Bewohner verschwand in der Nacht - Klage gegen Nachtdienst

Die Geschäftsleitung des Cura Seniorencentrums führt einen Rechtsstreit mit den Betriebsrat-Vorsitzenden, die im Gladbecker Stadtzentrum an der Kolpingstraße beschäftigt sind.
Die Geschäftsleitung des Cura Seniorencentrums führt einen Rechtsstreit mit den Betriebsrat-Vorsitzenden, die im Gladbecker Stadtzentrum an der Kolpingstraße beschäftigt sind.
Foto: FUNKE Foto Services
Gladbecker Seniorenzentrum klagt wegen Pflichtverletzung. Auch Polizei konnte Nachtdienst nicht erreichen. Beklagte sind Betriebsratsvorsitzende.

Gladbeck.. Eine nachdenklich machender Vorfall im Gladbecker Cura Seniorencentrum war jetzt Anlass für eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen. Dabei ging es um das Verschwinden eines dementen Bewohners; um Polizisten, die mehr als eine Stunde den Nachtdienst suchten; um überlastete Pflegekräfte; um mangelhafte Notruftechnik; um fristlose Kündigungen sowie um schon im Vorfeld schwelende Unstimmigkeiten zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat der Betreuungseinrichtung an der Kolpingstraße.

Aus Sicht der Cura-Geschäftsführung hat der Nachtdienst vom 24. auf den 25. März dieses Jahres die arbeitsrechtlichen Pflichten erheblich verletzt. Unstrittig ist, dass ein dementer Bewohner die Einrichtung nach Mitternacht barfuß über eine unverschlossene Fluchttür in Richtung Oberhof verlassen hatte. Dort wurde der verwirrte Mann von Jugendlichen aufgegriffen, die die Polizei alarmierten. Die Beamten versuchten, den Senior in die Einrichtung zurückzubringen. Laut Schilderung der Richterin gab es dabei erhebliche Probleme: „Mehr als eine Stunde war der Nachtdienst nicht erreichbar.“

Die Polizisten hätten zunächst vergeblich am Haupteingang geklingelt, dann über die Polizeiwache auf den Stationsetagen anrufen lassen – auch ohne Erfolg. Schließlich stieg ein Polizist durch ein offenstehendes Erdgeschossfenster ein. Er sei rufend bis in die zweite Etage gegangen, auch darauf sei keine Reaktion erfolgt. Erst nachdem die Polizei die Pflegedienstleiterin privat erreichte, die zur Einrichtung gebeten wurde, sei es im Gebäude gelungen, den Nachtdienst via Alarmpager zu kontaktieren.

Polizei konnte Nachtdienstmehr als eine Stunde nicht finden

Wo sich der Nachtdienst aufgehalten hat und warum er so lange nicht zu erreichen war, stand belastend als Frage im Verhandlungssaal 3 des Arbeitsgerichtes.

Für Martin Löbbecke leicht zu erklären. Der Gladbecker Anwalt vertritt den examinierten Pfleger (53) und die Pflegeassistentin (41), die Nachtdienst hatten und seit 18 beziehungsweise 21 Jahren für Cura arbeiten. Pikanterweise sind beide auch der Betriebsratvorsitzende und seine Stellvertreterin. Sie wurden von den gut 50 Mitarbeitern des Gladbecker Seniorencentrums gewählt und sind dort offensichtlich gut gelitten, da acht Kolleginnen als moralische Unterstützung im Zuschauerbereich saßen. Ob die gegen die Betriebsräte angestrebte außerordentliche Kündigung zugelassen wird, muss das Arbeitsgericht entscheiden.

Nach Türalarm niemandenim Außenbereich gesehen

Löbbecke schilderte in der öffentlichen Anhörung, dass sehr wohl der via Pager gemeldete Türalarm bemerkt worden sei. Der Nachtdienst habe darauf den Außenbereich Richtung Oberhof kontrolliert, aber niemanden gesehen. Seine Mandanten seien anschließend vollauf mit Zimmerkontrollen, Versorgung und Pflege der 92 Bewohner beschäftigt gewesen seien.

Weder die Türklingel noch die zentralen Telefone auf den Stationen seien in vielen der Bewohnerzimmer zu hören. Außerdem sei seit geraumer Zeit von den Mitarbeitern bemängelt und über einen technischen Bericht belegbar, „dass die mobilen Pager defekt sind und nicht verlässlich funktionieren“. Die ganze Situation wäre vermeidbar gewesen, sagt Löbbecke, wenn Cura, wie von vielen Mitarbeitern gewünscht, einen Nachtpförtner einstellen würde.

Weil der Gütetermin scheiterte, wird der Fall vor dem Arbeitsgericht am 11. August, ab 12.30 Uhr in Saal 3 weiter verhandelt.

 
 

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