Aus Vanilla wurde Afrika

Die Vanilla Lounge musste ihren Namen ändern - das hat die Wirtin Regina Winckler, hier vor der Gastronomie mit neuem Namen Afrika Lounge, viel Geld und Nerven gekostet.
Die Vanilla Lounge musste ihren Namen ändern - das hat die Wirtin Regina Winckler, hier vor der Gastronomie mit neuem Namen Afrika Lounge, viel Geld und Nerven gekostet.
Foto: Peggy Mendel
Die beliebte Cocktailbar an der Goethestraße musste nach der Unterlassungsklage eines Münchner Wirts ihren Namen ändern

Gladbeck.  Oktober 2012: Regina Winckler setzt sich an ihren heimischen Computer, öffnete ihr E-Mail Postfach und fällt nur wenige Augenblicke später aus allen Wolken. Die Besitzerin der Vanilla Lounge, oder besser gesagt, nun Afrika Lounge, traut ihren Augen kaum. Über eine Mitteilung per Mail erfährt sie, dass ihr Laden fortan nicht mehr Vanilla Lounge heißen darf. Doch der Reihe nach.

„Ich war ganz traurig und überrascht“, erinnert sich Regina Winckler, wenn sie an den Tag vor acht Monaten denkt. „Eine Unterlassungserklärung machte mir sehr deutlich, dass ich meiner Bar einen neuen Namen geben muss. Das Schreiben war schon sehr direkt.“ Geklagt hatte ein Wirt aus München, der sich vor zehn Jahren den Namen Vanilla Lounge patentieren ließ.

„Es geht nur um den Namen. Den habe ich mir vor nun mehr als acht Jahren ausgedacht. Das ist im Nachhinein alles nur Zufall“, sagt Regina Winckler kopfschüttelnd.

Brief vom Anwalt

Der Brief vom Anwalt ließ nach der E-Mail nicht lange auf sich warten. Das Verfahren läuft derzeit noch. Ob Regina Winckler neben der Namensänderung auch noch Strafzahlungen hinnehmen muss, steht derzeit noch aus. „Es geht darum, ob ich für die acht Jahre, die mein Laden den Namen getragen hat, bezahlen muss.“

Im schlimmsten Fall müsste die Wirtin eine vier- bis fünfstellige Summe hinnehmen. „Das ginge schon an die Substanz“, befürchtet Regina Winckler, die aber auf ein Ende mit Schrecken hofft.

Einen persönlichen Austausch zwischen dem Kläger und Regina Winckler gab es bisher nicht. „Das wäre natürlich menschlicher gewesen. Sofort wäre ich der Forderung nachgekommen. Das steht doch außer Frage“, so die Gladbeckerin, die seitdem viele Stunden beim Anwalt verbracht hat. „Da kam schon einiges auf das Team zu.“

Mittlerweile hängen die neuen Schilder an der Fassade, das Logo wurde geändert, die Speisekarten neu geschrieben. „Es gibt so viele Dinge, an die man dann denken muss“, weiß nun auch Regina Winckler und verweist auf Telefonbucheinträge, Werbematerial und auf die Umstellung der Kassenbons. Das 13-köpfige Team hat nun auch neue T-Shirts.

Regina Winckler selbst fällt es schwer, für den harten Weg der Klage Verständnis auf zu bringen. „Zwischen den beiden Läden liegen Hunderte von Kilometern und mehrere Bundesländer“, erklärt die Gladbeckern. „Es ist ja nicht so, als nähmen wir uns die Kunden weg.“

Regelmäßig Gäste aus Irland

Ganz gleich, ob Vanilla- oder Africa Lounge: An der Goethestraße fühlen sich die Gladbecker wohl. Ob im kleinen Biergarten unter Palmen oder auf der Couch unter dem derzeit angesichts des warmen Wetters heiß geliebten Ventilators.

Wenn die Kellnerinnen Katharina, Lena oder Jasmin einen leckeren Caipirinha, ein frisch gezapftes Bier oder würzige Currywurst-Pommes servieren, genießen die vielen Gäste „ihre Abwechslung vom Alltag“, wie Regina Winckler es beschreibt. „Dafür sind wir da. Hier darf sich jeder entspannen. Wir versuchen den Besuch so schön wie möglich zu gestalten.“

Und dabei hat die Bar mehr als nur Erfolg. „Wir hatten schon Gäste aus der ganzen Welt, beispielsweise aus Irland“, erinnert sich Winckler und wundert sich: „Sie kommen sogar immer wieder.“ Und spätestens jetzt wird deutlich: Nicht nur für die Gladbecker, sondern für alle Gäste, die schon einmal einen frischen Cocktail hier genossen haben, wird es wohl auch weiterhin die Vanilla Lounge bleiben.

 
 

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