großteile der Briefe in Spezialbehälter gepackt und von einem Fahrdienst zu Ablagekästen gebracht, an denen sich die Postboten nachversorgen können. Damit alle Briefe pünktlich im Postkasten sind...

Ein verschwundener Briefkasten ist wieder da

Zuletzt hatte es um zwei der gelben Briefkästen Ärger gegeben. Zumindest in einem Fall gibt die Post nun Entwarnung: Für den gestohlenen Briefkasten an der Ecke Bülser Straße/Krusenkamp ist in dieser Woche Ersatz gekommen: Am Hause von Lotto/Toto und Tabak Hopp, Bülser Straße 35, wurde ein neuer gelber Kasten installiert – fest verbunden mit der Hauswand.

Für den explodierten Briefkasten Ecke Phönix-/Diepenbrockstraße steht ein Ersatzkasten noch aus, so Postsprecher Dieter Pietruck. Grund sind Lieferprobleme des Herstellers, der Produktionsausfälle zu beklagen hat. Sobald wie möglich komme aber ein Exemplar nach Butendorf.

Von übervollen Briefkästen in Stadtmitte oder Brauck, wie Leser klagen, weiß Pietruck nichts. Briefkastenleerer Thomas Huss berichtet aber, dass Einwürfe von (zu) dicken und großen Briefumschlägen die Kästen mitunter „verstopfen“ und so nur der Eindruck entstehe, der Briefkasten sei voll.

Für die zwei geschlossenen Postfilialen an der Horster Straße in Brauck wurde noch kein Ersatz gefunden. Der Autobedarf Olenitzack, Horster Straße 152 in Butendorf, meldet, dass er Briefmarken verkauft und Pakete annimmt.

 
 

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