Bonhoeffers entwaffnende Menschlichkeit

Zug verpasst, Taxi im Stau – mit leichter Verspätung erreichte Uwe Schulz am Freitagabend das Martin-Luther-Forum, wo knapp 50 Zuhörer auf seinen Vortrag „Was wären wir heute ohne Dietrich Bonhoeffer“ (nach dem gleichnamigen Buch) warteten. Bescheiden und charmant entschuldigte sich der Journalist und Radio-Moderator bei seinem Publikum und bat Kantor Matthias Uphoff mit Musik die „Spurensuche“ nach dem bekannten deutschen Widerständler und Theologen einzuleiten. „Damit wir erst einmal ankommen“.

Die schwebenden Renaissance-Klänge von Giovanni da Palestrina erzeugten tatsächlich eine erwartungsvolle, aber ruhige Stimmung – passend zum großen Thema des Abends. „Und hier haben wir auch die Brücke zu Bonhoeffer“, erklärte Schulz. „Er stammte aus einem großbürgerlichen Haushalt, liebte die Musik, der Flügel gehörte zur Familienkultur“. Uwe Schulz beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Leben und Wirken des Theologen, der 1945 im KZ Flossenbürg nur einen Monat vor Kriegsende von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. „Auf direktem Geheiß von Adolf Hitler, das zeigt, wie sehr er verhasst war“.

Kampf gegen Ungerechtigkeit

Eloquent und voll Bewunderung, ja liebevoll, erzählte Schulz das Leben im Dienst der Gesellschaft, der Kirche, der Menschen. „In der Welt wird gegen die Welt Stellung bezogen“, mit dem Lutherzitat hätte Bonhoeffer sein unermüdliches Ringen gegen die Ungerechtigkeiten des Deutschlands seiner Zeit begründet. Zweimal im sicheren Ausland, England und USA, zweimal zurückgekehrt in die Heimat, um aufzustehen gegen ein Unrechtsregime – die Heimat, die ihm dann den Tod brachte.

„Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, gegen die Dummheit sind wir wehrlos“, beschrieb er die Mitläufer. Schulz zog den Bogen zum Bonhoeffer 2.0, „Eine bessere Analyse über die AFD habe ich in letzter Zeit nicht gehört“ – Stille im Raum, die Botschaft war angekommen. Schulz bezog eindeutig Stellung. Die Kraft für seinen vielfältigen Einsatz zieht er wie Bonhoeffer aus einem uneingeschränkten Glauben. „Ich gehöre zu Gott. Er hat mich nie losgelassen“. Die Verpflichtung der Kirche und des Einzelnen gegenüber den Opfern der Gesellschaft und die Versöhnung sind Schulz’ Themen, „Versöhnung“ lautet auch der Titel seines aktuellen Buches, aus dem er dann nach dem Vortrag las.

 
 

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