Bauen schweißt zusammen

Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck..  Den Zeitungsausschnitt mit dem Luftbild ihrer Siedlung haben sie aufbewahrt. „Unser Haus“ hat jemand an den Rand geschrieben, versehen mit einem Pfeil und der Frage, ob man Tim wohl aus seinem Zimmerfenster winken sehen kann. Noch ist die Siedlung an der Hege-/Lottenstraße in Rentfort mehr Baustelle als Wohnidyll. Aber Familie Pirl ist schon eingezogen.

Ihr Reihenhaus haben Tanja (33) und Rico (35) Pirl bereits eingerichtet. „Den Garten machen wir wohl erst nächstes Jahr“, sagt die frischgebackene Hausbesitzerin. Wer ein Haus baut, hat viele Projekte. Und bei den Pirls steht schon bald die nächste Veränderung ins Haus. Tanja Pirls Bauch verrät es: Schon bald wird die Familie zu viert sein, der kleine Sohn bekommt ein Geschwisterchen.

Viele junge Familien

Bewusst hat sich die Familie für ein Haus in einem Neubaugebiet entschieden. „Es gibt hier viele Gleichaltrige, viele junge Familien mit Kindern“, sagt Rico Pirl. Schon in der Bauphase haben die neuen Nachbarn Kontakte geknüpft. „Alle haben hier eigentlich gleichzeitig angefangen, hatten die gleichen Sorgen, Ängste und auch Freuden“, sagt er. Das schweißt zusammen, „man hat das Gefühl, man kennt sich schon“, sagt Tanja Pirl.

In der jungen Nachbarschaft könne man sich auf die Hilfsbereitschaft verlassen. „Aber man rennt sich nicht die Bude ein“, sagt die 33-Jährige.

Beide arbeiten im Zoo

Anders als ihr Mann Rico, der aus dem Osten Deutschlands ins Ruhrgebiet kam, ist Tanja Pirl in Gladbeck tief verwurzelt. Kennengelernt haben die beiden sich bei der Arbeit. Beide sind Tierpfleger im Gelsenkirchener Zoom. Er ist Revierleiter in der Erlebniswelt Asien, sie arbeitet als Tierarzthelferin in der Tierarztpraxis des Zoos.

Und weil schon ihre Eltern Mitglied in der Siedlergemeinschaft Rentfort sind, haben sich auch die Pirls dafür entschieden. Und weil sie ausgerechnet die 750. Mitgliedsfamilie sind, gibt es dafür vom Verein nicht nur einen Blumenstrauß, sondern auch einen Gutschein. „Damit können die jungen Leute ja mehr anfangen als mit einem Geschenk“, sagt der Vereinsvorsitzende Werner Hülsermann.

Die Siedlergemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Wohneigentümern, die neben dem Zusammenhalt viele weitere Vorteile mit sich bringt. „Da gibt es viele Vergünstigungen“, sagt Hülsermann. Im Jahresbeitrag von 20,90 Euro enthalten seien beispielsweise eine Grundstückversicherung, eine Rechtsschutzversicherung und eine Bauhelferversicherung. Zudem gewährten viele Firmen den Siedlern Rabatte.
Und: „Wenn man Probleme hat, zum Beispiel mit dem Bauträger, kann man einfach den Vorstand anrufen.“ Die Rentforter Siedlergemeinschaft ist mit ihren nunmehr 750 Mitgliedern eine der ganz großen in Gladbeck. Und sie wird weiter wachsen, denn auch das Neubaugebiet an der Lottenstraße wächst noch weiter.

Werner Hülsermann findet es gut, dass sich an der Hege-/Lottenstraße vor allem junge Familien einsiedeln. „In Alt-Rentfort zum Beispiel wohnen eher ältere Leute, da ist es für junge Familien nicht so leicht.“ In der neuen Siedlung kann so eine ganz neue Nachbarschaft entstehen.
„Man muss allerdings auch etwas dafür tun", sagt Hülsermann. Der Grundstein dafür wurde bereits in diesem Jahr gelegt: Ein erstes Siedlungsfest haben die neuen Bewohner schon im Sommer gefeiert.

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