Botschafter der Verständigung

Georg Meinert
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Gladbeck. Ein Engel auf Reisen quer durch die Stadt - der „Engel der Kulturen“, er rollte am Donnerstag, angeschoben von seinen künstlerischen Schöpfern Carmen Dietrich und Gregor Merten, von Brauck über Butendorf und Mitte-Ost zum Martin-Luther-Forum. Ein Botschafter des interreligiösen Dialogs, des Miteinanders der Kulturen, des Friedens und der Begegnung, wie es unterwegs immer wieder hieß.

Viele Menschen standen allerdings nicht am Straßenrand, als die Skulptur an den Wohnhäusern vorbeirollte. Einige neugierige Blicke gab es, mancherorts auch Erstaunen, keinesfalls aber massenhaftes Hingucken. „Darauf kommt es auch nicht an, wichtig ist, dass das Rad da war, dass es gesehen wurde, und dass davon erzählt wird“, sagte der Initiator der Aktion, der ev. Pfarrer Willi Overbeck. aus Essen. Und dass es von Dialog, Toleranz und Respekt zwischen den Kulturen kündet, „was immens wichtig ist für eine Stadtgesellschaft“. Für Bürgermeister Ulrich Roland, Schirmherr der Veranstaltung, der die etwa zwei Dutzend „Aktivisten“ den größten Teil des knapp fünf Kilometer langen Weges begleitete, war die Ausstrahlung wichtig: „Das ist eine symbolträchtige Aktion fürs kulturelle Miteinander.“ Der Engel stehe als sichtbares Zeichen der Verständigung.

Mehr Menschen warteten an den verschiedenen Gotteshäusern auf die Karawane: Etwa je 60 Interessierte beteten mit den Geistlichen an der ev. Petruskirche, an der kath. St.-Marien-Kirche und an der Ditib-Moschee um Frieden und staunten über die Aktionskunst von Dietrich und Merten, die vor jedem Gotteshaus einen „temporären Engel“ schufen, indem die rollende, 1,60 Meter hohe und 100 Kilo schwere Engel-Skulptur auf den Boden gelegt wurde und mit Sand ausgefüllt wurde.

Kunstwerk und Aktionen sind für die Künstler ein Beitrag, Menschen zu verbinden, Städte zu verbinden, Leben zwischen den Kulturen friedlich und tolerant zu gestalten“, so Dietrich und Merten.

Der ev. Pfarrer Cornelius Bury sagte vor der Petruskirche, an der - wie auch an der Moschee - die Seligpreisungen aus der Bergpredigt zitiert wurden, es gebe ein gemeinsames Bestreben aller Menschen und Religionen nach Frieden. Der kath.Pastor Thorsten Reh- berg betonte, man müsse sich in Bewegung setzen, wenn ein Engel komme, für Frieden und Miteinander arbeiten. Die Schülerband der Jordan-Mai-Schule überraschte davor der Marien-Kirche mit der Uraufführung eines Engelliedes.

Der Imam der Ditib-Moschee an der Wielandstraße, Nazif Oral, der an jeder Station die erste Sure des Korans sang, betonte, nicht nur die Religionen, sondern auch die Menschen gingen „vom gleichen Schöpfer“ aus. An der Moschee sang der Kinderchor der muslimischen Gemeinde, für alle gab's eine Erfrischung.

Am Ziel der Karawane, am Martin-Luther-Forum Ruhr, begrüßte Kurator Dr. Peter Hardetert die Engel-Pilger, zu denen auch der Rabbiner der jüdischen Gemeinde, Chaim Kornblum, gestoßen war. Zwei Höhepunkte warteten hier auf die Teilnehmer der Karawane und auf die knapp 100 neuen Gäste: Am Eingang fertigte Künstler Gregor Merten einen neuen 50 cm großen „Engel der Kulturen“. Viele Gäste halfen abwechselnd beim Schweißen mit. Das neue Kunstwerk wurde anschließend einer Delegation aus der Friedensstadt Augsburg übergeben, angeführt von Kulturamtsleiter Thomas Weitzel.

Der versicherte, dass das Zeichen des Friedens und des interreligiösen Dialogs mitten im Herzen von Augsburg nahe dem Rathausplatz während des Hohen Friedensfestes im August dauerhaft aufgestellt wird. Im Gegenzug brachten die Gäste einen Engel mit, der in Augsburg geschaffen wurde. Unter den aufmerksamen Blicken der Gäste wurde er als Intarsie in den Boden des Forums-Gartens verankert und danach mit deutlich erkennbarem blauen Beton ausgefüllt.

Der „Engel der Kulturen“, das Kunstwerk von Carmen Dietrich und Gregor Merten, wirbt für die Verständigung der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Das Kunstwerk, geschaffen 2008, erfasst in einem Stahlrad die Symbole dieser Religionen - Davidsstern, Kreuz und Halbmond. Richtig angeordnet ergibt sich im Gegenlicht des Rades das Bild eines Engels.