Breite Front gegen die Moschee bei Bürgerversammlung in Gladbeck

Proppenvoll war der große Saal bei Kleimann-Reuer, als es um die geplante Moschee an der Haldenstraße ging.
Proppenvoll war der große Saal bei Kleimann-Reuer, als es um die geplante Moschee an der Haldenstraße ging.
Foto: WAZ FotoPool
Der Verkauf der Taubenhalle an den Islamischen Kulturverein Gladbeck erhitzt die Gemüter in Rentfort. Eine Moschee an der Haldenstraße ist unerwünscht. Die Anwohner sind aber auch sauer auf die Stadt, weil sie sich übergangen und überrumpelt fühlen.

Gladbeck. Der große Saal bei Kleimann-Reuer rappelvoll, die Stimmung aufgeheizt: Der Verkauf der Taubenhalle an den Islamischen Kulturverein Gladbeck erhitzt die Gemüter in Rentfort. Und sehr schnell wurde bei der von Anwohnern einberufenen Bürgerversammlung am Mittwochabend klar: Eine Moschee an der Haldenstraße ist unerwünscht – und das nicht nur aus sachlichen Gründen.

Da gibt es zum einen die Sorgen der direkten Nachbarn an der Haldenstraße: Sie befürchten Lärmbelästigung und Parkchaos bei großen Feiern, die bis zu zehn Mal pro Jahr, an hohen islamischen Feiertagen, erlaubt sein sollen. Sie sind sicher, dass ihre Grundstücke an Wert verlieren, sie ihre Wohnungen schlechter vermieten können. Sie haben Sicherheitsbedenken, weil ein zweiter Rettungsweg fehlt und die einzige Zufahrt zum Gebäude für Feuerwehrfahrzeuge zu eng ist.

Auch ausländerfeindliche Töne

Sie sind aber auch sauer auf die Stadt, weil sie sich übergangen und überrumpelt fühlen, vom Verkauf der Taubenhalle an den Islamischen Kulturverein durch Zufall erfahren haben. Interessenten aus ihren Reihen, Handwerksbetriebe von der Haldenstraße, seien mit ihren Kaufangeboten nicht zum Zug gekommen. „Das war doch alles schon vorher eingestielt.“

Es gab noch andere Töne an diesem Abend, mehr oder minder unverhohlen ausländerfeindliche. In dieser Atmosphäre hatte eine Kreistagsabgeordnete der Unabhängen Bürgerpartei aus Recklinghausen leichtes Spiel. Mit ihren Horrorszenarien von Salafisten und in Koranschulen indoktrinierten Kindern erntete sie donnernden Applaus im Saal.

„Gehen Sie offen auf diese Menschen zu und nehmen Sie sie ernst"

Die Dezernenten Rainer Weichelt und Martin Harter dagegen hatten keinen leichten Stand. Harter berichtete, dass nach dem positiven Bescheid der Bauvoranfrage der Stadt seit zwei Tagen der Bauantrag des Islamischen Kulturvereins vorliege. Im Zuge der Prüfung werde es auch um die Sicherheitsbedenken der Anwohner gehen. Weichelt betonte, dass er die Pläne des Islamischen Kulturvereins, der seit Jahren nach geeigneten Räumlichkeiten sucht, uneingeschränkt unterstütze und appellierte: „Gehen Sie offen auf diese Menschen zu und nehmen Sie sie ernst. Es sind Gladbecker Bürger wie Sie und ich, die zum großen Teil schon Jahrzehnte hier leben.“

Ein Appell, der an diesem Abend nicht ankam. Im Gegenteil: Die aufgeladene Stimmung im Saal lässt erwarten, dass diese Rentforter Bürger ihre wahrscheinlichen neuen Nachbarn nicht mit offenen Armen empfangen werden.

 
 

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